13. November 2020 / 14:07 Uhr

Michael Rummenigge: Darum habe ich mir das Länderspiel gegen Tschechien nicht angeschaut

Michael Rummenigge: Darum habe ich mir das Länderspiel gegen Tschechien nicht angeschaut

Michael Rummenigge
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft haben ihren Reiz verloren, findet <b>SPORT</b>BUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge.
Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft haben ihren Reiz verloren, findet SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge. © Getty Images/Montage
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SPORTBUZZER-Kolumnist Michael Rummenigge beleuchtet die schwindende Begeisterung für die deutsche Nationalmannschaft. Dabei nimmt er Joachim Löw aus der Schusslinie und hat ein grundsätzliches Problem ausgemacht.

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Früher war ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft zur besten Sendezeit ein Festtag, heute habe selbst ich mir den Test am Mittwoch gegen Tschechien nicht angeschaut. Bei allem Respekt vor Joachim Löw und den eingesetzten Spielern: So eine Begegnung interessiert niemanden mehr. Das sieht man ja auch an den Einschaltquoten. Dem Bundestrainer kann man da allerdings überhaupt keinen Vorwurf machen. Der Terminkalender gibt die Spiele vor, er muss das Beste daraus machen. Und ganz ehrlich: Ich finde, er macht unter diesen Umständen alles richtig.

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Er muss seine Stars schützen und ihnen Pausen geben. Dann kommt eben eine B-Mannschaft zu Stande und manche Spiele haben einfach nicht mehr den Stellenwert, als wenn die besten Elf spielen. Der sportliche Wert ist fraglich und die Fans wenden sich anderen Dingen zu. Früher musste man in seinem Verein mindestens Stammspieler sein, um den Adler auf der Brust zu tragen. Heute reicht weniger. Was die Sache noch komplizierter macht: Der zweiten Reihe des DFB-Teams fehlt es schlicht an Qualität. Wir haben zwölf oder 13 sehr gute Spieler – danach klafft eine große Leistungslücke.

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Folglich müssen wir uns gedanklich auch davon verabschieden, dass wir regelmäßig um Titel mitspielen werden – was natürlich auch nicht dazu führen wird, dass die zuletzt abhanden gekommene Begeisterung für die Nationalmannschaft schnell zurückkehrt. Ich finde es richtig, dass sich Oliver Bierhoff zuletzt vor die jungen Spieler gestellt und für das Team geworben hat. Aber wenn man die Fans und die Öffentlichkeit auf die Nationalmannschaft einschwören will, helfen nur drei Dinge: Siege, guter Fußball und Demut. Sonst bleibt die Identifikation auf der Strecke.

Ich sehe es ja bei meiner Fußballschule: Die Kinder laufen mit Trikots ihres geografisch nächstgelegenem Bundesligisten auf. Alternativ mit Hemden von Manchester United, dem FC Barcelona, dem FC Bayern oder Real Madrid. Über die Nationalmannschaft wird kaum gesprochen. Dabei muss der DFB genau bei dieser Altersgruppe ansetzen. Nicht nur, weil das die Fans der Zukunft sind. Auch sportlich sind Kinder zwischen zehn und 14 Jahren im goldenen Lernalter und können dann besonders gut gefördert werden. Wenn wir irgendwann wieder eine Fülle von Top-Spielern haben, können alle nur gewinnen. Ich fürchte aber, dass der Weg dorthin sehr lang ist.