19. November 2021 / 00:00 Uhr

Mick Schumacher über Vater Michael: "Ich habe Riesenrespekt davor, was Papa geleistet hat"

Mick Schumacher über Vater Michael: "Ich habe Riesenrespekt davor, was Papa geleistet hat"

Bianca Garloff, Karin Sturm und Ralf Bach
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mick Schumacher will versuchen, in der Formel 1 seine eigenen Fußstapfen zu hinterlassen.
Mick Schumacher will versuchen, in der Formel 1 seine eigenen Fußstapfen zu hinterlassen. © IMAGO/Motorsport Images (Montage)
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Mick Schumacher hat ein großes sportliches Erbe angetreten. Im Interview mit dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), macht er klar: Irgendwann will er Weltmeister werden - wie sein berühmter Vater.

SPORTBUZZER: Herr Schumacher, wir stehen vor dem Ende Ihrer ersten Formel-1-Saison. Mit welchen drei Sätzen würden Sie Ihr Premierenjahr beschreiben?

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Mick Schumacher (22): Erstens: Ich habe viel gelernt. Zweitens: Ich kann schon viel Positives mitnehmen. Den dritten Satz würde ich mir fürs Ende der Saison aufheben. Vielleicht kommt ja noch ein gutes Rennen um die Ecke (lächelt).

Sie meinen, Sie würden gern den Satz „Es war ein erfolgreiches Jahr, weil es auch Punkte gab“, hinzufügen?


Hoffentlich!

Und wie zufrieden sind Sie bisher mit Ihren Leistungen?

Ich glaube, ich kann zufrieden sein. Es wäre unfair zu sagen, dass alles schlecht war. Wir haben gute Rennen gezeigt und uns stetig verbessert. Ich fühle mich einfach extrem wohl im Team und im Auto.

Sie stammen aus einer Formel-1-Familie: Ist die Königsklasse so, wie Sie sie aus den Erzählungen kennen oder hat Sie etwas überrascht?

Ich habe jetzt meine eigenen Erfahrungen gemacht, aber wirklich überrascht hat mich eigentlich nichts. Generell hat sich die Formel 1 im Vergleich zu früher verändert. Was viele Fans vielleicht nicht verstehen: Dass alle Autos anders sind und unseres leider das langsamste ist. Deshalb habe ich betont, dass eben trotz dieser Ausgangssituation nicht alles schlecht war. Für die Insider ist klar, dass wir eine gute Leistung hinlegen mit dem, was wir haben. Und darauf können wir stolz sein.

"Ich habe gezeigt, dass ich meine Ellenbogen ausfahren und schnellere Autos hinter mir halten kann"

Ihr Teamchef hat Sie für den ein oder anderen Trainingscrash kritisiert.

Jeder darf seine Meinung frei und offen sagen. Die Kritik hat mich in keinster Art und Weise negativ beeinflusst. Im Gegenteil: Die Leistung, die danach gekommen ist, hängt auch damit zusammen. Denn aus Kritik soll man ja lernen.

Im Teamduell mit Nikita Mazepin ging es zur Sache. Wie wichtig ist es, sich politisch im Team durchzusetzen?

Intern war es eigentlich ein weniger hart geführtes Duell. Aber es war neu und ungewohnt für mich, dass man gewisse Themen in den Medien so offen austrägt. Im Endeffekt habe ich mich damit allerdings nicht wirklich groß aufgehalten, sondern einfach mein Ding weitergemacht.

Sie haben auf der Strecke bewiesen, dass Sie sich durchsetzen können.

Besonders Spaß gemacht hat mir da natürlich das Duell mit Max (Verstappen; d. Red.) in Budapest. Da habe ich gezeigt, dass ich meine Ellenbogen ausfahren und schnellere Autos hinter mir halten kann.

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Mit Sebastian Vettel sind Sie befreundet. Wie hilft er Ihnen?

Ich hatte am Anfang recht viele Fragen. Und die hat er mir alle beantwortet. Dafür bin ich sehr dankbar. Er kennt meinen Papa sehr gut und ist dadurch für mich der erste Ansprechpartner in der Formel 1 geworden. Er hat so viel Erfahrung und alle Situationen schon mal durchgemacht. Aber auch privat ist er ein extrem netter Mensch und ein sehr guter Freund.

Sie haben gesagt, dass die Lernphase, die Sie durchmachen, Sie irgendwann in die Lage versetzen soll, um den WM-Titel zu kämpfen. Ist das aus jetziger Sicht ein realistisches Ziel?

Auf jeden Fall. Sonst wäre ich im falschen Sport. Ich habe schon das Gefühl, dass ich es schaffen kann, eines Tages Weltmeister zu werden. Wenn ich das Gefühl nicht hätte, würde ich jemand anderem ein Auto wegnehmen, um einfach nur mitzurollen. Das ist nicht der Fall. Ich strebe nach dem Erfolg in der Formel 1.

Mick Schumacher will beweisen, dass er vorne mitmischen kann

Inwiefern wird Ihnen jetzt, wo Sie die Formel 1 selbst von innen kennengelernt haben, noch mehr bewusst, was Ihr Vater geleistet hat?

Ich habe einen Riesenrespekt davor, was Papa geleistet hat. Wobei das für mich auch schon recht klar war, als ich angefangen habe. Denn alleine der Weg in die Formel 1 ist hart, besteht aus viel Arbeit und vielen Überstunden. Und wenn man in der Formel 1 ankommt, wird das nicht weniger, sondern man muss noch mal das Doppelte leisten. Dass mein Papa das über so viele Jahre mit so viel Erfolg geschafft hat, macht mich schon stolz und spornt mich an.

Wie lautet Ihr Ziel für 2022? Haas rückt mit einer neuen Fabrik in Maranello ja auch näher an Ferrari ran.

Das stimmt. Wir sind ja praktisch das Ferrari-B-Team, wo die Ferrari-Junioren wie ich fahren können. In Maranello haben wir jetzt die Möglichkeit, im Windtunnel von Ferrari zu arbeiten. Das wird ein Vorteil sein.

Ziel eines Ferrari-Juniors ist letzten Endes ja auch das Ferrari-Cockpit.

Mein Fokus liegt auf nächstem Jahr. Da will ich gut abschneiden und mein Talent und meinen Arbeitswillen zeigen und beweisen, dass ich das Zeug habe, in der Formel 1 auch weiter vorn mitzumischen.

Wie sah das Feedback von Ferrari-Teamchef Mattia Binotto bisher aus?

Was ich so mitkriege, waren alle happy mit dem, was ich bisher gezeigt habe. Aber mir ist auch klar, dass ich nächstes Jahr den nächsten Schritt machen muss.