09. Oktober 2020 / 09:02 Uhr

Erstes Training im Alfa Romeo: Wie Mick Schumacher Schritt für Schritt an seiner Formel-1-Karriere feilt

Erstes Training im Alfa Romeo: Wie Mick Schumacher Schritt für Schritt an seiner Formel-1-Karriere feilt

Karin Sturm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Formel-2-Pilot Mick Schumacher nähert sich seinem Einstieg in die Formel 1.
Formel-2-Pilot Mick Schumacher nähert sich seinem Einstieg in die Formel 1. © imago images/Motorsport Images
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Mit den Testfahrten im Alfa Romeo am Freitag vor dem Grand Prix der Eifel auf dem Nürburgring steuert Mick Schumacher erstmals an einem Rennwochenende einen aktuellen Formel-1-Boliden. SPORTBUZZER-Reporterin Karin Sturm analysiert den Aufstieg des 21-Jährigen.

Zu Beginn der Saison 2020 waren die Zweifel noch da: Schafft es Mick Schumacher, sich dieses Jahr in der Formel 2 so zu profilieren, dass ein Aufstieg in die Formel 1 und damit in die Königsklasse des Motorsports der logische nächste Schritt wäre? In den vergangenen Wochen und Monaten hat der 21-Jährige mit zwei Siegen, zahlreichen Podiumsplätzen und der Gesamtführung in der Formel 2 bewiesen: Die Testchance, die ihm Alfa Romeo an diesem Freitag im freien Training vor dem Grand Prix am Nürburgring bietet, ist verdient für den Sohn der Formel-1-Legende – und ein Vertrag für 2021 wohl nicht mehr fern. Wahrscheinlich ist dann Kimi Räikkönen an seiner Seite, und der wäre bestimmt kein schlechter Lehrmeister in der höchsten Klasse.

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Mick Schumacher mit besonderem Erfolgsmuster

Das Erfolgsmuster hat bei Schumacher Junior Tradition. In der Formel 4, in der Formel 3 und in der Formel 2: Im ersten Jahr tat er sich meistens schwer – um dann im Laufe der zweiten Saison durchzustarten. Das brachte ihm den Ruf ein, kein Überflieger wie sein Vater Michael zu sein, dafür aber ein genau so harter Arbeiter. Und die jeweilige Eingewöhnungszeit brachte einen Vorteil mit sich: einen strukturierten Karriereaufbau, der ihn nach und nach an das Blitzlichtgewitter der Formel 1 gewöhnte.

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Dass die Formel-1-Premiere am Nürburgring durch die Corona-Umstände fast ohne Journalisten im Fahrerlager stattfindet, ist kein Nachteil. So kann sich Mick auf seinen Job konzentrieren, ohne auf Schritt und Tritt angesprochen zu werden. Denn dass er besonderen Belastungen ausgesetzt ist, darüber ist sich die Szene einig. „Es ist nicht leicht, den Namen Schumacher zu tragen“, sagt Formel-1-Sportchef Ross Brawn. „Dieser Name öffnet bestimmte Türen, aber gleichzeitig stehst du mehr unter Beobachtung als andere Piloten. Ich finde, Mick geht damit sehr gut um. Er entwickelt sich toll, zeigte in den jüngsten Rennen eine erstaunliche Reife.“

Vettel: Situation für Schumacher "schwierig"

Sebastian Vettel, bei dem sich Mick als Mitglied der Ferrari Driver Academy den einen oder anderen Ratschlag holt, sieht es ähnlich: „Sicherlich ist die Situation sehr schwierig für ihn, aber ich glaube, er geht damit auf eine sehr reife Art und Weise um, die man von einem Mann, der etwas über 20 ist, nicht erwarten würde.“

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Was ihm dabei hilft? Als er sich für den Rennsport entschied, riet ihm sein Vater, sich nicht mit den ewigen Vergleichen zu beschäftigen, sondern das zu tun, was ihm Spaß macht. „Mein Papa ist mein Idol“, sagt er. „Ich war elf Jahre alt und saß mit meinem Vater in einem Renntruck an der Kartbahn in Kerpen. Er hat mir in die Augen geguckt und mich gefragt: ‚Willst du das ernsthaft?‘ Ich habe nur genickt. Seitdem ordne ich dem Wunsch, in die Formel 1 zu kommen, alles unter.“ Mutter Corinna beurteilt das ähnlich: „Mick liebt seinen Vater, er bewundert ihn. Aber es ist keine Last für ihn. Er hat so viel Spaß an dem, was er tut, dass er sich nicht mit Michael vergleicht.“

Alpha-Tauri-Boss Tost: "Erfolg vorprogrammiert"

Dass er es in der Formel 1 schaffen kann, davon sind die meisten überzeugt. Aber Geduld ist weiterhin angesagt: „Er wird seine Lernphase brauchen“, warnt Alpha-Tauri-Teamchef Franz Tost. „Bis ein neuer Fahrer weiß, wo es in der Formel 1 langgeht, braucht er zwei, drei Jahre. Mick ist ein sehr gewissenhafter Fahrer, der alles intensiv studiert und sich mit den technischen Themen auseinandersetzt. Deshalb ist der Erfolg vorprogrammiert.“ Nur dürfe die Erwartungshaltung nicht zu hoch sein. Bei Mick ist sie das vor dem Nürburgring nicht. „Natürlich habe ich vor der ganzen Sache Respekt. Es ist das erste Mal, dass ich unter all diesen Augen fahre – vor den ganzen Teamchefs, den CEOs, den Teammitgliedern. Also werde ich versuchen, das zu machen, was ich kann, das, wovon ich weiß, dass es funktioniert.“

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