27. November 2021 / 12:06 Uhr

Michael Rummenigge: Darum hat das Derby zwischen Köln und Gladbach nichts an Reiz verloren

Michael Rummenigge: Darum hat das Derby zwischen Köln und Gladbach nichts an Reiz verloren

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Steffen Baumgart (l.) trifft am Samstag mit dem 1. FC Köln auf Borussia Mönchengladbach und Adi Hütter.
Steffen Baumgart (l.) trifft am Samstag mit dem 1. FC Köln auf Borussia Mönchengladbach und Adi Hütter. © IMAGO/Chai v.d. Laage/Revierfoto (Montage)
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge erklärt, warum das Duell zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach für ihn das zweitgrößte Derby im deutschen Fußball ist. 

1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach - das ist für mich das zweitgrößte Derby im deutschen Fußball, nach Borussia Dortmund gegen Schalke 04 natürlich – aber das findet ja aus bekannten Gründen aktuell nicht statt... Die Partie war schon in den Siebzigern ein echter Klassiker, damals noch mit solchen Legenden wie Günter Netzer oder Wolfgang Overath auf dem Platz. Solche Superstars haben die beiden Klubs aktuell zwar nicht, dennoch sehe ich die Entwicklung hüben wie drüben grundsätzlich positiv.

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Bei Köln hat Steffen Baumgart es hinbekommen, die Mannschaft anzukurbeln, die Fans mitzunehmen, ohne dass sie nach zwei Siegen schon von der Champions League träumen, in der sie noch nie waren. Mit seiner hemdsärmeligen, aber positiven Art kommt er gut an, hat mit Jonas Hector und Anthony Modeste zwei absolute Identifikationsfiguren im Kader, die er richtig anpackt. Modeste lässt Baumgart auch mal etwas durchgehen, wie dessen Jubel, als er seinem Trainer die Mütze klaute. Solche Typen mag ich und von denen gibt es leider inzwischen viel zu wenige. Die Leute wollen so etwas doch sehen.

In Gladbach heißt der Baumeister des Erfolgs unbestritten Max Eberl, der mich manchmal an den jungen Uli Hoeneß erinnert. Kein Wunder, dass Bayern ihn schon mal auf dem Zettel hatte, aber Eberl hat sich gedacht: Lieber Kaiser im eigenen Reich als Fürst im Reich eines anderen. Unter seiner Führung hat sich die Borussia in den Top-8 der Bundesliga etabliert, ist allgemein hervorragend aufgestellt. Der Kader ist inzwischen auch in der Breite super besetzt. Ein, zwei Ausfälle können jederzeit kompensiert werden – eine Situation, die man sich bei der anderen Borussia aus Dortmund mitunter wünschen würde.


Eberl, der anfangs auch umstritten war und einiges abbekommen hat, kann es sich mittlerweile sogar erlauben, während einer Saison eine vierwöchige Auszeit zu nehmen und komplett abzutauchen – das zeigt sein unumstrittenes Standing im Klub. Auch, wie er die schwierige finanziellen Lage in diesen Corona-Zeiten offensiv moderiert und sich als Meinungsmacher in der Bundesliga einen Namen gemacht hat, gefällt mir ausgesprochen gut.

Mit der Entscheidung, Adi Hütter als Nachfolger für Marco Rose aus Frankfurt zu holen, lag Gladbachs Sportdirektor aus meiner Sicht ebenfalls richtig, weil ich den Österreicher für einen ausgesprochen guten und fähigen Trainer halte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten trägt die Mannschaft inzwischen seine Handschrift, ist defensiv wie offensiv enorm flexibel und verfügt auf allen Positionen über Alternativen.

Ich rechne damit, dass Gladbach immer besser in Fahrt kommt, das Derby gewinnt und am Ende sogar noch unter den ersten Vieren landen könnte – das Potenzial haben sie allemal, wie man beim 5:0 gegen Bayern im Pokal eindrücklich sehen konnte. Beim FC sollten sie nicht durchdrehen und froh mit dem sein, was sie aktuell haben. Hält Köln die Klasse, haben sie nämlich alles richtig gemacht.