27. Juni 2020 / 09:00 Uhr

Michael Rummenigge: Das sind meine Top- und Flop-Transfers der Bundesliga-Saison

Michael Rummenigge: Das sind meine Top- und Flop-Transfers der Bundesliga-Saison

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Michael Rummenigge kürt seine Top- und Flop-Transfers der Saison – mit dabei Erling Haaland und Lucas Hernandez (v.li.). 
Michael Rummenigge kürt seine Top- und Flop-Transfers der Saison – mit dabei Erling Haaland und Lucas Hernandez (v.li.).  © Getty Images/imago images/MIS (Montage)
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge zieht Bilanz. Der frühere Nationalspieler beleuchtet die Transfers der Bundesliga-Klubs und analysiert, welche drei Spieler voll eingeschlagen haben – und bei welchen drei Profis noch besonders viel Luft nach oben ist.

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TOPS

Erling Haaland (für 20 Millionen Euro von RB Salzburg zu Borussia Dortmund): Er ist wie ein Tsunami über die Bundesliga gekommen und hat sofort voll eingeschlagen. Er hätte im Winter zu jedem europäischen Spitzenklub gehen können, hat sich aber für Borussia Dortmund entschieden. Das hat mich zunächst erstaunt, aber Haaland wusste: Beim BVB bekommen junge Spieler eine Chance und viel Einsatzzeit. Was er kann, hat er auch nach der Corona-Pause bewiesen – auch wenn er nicht in jedem Spiel getroffen hat. Das darf man auch nicht erwarten. Er ist erst 19 Jahre alt und noch gewissen Schwankungen unterworfen. Mit dem Willen und dem Biss, den er präsentiert, wird er in seinen Leistungen zukünftig noch konstanter werden.

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Marcus Thuram (für neun Millionen Euro von EA Guingamp zu Borussia Mönchengladbach): Eine Sache vorweg: Wer diesen Nachnamen trägt und sich in Frankreich durchsetzt, bringt den nötigen Willen und das nötige Selbstvertrauen mit. Schließlich war sein Vater Lilian Welt- und Europameister – da steht man als Sohn schon unter besonderer Beobachtung. Marcus Thuram hat diesen Druck jedoch abgeschüttelt und auch in Gladbach schnell überzeugt. Sollte die Borussia die Champions League erreichen, hätte er großen Anteil daran. Er kann Tore schießen und vorbereiten. Zudem ist er offensiv auf vielen Positionen einsetzbar. Ein absoluter Top-Transfer.

Emre Can (von Juventus Turin an Borussia Dortmund ausgeliehen; fester Transfer für 25 Millionen Euro vereinbart): Ich habe mich bei diesem Transfer gleich zweimal gewundert. So habe ich nicht verstanden, warum Juventus Turin den Spieler abgegeben hat. Und ich hätte erwartet, dass sich auch der FC Bayern um ihn bemüht. Aber vielleicht wollte Emre Can auch unbedingt nach Dortmund. Für den BVB ist er auf jeden Fall ein großer Gewinn, hat sich sofort als Stabilisator und absoluter Führungsspieler etabliert. Als Axel Witsel ausfiel, übernahm Can noch mehr Verantwortung. Das hat mir sehr gut gefallen.

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FLOPS

Lucas Hernandez (für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid zum FC Bayern): Man muss ihn als Flop bezeichnen – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Dabei gilt es aber, eine Sache festzuhalten: Er kam schon verletzt nach München und hat dann immer wieder körperliche Rückschläge erlitten. Das darf man einem Spieler nicht vorwerfen. Ebenso wenig die Bundesliga-Rekordablöse in Höhe von 80 Millionen. Wobei ich annehme, dass die Bayern diese Summe nicht komplett an Atlético Madrid überweisen mussten. In Verträgen gibt es eigentlich Klauseln, die regeln, dass ein Profi gesundheitlich für eine bestimmte Anzahl von Spielen fit sein muss. Lucas Hernandez ist Weltmeister und folglich ein richtig guter Kicker. Ich will nicht ausschließen, dass er bei den Bayern noch richtig durchstartet. Daher glaube ich auch nicht, dass sie ihn im Sommer schon wieder abgeben werden.

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Nico Schulz (für 25,5 Millionen Euro von der TSG Hoffenheim zu Borussia Dortmund): 25,5 Millionen Euro Ablöse für Nico Schulz – das war schon vor der Saison ein Brett. Aber der BVB stand unter Druck. Man ging davon aus, dass Raphael Guerreiro seinen Vertrag nicht verlängern wird und sah sich zum Handeln gezwungen. Aber: Der Portugiese blieb und nun kommt Schulz nicht an ihm vorbei. Er ist nicht mehr als ein Backup. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass die Zeichen bei ihm schon wieder auf Abschied stehen. Die Summe, die die Dortmunder für den Transfer an die TSG Hoffenheim überwiesen haben, werden sie bei einem Verkauf aber wohl kaum erzielen können.

Davie Selke (von Hertha BSC an Werder Bremen ausgeliehen; Kaufpflicht greift bei zweimaligem Werder-Klassenerhalt): Bei Werder hatte man die Hoffnung, dass Selke zu einem entscheidenden Faktor im Abstiegskampf werden kann. Mir war aber gleich klar, dass er den Bremern nicht weiterhelfen wird. Warum? Selke hat nach seinen ersten Profijahren bei Werder bei keinem Verein mehr gezeigt, dass er bundesligatauglich ist. Er ist technisch limitiert, für seine Größe zu schwach im Kopfballspiel, hat kein Dribbling und wenig Durchsetzungsvermögen. Zudem ist er niemand, der in entscheidenden Phasen die Ärmel hochkrempelt. Was die Sache für Werder zusätzlich schwierig macht: Sollten sie tatsächlich in dieser Saison die Liga halten und auch in der kommenden Spielzeit nicht absteigen, müssten sie Selke für 15 Millionen Euro kaufen – Geld, das der Klub nicht hat.