02. Dezember 2020 / 15:11 Uhr

Rekordweltmeister, Dauerbrenner, Eintagsfliegen: Die deutschen Formel-1-Fahrer seit 2000

Rekordweltmeister, Dauerbrenner, Eintagsfliegen: Die deutschen Formel-1-Fahrer seit 2000

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Drei Weltmeister und ein Shootingstar: Nico Rosberg (von links), Michael Schumacher und Sebastian Vettel haben als deutsche Formel-1-Fahrer schon Titel gewonnen - gehört Mick Schumacher bald auch in diese Reihe?
Drei Weltmeister und ein Shootingstar: Nico Rosberg (von links), Michael Schumacher und Sebastian Vettel haben als deutsche Formel-1-Fahrer schon Titel gewonnen - gehört Mick Schumacher bald auch in diese Reihe? © imago images/HochZwei (Montage)
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Michael Schumacher zwischen 1991 und 2012, Sebastian Vettel seit 2007 und ab der kommenden Saison Mick Schumacher - seit 2000 prägten einige deutsche Fahrer die Formel 1. Der SPORTBUZZER nennt die deutschen Piloten dieses Jahrhunderts.

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Nach dem Formel-1-Einstieg von Mick Schumacher bei Haas werden 2021 auf jeden Fall zwei deutsche Piloten in der Königsklasse des Motorsports starten. Sebastian Vettel wechselt nach diesem Jahr von Ferrari zu Aston Martin. In Nico Hülkenberg könnte sogar ein dritter Deutscher dazukommen. Der Rheinländer hofft noch auf ein Cockpit bei Red Bull.

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Drei deutsche Formel-1-Fahrer gab es zuletzt 2017 mit Vettel, Hülkenberg und Pascal Wehrlein. Ein Jahr zuvor waren es inklusive Nico Rosberg sogar noch vier. Der absolute Rekord hält bereits seit 2010 - und dürfte so schnell wohl auch nicht mehr geknackt werden. Damals waren mit Michael Schumacher, Vettel, Rosberg, Hülkenberg, Timo Glock, Adrian Sutil und Nick Heidfeld sieben deutsche Fahrer dabei. Welche deutschen Piloten gingen in diesem Jahrhundert an den Start? Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick.

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Mick Schumacher (ab 2021)

Gut acht Jahre nach dem endgültigen Karriereende von Rekordchampion Michael Schumacher hat dessen Sohn Mick den Aufstieg in die Königsklasse des Motorsports geschafft. Der 21-Jährige wird im kommenden Jahr für das amerikanische Haas-Team als Stammpilot an den Start gehen und erhält einen Vertrag "für mehrere Jahre". Das gab der Rennstall am Mittwoch bekannt. Hilfreich für Mick Schumacher war dabei die enge Partnerschaft von Haas mit Ferrari. Er gehört seit Januar 2019 zur Nachwuchsakademie des italienischen Traditionsteams.

Sein Aufstieg bis in die höchste Formel-Klasse wurde mit Bedacht geplant. Er fährt in diesem Jahr noch in der Formel 2 für das italienische Prema-Team und geht als Gesamtführender in die letzten beiden Rennen der Saison am Wochenende in Bahrain. Wie schon in der Formel 3, in der er 2018 den Europameister-Titel geholt hatte, entfaltete Mick Schumacher auch in der zweithöchsten Kategorie erst im zweiten Jahr seine Qualitäten.

Pascal Wehrlein (2016-2017)

Der talentierte Mercedes-Junior aus Sigmaringen in Baden-Württemberg machte mit starken Leistungen in der DTM auf sich aufmerksam, wo er 2015 den Titel holen konnte. In den folgenden beiden Jahren startete er für Manor (2016) und Sauber (2017) in der Formel 1. Bei den Hinterbänkler-Teams konnte der Sohn eines deutschen Vaters und einer Mutter aus Mauritius zwar immer wieder sein Talent andeuten, es reichte jedoch nur zu sechs WM-Pünktchen. Seinen Platz bei Sauber verlor er Ende 2017. Wehrlein kehrte für eine Saison in die DTM zurück, wechselte 2019 schließlich in die Formel E.

André Lotterer (2014)

Das kleine Caterham-Team verpflichtete den gebürtigen Duisburger für den Großen Preis von Belgien in Spa. Lotterer, der seit vielen Jahren in Tokio lebt, schied früh wegen technischer Probleme aus - es sollte sein einziges Rennen in der Formel 1 bleiben. Der in Belgien aufgewachsene Pilot ist dennoch ein Motorsport-Multitalent: Er wurde unter anderem Meister in der Formel BMW, der Super GT, der japanischen Formel Nippon und der WEC.

Nico Hülkenberg (2010, 2012-2020)

Der gebürtige Emmericher hält den Rekord für die meisten Formel-1-Starts ohne Podiumsplatzierung - eine zweifelhafte Ehre, aber in gewisser Weise auch ein Qualitätsmerkmal. Denn Hülkenberg gehörte über viele Jahre zu den beständigsten, zuverlässigsten Fahrern im Feld. Er startete für Williams (2010), Force India (2012, 2014-2016), Sauber (2013) sowie Renault (2017-2019) und feierte 2020 zwei kurzzeitige Comebacks, als er bei Racing Point in Silverstone und am Nürburgring für die erkrankten Stammpiloten Sergio Perez und Lance Stroll einsprang und überzeugte. Die Hoffnung auf eine dauerhafte Rückkehr hat er noch nicht aufgegeben.

Markus Winkelhock (2007)

Der Sohn des Mitte der 80er-Jahre bei einem Sportwagenunfall tödlich verunglückten Manfred Winkelhock fuhr im Juli 2007 sein erstes Rennen in der Formel 1 - im hoffnungslos unterlegenen Spyker. Als auf dem Nürburgring in der zweiten Runde plötzlich Regen einsetzte, profitierte der als einziger mit Regenreifen gestartete Stuttgarter als einziger Pilot. Sechs Runden lang fuhr er gar an der Spitze, dann fiel er zurück und letztlich sogar aus. Es war sein einziges Formel-1-Rennen. Später fuhr er unter anderem in der DTM.

Sebastian Vettel (2007-2020)

Er startete als Jungspund im BMW Sauber - und wurde im Red Bull zum erfolgreichsten Deutschen seit Michael Schumacher. Vier Mal wurde "Seb" zwischen 2010 und 2013 Weltmeister - er ist bis heute der letzte Champion, der nicht im Mercedes fuhr. Der Hesse, der 2021 für das neu geschaffene Aston-Martin-Team an den Start gehen wird, verließ seinen langjährigen Rennstall Red Bull vor der Saison 2015 und wechselte zu Ferrari. Dort konnte er jedoch nicht in die Fußstapfen seines Idols (und frühen Mentors) Michael Schumacher treten. Vettel und Ferrari - die Liebesheirat wurde zum Missverständnis. Insgesamt bleibt er jedoch einer der erfolgreichsten Fahrer der Formel-1-Geschichte - mit 53 Rennsiegen ist er hinter Lewis Hamilton und Michael Schumacher Dritter.

Adrian Sutil (2007-2014)

Über viele Jahre war der Deutsche eine feste Größe in der Formel 1 - zum Sprung ins Vorderfeld reichte es für Sutil allerdings nie. Sein Debüt feierte er 2007 im Spyker, den sogar Teamchef Ian Phillips als "schlechtestes Auto im Feld" bezeichnete. Allerdings konnte der gebürtige Starnberger das Auto in Japan überraschend sogar einmal in die Punkte steuern. In den folgenden drei Jahren fuhr er für das Nachfolge-Team Force India, ehe er 2012 aus der Formel 1 ausschied. Ein Jahr später kehrte er zurück, fuhr ein weiteres Jahr für Force India, 2014 für Sauber, wo sein Zweijahres-Vertrag nach einer enttäuschenden Saison vorzeitig aufgelöst wurde. Sutil beendete seine Motorsportkarriere ein Jahr später, nachdem er als Testfahrer für Williams aktiv war.

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Nico Rosberg (2006-2016)

Der bisher letzte deutsche Weltmeister (und der bislang letzte, der nicht Lewis Hamilton hieß) beendete seine Karriere, nachdem er den Briten 2016 besiegte und seinen ersten und einzigen Titel holen konnte. Zuvor war die F1-Karriere des Sohnes von Ex-Champion Keke Rosberg eher wechselhaft verlaufen. Der hochtalentierte Rosberg, den seit der Jugend eine Freundschaft mit Hamilton verband, feierte 2006 im Williams sein Formel-1-Debüt. Im britischen Traditionsrennstall konnte er schon im ersten Rennen Punkte einfahren und als bis dahin jüngster Fahrer im Alter von 20 Jahren, acht Monaten und 13 Tagen überhaupt eine schnellste Rennrunde fahren.

Nach vier Jahren für Williams wechselte Rosberg 2010 zum Mercedes-Werksteam, wo er Rekordweltmeister Michael Schumacher in den drei gemeinsamen Jahren jeweils im teaminternen Duell schlagen konnte. Seit 2013 fuhr er gemeinsam mit Hamilton und musste zuschauen, wie der Brite 2014 und 2015 Weltmeister wurde. Ein Jahr später gelang dem Deutschen das Kunststück - der seine Laufbahn auf dem Höhepunkt beendete.

Timo Glock (2004-2012)

Erst der kurze Aufstieg in die Formel 1 beim Rennstall Jordan, dann nach nur einer Saison wieder vorerst das Aus in der Spitzenklasse. Glock gab sein Debüt am 13. Juni 2004 beim Großen Preis von Kanada in Montréal und belegte als Ersatz-Fahrer von Giorgio Pantano Platz sieben. Nach dem Rennen übernahm der gelernte Gerüstbauer wieder seine Rolle als Test- und Ersatzfahrer - bis drei Rennen vor Saisonende. Der in der Nähe von Darmstadt aufgewachsene Glock steuerte dann das Cockpit nochmal für die Rennen in China, Japan und Brasilien. Weitere WM-Punkte konnte er aber nicht sammeln.

Nach Stationen in der amerikanischen Champ Car World Series und der GP2-Serie fuhr sich Glock mit dem GP2-Titel im Jahr 2007 in den Fokus von Toyota. Das Team aus Japan stattete den damals 25-Jährigen mit einem Vertrag über zwei Jahre plus Option aus. Den größten Erfolg feierte Glock in seiner Premierensaison beim Großen Preis von Ungarn mit Rang zwei. Die erste Serie beendete er dennoch nur mit 25 Punkten auf Platz zehn. Am Ende der folgenden Saison zog sich Toyota aus der Formel 1 zurück, Glock wechselte für die Saison 2010 zu Virgin Racing. Und am Ende stand nur Platz 25 in der Fahrerwertung. Seine letzte Station in der Spitzenklasse hatte Glock bis zu einer Vertragsauflösung bei Marussia - mit WM-Platz 20 im Jahr 2012. Heute lebt Glock in der Schweiz und ist unter anderem als TV-Experte im Einsatz.


Nick Heidfeld (2000-2011)

Der gebürtige Gladbacher zählte Anfang des Jahrhunderts zu den besten deutschen Fahrern. In elf Formel 1-Jahren fuhr er 183 Grand Prix und wurden achtmal Zweiter. Zwischen 2000 und 2011 absolvierte "Quick Nick" Heidfeld die meisten Rennen für Sauber, der einige Zeit als BMW Sauber antrat. Neben den acht zweiten Plätzen war sein größter Erfolg die Pole-Position.

Besonders gerne erinnert sich der frühere Fahrer von Prost (2000), Sauber (2011 bis 2003), Jordan (2004), Williams (2005), BWM Sauber (2006 bis 2009), Sauber (2010) und Renault (2011) an ein Überholmanöver während des Grand Prix von Bahrain 2007 zurück. "Damals saugte ich mich auf der Geraden im Windschatten an Fernando Alonsos McLaren ran, fuhr in der Kurve auf der Bremse außen so eng neben ihm, dass sich unsere Reifen fast berührten, beschleunigte und zog an ihm vorbei. Für mich war das ein unvergesslicher Fahrmoment: Das war alles sehr knapp am Limit und lief einfach optimal", sagt Heidfeld in einem Interview mit dem Stern. Doch der dreifache Vater hält aber auch einen traurigen Rekord: Er ist der Fahrer mit den meisten Podestplätzen (13) in der Formel-1-Geschichte, der dabei kein Rennen gewann.

Ralf Schumacher (1997-2007)

Der jüngere Bruder von Motorsport-Legende Michael Schumacher startete zwischen 1997 und 2007 zu 180 Grand-Prix-Rennen in der Formel 1. Und er gewann insgesamt sechs davon. Seine erfolgreichste Zeit verzeichnet der heute 45-Jährige beim BMW Williams F1-Team zwischen 2000 und 2004. In den Saison 2001 und 2002 landete Ralf Schumacher am Ende sogar auf dem vierten Rang der WM-Wertung. Neben BMW fuhr der gebürtige Hürther auch für Benson & Hedges Total Jordan Peugeot, das Nachfolgeteam Benson & Hedges Total Jordan, Winfield WilliamsF1 und zum Ende seiner Karriere auch noch für Panasonic Toyota Racing, wo er seine Formel-1-Laufbahn mit dem 16. Platz im Jahr 2007 beendete. Als TV-Experte für den Pay-TV-Sender Sky ist Ralf Schumacher heute im Einsatz. Und freut sich über den Aufstieg seines Neffen Mick Schumacher in die Formel 1: "Mick hat hervorragende Leistungen in allen Altersklassen gezeigt. Wir können uns auf ein spannendes Jahr freuen."

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Heinz-Harald Frentzen (1994-2003)

Bei Frentzen müssen Formel-1-Fans direkt an das Jahr 1997 denken. Eigentlich lieferten sich Williams-Renault-Pilot Jacques Villeneuve und Michael Schumacher einen spannenden Zweikampf um den Titel. Doch Schumacher wurde nach einem Urteil der FIA wegen Unsportlichkeit aus der WM-Wertung ausgeschlossen. HHF wurde dadurch Vize-Weltmeister mit einem Renault-Motor und feierte damit seinen bis heute größten Erfolg. Insgesamt ging der gebürtige Gladbacher in 157 an den Start. Dabei landete er insgesamt dreimal auf Platz eins. Am Ende hätte der heute 53-Jährige noch ein Jahr drauflegen können. Doch das Angebot von Eddie Jordan lehnte er damals ab. Frentzen blickte am Ende auf Rennen für Broker Sauber Mercedes, Red Bull Sauber Ford, Rothmans Williams Renault, Winfield Williams, Benson & Hedges Jordan, B&H Jordan Honda, Prost Acer, Orange Arrows Cosworth und Sauber Petronas zurück.

Michael Schumacher (1991-2006, 2010-2012)

Der vielleicht beste Fahrer in der Geschichte der Formel 1 debütierte im Herbst 1991 im Jordan in Spa-Francorchamps. Der legendäre Jordan-Manager Eddie Jordan wurde von Schumachers Manager Willi Weber unter anderem mit dem Argument überredet, der damals 21-Jährige kenne die Strecke wegen der Nähe zu Schumachers Wohnort Kerpen. Nach nur einem Rennen. Das stimmte nicht, denn Schumacher war noch nie in Spa gefahren. Nach nur einem Rennen (der Jordan hatte schon in der ersten Runde einen Defekt) wechselte Schumacher zu Benetton. wo er zum Siegfahrer reifte. 1992 gewann er sein erstes Rennen (übrigens in Spa) und wurde zwei Mal in Folge WM-Dritter. 1994 und 1995 gewann er mit dem Rennstall jeweils den WM-Titel. Ein Jahr später erfolgte der Wechsel zum damals kriselnden Spitzenteam Ferrari. Schumacher war dort vor allem als Aufbauhelfer gefragt. Von Fiat- und Ferrari-Chef Gianni Agnelli ist das Zitat überliefert: "Wenn Ferrari mit Michael Schumacher nicht Weltmeister wird, dann werden wir es nie mehr".

Nach positiven Anzeichen (Schumacher wurde auf Anhieb WM-Dritter, die beste Ferrari-Platzierung des Jahrzehnts) folgten Rückschläge: Schumacher schoss 1997 in Jerez seinen WM-Rivalen Jacques Villeneuve von der Strecke und wurde disqualifiziert. 1998 wurde er Vizeweltmeister, 1999 stoppte ihn ein bei einem schweren Unfall in Silverstone erlittener Beinbruch, er musste sechs Rennen pausieren. Seinen endgültigen Durchbruch feierte er 2000, als er Ferrari zur ersten Fahrer-WM seit 1979 führte. In den folgenden Jahren dominierte er die Formel 1 nach Belieben. Weitere WM-Titel folgten von 2001 bis 2004. 2006 schließlich beendete er seine Karriere. Sein Comeback feierte der Vater von Mick Schumacher im Jahr 2010. Er schloss sich dem neuen Mercedes-Werksteam an, bei dem er in den folgenden Jahren zwar nicht mehr die großen Erfolge der Vergangenheit wiederholen konnte, aber doch wichtige Entwicklungsarbeit leistete. Schumacher, der bei einem Skiunfall 2013 schwere Kopfverletzungen erlitt und seither zurückgezogen lebt, konnte in seiner Karriere in 307 Rennen 91 Siege feiern - ein Rekord, den Lewis Hamilton im Oktober 2020 brach. Seine sieben WM-Titel sind ebenfalls Rekord, diesen Rekord hält er seit 2020 gemeinsam mit dem Briten.