06. Dezember 2020 / 18:49 Uhr

Die Vorgänger von Mick Schumacher: Das wurde aus den Formel-2-Weltmeistern der letzten 15 Jahre

Die Vorgänger von Mick Schumacher: Das wurde aus den Formel-2-Weltmeistern der letzten 15 Jahre

André Batistic
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mick Schumacher tritt als Weltmeister der Formel 2 in große Fußstapfen.
Mick Schumacher tritt als Weltmeister der Formel 2 in große Fußstapfen. © Getty Images/imago images/Montage
Anzeige

Mick Schumacher hat es geschafft: Als vierter Deutscher nach Nico Rosberg, Timo Glock und Nico Hülkenberg hat sich der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher den WM-Titel in der Formel 2 gesichert. Der SPORTBUZZER blickt auf die Sieger der Nachwuchsserie - und was diese heute machen.

Jetzt ist er im Kreis der ganz großen Talente angekommen: Mick Schumacher wandelt mit seinem Titelgewinn der Formel-2-Weltmeisterschaft nun auf den Spuren eines Nico Rosberg, Charles Leclerc und auch eines Lewis Hamilton: Die drei Ausnahme-Fahrer gehören zu den 15 Piloten, die die Nachwuchs-Serie seit 2005 (bis 2016 als "GP2" bezeichnet) für sich entschieden - und den Aufstieg in die Motorsport-Königsklasse Formel 1 fast schon mühelos bewältigten.

Anzeige

Doch Vorsicht, Mick! Der Aufstieg in die Formel 1 ist mit dem Haas-Cockpit für die kommende Saison zwar perfekt - aber Formel-2-Champion zu werden, bedeutet nicht automatisch, dass die Weltkarriere von ganz allein startet. Der Großteil der Nachwuchsklassen-Champions schaffte es nicht, sich dauerhaft - wie eben Rosberg, Hamilton und Co. - in der Formel 1 zu etablieren. Manche verpassten gar komplett den Aufstieg in die Champions League des Formel-Sports. Der SPORTBUZZER blickt auf lebende Legenden und gescheiterte Talente. Das sind die Formel-2-Weltmeister seit Gründung der Serie im Jahr 2005.

2005: Nico Rosberg (Formel-1-Bilanz: 206 Starts, 23 Siege, 1 WM-Titel)

Dem Sohn von Weltmeister Keke Rosberg gelang nach seinem überzeugenden Sieg in der Nachfolger-Serie der internationalen Formel-3000-Meisterschaft direkt der Sprung in die Formel 1. Der Deutsche kam 2006 beim (damals noch konkurrenzfähigen) Williams-Rennstall unter, für den er vier Saisons fuhr, ehe er schließlich Mercedes gemeinsam mit dem aus dem Ruhestand zurückgekehrten Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher den Grundstein für zukünftige Erfolge legte. Die Ernte fuhr Rosberg, der ab 2013 mit Lewis Hamilton ein zuweilen disharmonisches Duo bildete, auch selbst ein: 2016 gewann der damals 31-Jährige seinen ersten und einzigen WM-Titel in der Königsklasse - und beendete prompt seine Karriere.

Anzeige
Mehr zu Mick Schumacher

2006: Lewis Hamilton (265 Starts, 95 Siege, 7 WM-Titel)

Was soll man über diesen Mann noch sagen? Mit seinem 94. Karrieresieg fuhr Lewis Hamilton beim Großen Preis der Türkei im November 2020 seinen siebten WM-Titel ein - und zog damit mit Legende Michael Schumacher gleich. Nach seinem GP2-Triumph (im spannenden Zweikampf mit dem späteren F1-Piloten Nelson Piquet junior) bekam Hamilton sofort einen Fahrersitz beim Weltmeisterschafts-Anwärter McLaren - und fuhr vom ersten Rennen an um die WM mit. 2008 krönte sich der damals 23-Jährige zum bis dato jüngsten Formel-1-Champion der Geschichte. Nach seinem Wechsel zu Mercedes 2013 sollten in den Jahren 2014, 2015, 2017, 2018, 2019 und eben 2020 weitere sechs WM-Titel folgen. Der Brite ist eine lebende Legende und hält aktuell zudem die prestigeträchtigen Rekorde für die meisten Siege (94) und meisten Pole-Positions (97).

2007: Timo Glock (91 Starts, kein Sieg)

Der nächste deutsche GP2-Champion sorgte für ein Novum: Timo Glock brachte im Gegensatz zu seinen Vorgängern bereits Formel-1-Erfahrung mit. Der gute Freund des viermaligen Formel-1-Weltmeisters Sebastian Vettel fuhr 2004 bereits einige Rennen für Jordan - zudem gewann er den GP2-Titel erst in seiner zweiten Saison. Für einen Karriereschub des Hessen sorgte die Meisterschaft trotzdem. Glock unterschrieb 2008 als Nachfolger von Ralf Schumacher beim Toyota-Werksteam in der Formel 1 und erreichte insgesamt drei Podestplatzierungen. 2010 folgte der Wechsel zum Hinterbänkler-Team Virgin (später Marussia), für das er in drei Saisons ohne WM-Punkt blieb. Erfolgreicher verlief Glocks DTM-Karriere, die er nach dem F1-Aus startete: 112 Rennen, fünf Siege. Zu einem Titel sollte es jedoch nicht reichen.

2008: Giorgio Pantano (14 Starts - allesamt vor dem F2-Titel-, kein Sieg)

Pantano, der beim Titelgewinn bereits 29 Jahre alt war, blieb der Aufstieg in die Formel 1 verwehrt. Seine 14 Grand-Prix-Stars (für Jordan) absolvierte der Italiener bereits allesamt vor seinem GP2-Titel, den er sich im vierten Anlauf sicherte. Pantano - bereits 2002 Vizeweltmeister in der Formel 3000 - war schlichtweg zu alt, um einen Platz in der Königsklasse zu erhalten. Nach dem Meistertitel folgten so nur wenig erfolgreiche Auftritte in der Indycar-Serie in den USA sowie in der Sportwagen-Szene.

2009: Nico Hülkenberg (179 Starts, kein Sieg)

Dass dem Meister der GP2 sein Titel so gut wie nichts Weiterführendes einbrachte, sollte sich nach Pantano zunächst wieder ändern. Mit Nico Hülkenberg sicherte sich der fünften Saison der Nachwuchs-Serie bereits der dritte Deutsche den Titel in der Talentschmiede-Serie. Der gebürtige Emmericher sollte sich nach der Saison zu einer festen Konstante in der Formel 1 entwickeln. Hülkenberg fuhr für Williams (2010) Force India (2012, 2014-2016), Renault (2017-2019) und als Ersatzfahrer von Racing Point (2020) insgesamt 521 WM-Punkte ein - ohne jemals eine Podiumsplatzierung zu erreichen. Der größte Erfolg des heute 33-Jährigen, der seinen Formel-1-Traum trotz einer einjährigen Zwangspause nach Cockpit-Verlust bei Renault nicht aufgegeben hat, war eine Pole-Position beim Großen Preis von Brasilien in seiner Debüt-Saison 2010.

2010: Pastor Maldonado (95 Starts, ein Sieg)

Der Grund, warum Hülkenberg sein Williams-Cockpit verloren hatte, ist Pastor Maldonado. Der einzige Venezolaner in der Formel-1-Geschichte bekam, gestützt von Geldern des staatlichen venezolanischen Erdölkonzerns, das Cockpit beim Hinterbänkler-Team. Nachdem er in seiner Debüt-Saison nur einen Punkt holte und sich eher einen Namen als Bruchpilot machte, feierte er im fünften Rennen 2012 sensationell seinen ersten Sieg beim Grand Prix von Barcelona. Nie wieder sollte Maldonado weder in seiner letzten Williams-Saison 2013 noch in seinen zwei Saisons bei Lotus (dem heutigen Renault-Team) 2014 und 2015 auch nur in die Nähe einer Podiumsplatzierung fahren. Heute ist Maldonado im Langstrecken-Motorsport zuhause.

Erkennst du alle Strecken der Formel 1 von oben?

Die ultimative Challenge für alle Formel-1-Fans: Erkennst du alle Strecken der Königsklasse aus der Vogelperspektive? Teste hier dein Wissen! Zur Galerie
Die ultimative Challenge für alle Formel-1-Fans: Erkennst du alle Strecken der Königsklasse aus der Vogelperspektive? Teste hier dein Wissen! ©

2011: Romain Grosjean (179 Starts, kein Sieg)

Nur kurz nach seinem Meistertitel in der GP2-Serie schaffte Romain Grosjean den Sprung in die Königsklasse des Motorsports, wo er seit 2012 zunächst bei Lotus und ab 2016 Haas, dem künftigen Rennstall von Mick Schumacher, zum Stammfahrerfeld gehört. Insgesamt sammelte der Sohn eines Schweizers und einer französischen Künstlerin zwar 391 WM-Punkte, zu einem Sieg reichte es in der Formel 1 bislang aber noch nicht. Zuletzt sorgte Grosjean für Aufsehen, als er beim Großen Preis von Bahrain mit über 200 Stundenkilometern in die Leitplanke krachte, den Horror-Crash aber mit leichten Verletzungen überstand. Zum Ende der Saison räumt er zusammen mit seinem Teamkollegen Kevin Magnussen das Cockpit beim US-amerikanischen Motorsportteam.

2012: Davide Valsecchi (kein Start)

Dem Sieger von 2012, Davide Valsecchi, blühte nach seinem Triumph in der Formel 2 eine große Zukunft. Bereits im Anschlussjahr bekam er die Chance, für Lotus in der Formel 1 als Testfahrer zu starten. Statt die Möglichkeit als Sprungbrett zu nutzen, kam er über den Status als Talent jedoch nie hinaus. Mehr als eine Teilnahme an der europäischen Gran Turismo Serie sprang nicht mehr heraus. Seit 2016 analysiert der Italiener die Rennen der Formel 2 für Sky Sports.

2013: Fabio Leimer (kein Start)

Auch bei Fabio Leimer blieb nach dem Weltmeistertitel in der Formel 2 die ruhmreiche Karriere eine Etage höher aus. Von 2010 bis 2013 startete der Schweizer in der GP2-Serie, schaffte in seinem letzten Jahr den großen Coup. Anschließend ging er für Rebellion Racing in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft an den Start. Weil 2015 ein Wechsel nach Japan in die Super Formula aufgrund von ausbleibenden Sponsorenzahlungen scheiterte, wurde er zum Ersatzpiloten im Formel-1-Team von Manor. Zu mehr als einigen Testfahrten reichte es allerdings nicht. Sein letzter Auftritt im großen Motorsport war 2015 in der Formel E, wo er für Virgin an den Start ging.

2014: Jolyon Palmer (35 Starts, kein Sieg)

Der Sohn des einstigen Formel-1-Piloten Jonathan Palmer stand im Jahr 2014 ganz oben auf dem Treppchen in der Formel 2. Der Lohn: 2016 erhielt er einen Cockpit-Platz beim französischen Rennstall Renault in der Formel 1, wo er bis 2017 im Geschäft der Großen mitmischte. Insgesamt ging Jolyon Palmer bei 35 Formel-1-Rennen an den Start. Einen Podiumsplatz erreichte der Brite aber nie. Seine beste Platzierung fuhr er 2017 beim Großen Preis von Singapur ein. Dort kam er als Sechster über die Ziellinie, seine Teamkollegen Kevin Magnussen und Nico Hülkenberg hatten Palmer jederzeit im Griff. Kurz vor Ende der Formel-1-Saison 2017 musste er Renault vorzeitig verlassen. Nach seiner aktiven Zeit in der Formel 1 ist er als Motorsportexperte im Einsatz.

2015: Stoffel Vandoorne (41 Starts, kein Sieg)

Mercedes-Junior Stoffel Vandoorne hält mit 341,5 Punkten einen bis heute gültigen Punkterekord in der GP2/Formel 2. Der Belgier deklassierte seine Konkurrenz und holte fast doppelt so viele Punkte wie der WM-Zweite Alexander Rossi (181,5). Vandoorne blieb 2016 zunächst nur die Rolle des Ersatz- und Testfahrers bei McLaren. Im zweiten Saisonrennen ersetzte er den verletzten Stammpiloten Fernando Alonso und holte mit dem zehnten Platz direkt einen Punkt. Von 2017 bis 2018 fuhr Vandoorne an der Seite von Alonso als Nachfolger von Jenson Button bei den Briten, blieb aber hinter den Erwartungen zurück und fuhr insgesamt nur sieben Mal in die Punkte, während Alonso dies im gleichen Zeitrum 14-mal schaffte. Zur Saison 2019 wurde der Belgier schließlich durch Lando Norris ersetzt. Vandoorne war danach als Testfahrer für Mercedes unterwegs und erreichte mit den Stuttgartert in der Formel-E-Saison 2019/20 den Vize-WM-Titel.

2016: Pierre Gasly (62 Starts, ein Sieg)

Red-Bull-Juniorpilot Pierre Gasly setzte sich in einem spannenden Finale gegen den späteren Alfa-Romeo-Fahrer Antonio Giovinazzi durch. Die Formel-1-Karriere des Franzosen gleicht einer Achterbahnfahrt. Zum Ende der Saison 2017 ersetzte er den zu Renault gewechselten Carlos Sainz bei Red-Bull-Nachwuchsteam Toro Rosso (heute Alpha Tauri). Nach einer vollständigen Saison 2018 beim Junior-Team wurde Gasly 2019 Teamkollege von Max Verstappen bei Red Bull, konnte die Erwartungen in den ersten zwölf Rennen allerdings nicht erfüllen (kein Podiumsplatz) und fährt seitdem wieder für Toro Rosso/Alpha Tauri. Nach einem sensationellen zweiten Platz beim Brasilien-Grand-Prix 2019 feierte Gasly in einem spektakulären Rennen in Monza 2020 völlig überraschend im unterlegenen Alpha Tauri seinen ersten Sieg.


2017: Charles Leclerc (57 Starts, zwei Siege)

Der Monegasse Charles Leclerc setzte 2017 seinen Durchmarsch durch die Nachwuchsserien fort. Der Ferrari-Junior gewann als Sieger der GP3 (heute Formel 3) direkt in seiner ersten Saison den F2-Titel als Rookie des Prema-Teams, für das auch Mick Schumacher unterwegs war - und zwar mit mehr als 70 Punkten vor dem Zweiten Artem Markelov. Leclerc kam direkt beim Sauber-Team (heute Alfa Romeo) unter, wo er auf Anhieb 39 WM-Punkte sammelte, 30 mehr als sein deutlich erfahrenerer Teamkollege Marcus Ericsson. 2019 wechselte Leclerc aufgrund seiner guten Leistungen den Rennboliden mit Ferrari-Fahrer Kimi Räikkönen und wurde so Teamkollege von Sebastian Vettel. Leclerc schlug den Deutschen in beiden Jahren klar in der WM-Wertung und durfte im Gegensatz zu Vettel, mit dem er auf der Strecke mehrfach aneinander geriet, sein Ferrari-Cockpit behalten.

Mehr vom SPORTBUZZER

2018: George Russell (36 Starts, kein Sieg)

Nach einem packenden Titelkampf schafften es aus der 2018er-Riege der Formel 2 sowohl Meister George Russel (zu Williams) als auch sein guter Freund und Vizemeister Lando Norris (zu McLaren) und Alexander Albon (Toro Rosso/Red Bull) direkt in die Königsklasse. Dort fällt Russel, der von allen drei zum leistungsmäßig schlechtesten Team wechselte, immer wieder mit kleinen Glanzlichtern am Ende des Feldes auf. So hatte er bislang seine Teamkollegen Robert Kubica und Nicholas Latifi fest im Griff. Die Belohnung: Der Mercedes-Nachwuchsfahrer durfte am zweiten Rennwochenende in Bahrain Anfang Dezember für den am Coronavirus erkrankten Lewis Hamilton einspringen und dessen Platz im Werksteam übernehmen.

2019: Nyck de Vries (kein Start)

In der Debüt-Saison von Mick Schumacher bestimmte der Holländer Nyck de Vries das Geschehen und sicherte sich letztlich verdient den Titel. In die Formel 1 schaffte es de Vries, der seit 2017 in der Nachwuchs-Klasse unterwegs war, allerdings bisher nicht - anders als der WM-Zweite Nicholas Latifi, der auch dank seines finanziellen Mitgifts bei Williams landete. De Vries ist einer der Verlierer der Regelung, dass Formel-2-Weltmeister nach ihrem Triumph nicht mehr in der Serie antreten dürfen. So musste der Landsmann von Formel-1-Pilot Max Verstappen in eine andere Rennserie ausweichen. So fuhr de Vries zuletzt nicht nur in der Le-Mans-Serie mit, sondern wurde auch Werkspilot von Mercedes in der Formel E, wo er auch in der kommenden Saison fahren wird.

Mitarbeit: Timon Zoefelt