22. Dezember 2016 / 14:28 Uhr

Michael Wendorf: "Es war eine ganz tolle Zeit"

Michael Wendorf: "Es war eine ganz tolle Zeit"

Lennart Wunderlich
Märkische Allgemeine Zeitung
Michael Wendorf leitete schon Spiele in Deutschlands zweithöchster Spielklasse.
Michael Wendorf leitete schon Spiele in Deutschlands zweithöchster Spielklasse. © Robert Roeske/Archivbild
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Brandenburgliga: Der ehemalige Zweitliga-Schiedsrichter wirft mit uns einen Blick zurück auf die bisherige Laufbahn.

Sie sind diejenigen, ohne die wir als Fußballer kein Spiel bestreiten könnten: die Schiedsrichter. Ohne sie müssten 22 Kicker vergeblich auf einen Anpfiff warten. Deshalb stellen wir einmal wöchentlich einen Unparteiischen vor – dieses Mal ist Michael Wendorf von der TSG Fortuna Grünberg an der Reihe.

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Kurz vor dem Weihnachtsfest haben wir in unserer Rubrik "Schiedsrichter im Blickpunkt" noch einmal ein echtes Highlight für euch: In dieser Woche stellen wir den ehemaligen 2. Bundesliga-Schiedsrichter Michael Wendorf vor. Seine Karriere begann bereits im Jahr 1983 im Alter von 14 Jahren, als er noch bei der BSG Aufbau Zehdenick im Nachwuchsbereich als Stürmer aktiv war. "Wir hatten damals ein Schiedsrichterdefizit im Verein, also wurden wir von unserem Trainer gefragt, ob sich das jemand vorstellen könne. Daraufhin habe ich mich gemeldet und den Lehrgang absolviert. Damals galt ich dann noch als Pionierschiedsrichter", erinnert sich der heute 47-Jährige. Zunächst behielt der junge Unparteiische auch das aktive Kicken nebenher bei, doch mit dem Beginn der Berufsausbildung in Schwerin im Jahr 1985, war zumindest mit dem aktiven Spielen Schluss.

Danach begann eine rasante Entwicklung. Im Jahr 1991 stieg Wendorf in die damals neu gegründete Amateuroberliga auf, die sich aus den Vereinen der ehemaligen DDR-Landesverbände zusammensetzte. "Ich war ein Profiteur der deutschen Einheit. Im Jahr 1992 sollte dann Wolfgang Schneider als Schiedsrichter-Assistent in die 2. Bundesliga aufsteigen, doch er konnte nicht. Also wurde ich gefragt und hatte für die Entscheidung nur eine Nacht Bedenkzeit", blickt Wendorf auf den raschen Aufstieg zurück. Nach privater und beruflicher Abstimmung entschied er sich die neue Herausforderung anzunehmen - mit Erfolg: Nach Assistenteneinsätzen an der Seite von Frank Fleske, der 1994 in die 1. Bundesliga aufstieg, standen ab 1996 Spielleitungen in Deutschlands zweithöchster Spielklasse auf dem Programm.

Wendorf: "Habe die Entscheidung nie bereut"

In dieser Zeit erlebte Wendorf die Highlights seiner Karriere - stand unter anderem beim internationalen Spiel zwischen Montpellier und Espanyol Barcelona bei Lutz-Michael Fröhlich an der Linie. Hinzu kamen Assistenten-Einsätze beim FC Bayern München und sein persönlicher Höhepunkt: Das Spiel zwischen dem SC Freiburg und Eintracht Frankfurt im Jahr 1997. Doch im September 1999 war Schluss für den Schiedsrichter aus Oberhavel. Dafür gab es mehrere Beweggründe: "Ich bin damals beruflich und privat an meine Grenzen gestoßen. Hinzu kam, dass ich nie ein Schnupperspiel in der 1. Bundesliga leiten durfte, obwohl ich nach den Noten dreimal bester Schiedsrichter aus dem Nordost-Bereich war. Somit habe ich damals diese mutige Entscheidung getroffen und sie im Nachhinein nie bereut. Es war eine ganz tolle Zeit, aber den Stress würde ich mir nicht mehr antun."

Somit leitete der Polizeibeamte am 13. September 1999 seine letzte Zweitliga-Partie zwischen dem VfL Bochum und dem 1. FC Köln. Nach dem Spiel erklärte er seinen Rücktritt und hing die Pfeife zunächst komplett an den Nagel. Zwei Jahre später folgte die Rückkehr, zunächst in Berlins Landesliga. Weil er sich dort bewies, stieg er trotz geringerer Verfügbarkeit in die Berlin-Liga auf und wurde auch dort Klassenbester. Kurioserweise wurde ihm dann allerdings der erneute Aufsteig in die Amateuroberliga durch eine Kampfabstimmung der Schiedsrichterobmänner (Stimmergebnis 2:3) verwehrt.


Wendorf: "Das ist für mich nicht erklärbar"

Seit der Saison 2006/07 ist der Vater von zwei Töchtern wieder in Brandenburg aktiv und wurde im Jahr 2012 aus der Brandenburgliga zugunsten jüngerer Schiedsrichter aussortiert. Doch wie schon so oft kämpfte sich Wendorf zurück und schaffte vor zwei Jahren den erneuten Aufstieg in Brandenburgs höchste Spielklasse. Doch mit dem Ende der Saison droht ihm der erneute Abstieg: "Die Altersgrenze für Schiedsrichter liegt in der Brandenburgliga bei 47, das ist die gleiche wie in der Bundesliga. Das ist für mich nicht erklärbar. In einigen anderen Landesverbänden liegt die Grenze bei 50 Jahren. Ich hoffe und wünsche mir diese nun auch für Brandenburg, ansonsten wäre für mich nach der Saison in dieser Liga Schluss."

Auch wenn der 47-Jährige als Vater von zwei Leistungs-Voltigiererinnen zeitlich stark eingespannt ist, wäre das für ihn allerdings noch kein Grund, um endgültig aufzuhören: "Im Moment bin ich so gerne Schiedsrichter, dass ich auch in der Landesliga weitermachen würde."