09. Februar 2019 / 06:00 Uhr

Ski-Star Mikaela Shiffrin im Interview über Druck, Rekorde und Roger Federer

Ski-Star Mikaela Shiffrin im Interview über Druck, Rekorde und Roger Federer

Stefan Döring
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mikaela Shiffrin ist einer der großen Stars im Ski-Sport: Im SPORTBUZZER spricht die US-Amerikanerin über ihre großen Erfolge.
Mikaela Shiffrin ist einer der großen Stars im Ski-Sport: Im SPORTBUZZER spricht die US-Amerikanerin über ihre großen Erfolge. © imago/Eibner Europa
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Die US-Skifahrerin Mikaela Shiffrin gewann bei der Ski-WM in Are schon Gold im Super-G – dabei kommen ihre stärksten Disziplinen noch. Im SPORTBUZZER-Interview spricht sie über Rekorde, die sie nicht motivieren, großen Druck und ein Gespräch mit Tennis-Legende Roger Federer.

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Mikaela Shiffrin scheint auch bei der Ski-WM in Are nicht zu stoppen zu sein. Schon vor ihren Spezialdisziplinen Riesenslalom (Donnerstag, 14.15 Uhr, ZDF) und Slalom (Samstag, 11 Uhr, ZDF) hat die 23-jährige US-Amerikanerin ihre erste Goldmedaille geholt. Am vergangenen Dienstag gewann sie den Super-G. Es soll nicht der letzte Sieg gewesen sein, doch an Rekorde denkt sie nicht, wie sie im SPORTBUZZER-Interview verrät.

SPORTBUZZER: Mikaela Shiffrin, Sie haben die meisten Saisonsiege und gewannen schon WM-Gold im Super-G. Was macht Sie so stark?

Mikaela Shiffrin (23): Wenn ich sage, dass die Saison großartig verläuft, würde ich noch untertreiben. Alles fühlt sich so gut an: mein Skifahren, mein Team, meine Ausrüstung. Es greifen alle Rädchen ineinander, und ich bin dankbar dafür. Nach den Olympischen Spielen, bei denen ich viel lernen musste, bin ich nun in der Lage, mit den Erwartungen und dem Druck umzugehen. Skifahren fühlt sich seitdem leichter an.

Shiffrin: "Natürlich hoffe ich, in allen Rennen, in denen ich am Start bin, Medaillen zu gewinnen"

Sie führen im Gesamt-, Slalom-, Riesenslalom- und Super-G-Weltcup. Welche Ziele haben Sie bei der WM?

Ich habe in meinen kühnsten Träumen nicht davon geträumt, in den Disziplinenwertungen zu führen. Das ist verrückt, es fühlt sich nicht mal real an. Ich bin sehr dankbar dafür, und mein Team und ich haben hart dafür gearbeitet. Natürlich hoffe ich, in allen Rennen, in denen ich am Start bin, Medaillen zu gewinnen. Im Super-G hat das schon herausragend geklappt. Nach der WM habe ich noch drei Ziele: Ich will den Gesamtweltcup, den Slalomweltcup und – das ist mein größtes Ziel – den Riesenslalomweltcup gewinnen.

Bei der WM sprechen viele über Lindsey Vonn. Sie versuchte bis zuletzt den Rekord von Ingemar Stenmark von 86 Siegen zu erreichen, beendet aber am Sonntag ihre Karriere. Nun rücken Sie in Sachen Rekorde in den Fokus …

Ich verstehe, dass diese Frage für Journalisten und Fans wichtig ist, weil Rekorde ein wichtiger Bestandteil unseres Sports sind und unsere Leistungen in einen besseren Kontext setzen. Allerdings denke ich nicht über irgendwelche Rekorde nach. Auf der einen Seite kann gefühlt jedes Wochenende ein Rekord gebrochen werden und das motiviert mich überhaupt nicht. Mein bestes Skifahren zeigen – das motiviert mich. Ich halte es gern wie Ex-Skifahrer Bode Miller: Wenn er gewonnen hat, aber nicht gut Ski gefahren ist, war er nicht glücklich. Wenn er aber Vierter wurde und seine beste Leistung abgerufen hat, war er es. Ich denke da ähnlich. Natürlich bin ich dankbar, wenn ich gewinne, aber ich will immer besser fahren.

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LESENSWERT

Shiffrin über Olympia: "Es hat es sich so angefühlt, als würde das Gewicht der ganzen Welt während der Spiele auf mir lasten"

Haben Sie Ihre Einstellung geändert, nachdem Sie bei den Olympischen Winterspielen vor einem Jahr im Riesenslalom Gold gewonnen haben, im Slalom aber nichts holten?

Das war einer der härtesten Momente meiner Karriere. Auf die Goldmedaille im Riesenslalom bin ich sehr stolz. Das war mein großer Wunsch. Aber es lastete ein enormer Druck seitens der Medien und der amerikanischen Bevölkerung auf mir. Der Skisport ist in den USA nicht wirklich populär und die Menschen achten nur alle vier Jahre wirklich auf uns. Deshalb hat es sich so angefühlt, als würde das Gewicht der ganzen Welt während der Spiele auf mir lasten. Ich habe viel darüber nachgedacht und denke, dass die Olympischen Spiele vor allem für die Fans und die Nationen sind. Es fühlt sich so an, dass die WM mehr für uns Athleten ist.

"Ich habe Roger Federer im Sommer treffen dürfen. Er hat mir gesagt, dass ich mir die Zeit nehmen muss, meine Erfolge zu feiern und die Momente mit meiner Familie und meinen Freunden zu genießen"

Wie denken Sie nun über die hohen Erwartungshaltungen?

Ich habe nach den Olympischen Spielen angefangen, mit einem Sportpsychologen zu arbeiten, eine Freundin der Familie. Sie hat mir gezeigt, wie ich meinen Kopf freibekomme und mich auf die Dinge fokussieren kann, die ich beeinflussen kann. Alle Nebengeräusche verschwinden und nur der Berg und ich bleiben. Dann fühle ich mich wohl. Ich habe gelernt, alles im Gleichgewicht zu halten: meine Stimmung, meinen Trainings- und Wettkampfplan, Medien- und Sponsorentermine, soziale Medien. Ich kann damit besser umgehen, bin ausgeglichener und habe weniger Stress und spüre weniger Druck. Ich habe Roger Federer im Sommer treffen dürfen. Er hat mir gesagt, dass ich mir die Zeit nehmen muss, meine Erfolge zu feiern und die Momente mit meiner Familie und meinen Freunden zu genießen. Diesen Rat habe ich mir zu Herzen genommen.

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Sie haben Gold im Super-G gewonnen, gelten als Topfavoritin im Riesenslalom und Slalom. Dabei ist der Unterschied zwischen diesen Disziplinen groß.

Es ist nicht einfach. Ich bin wohl neben der verletzten Michelle Gisin die einzige Fahrerin, die in allen Disziplinen startet und auch gewinnen kann. In den verschiedenen Disziplinen sind verschiedene Dinge gefordert – mental, körperlich, technisch und vom Timing her. Nach meinem ersten Super-G-Sieg in dieser Saison sprach jeder darüber, dass ich die erste Sportlerin bin, die in allen sechs Disziplinen gewinnen könnte – auch wenn der Parallelslalom recht neu im Programm ist. (lacht) In der Abfahrt und im Slalom zu gewinnen – das ist ungefähr so, als würde jemand in der Leichtathletik die 100 Meter und die 1500 Meter gewinnen. Das ist sehr selten.

Shiffrin: "Seitdem ich ein kleines Mädchen war, habe ich davon geträumt, die Beste zu sein"

Es gab in der Vergangenheit viele herausragende Skifahrer. Aber niemand war bei seinen ersten 50 Siegen so jung wie Sie. Was kann Sie stoppen?

Ich mich selbst! Wenn ich ans Skifahren denke, denke ich an mich und den Berg. Ich denke nicht daran, jemanden anderes zu schlagen. Ich fokussiere mich auf mein bestes Skifahren. Ich bin sehr glücklich, dass ich bisher so selten verletzt war. Das ist aber kein Glück, sondern harte Arbeit im Fitnessstudio, um die körperlichen Grundlagen für die vielen Rennen zu legen.

Gab es einen speziellen Moment in Ihrer Kindheit, an dem Sie entschieden, eine professionelle Skifahrerin zu werden?

Seitdem ich mich erinnern kann, liebe ich Skifahren. Seitdem ich ein kleines Mädchen war, habe ich davon geträumt, die Beste zu sein. Irgendwann habe ich begriffen, was es bedeutet, und ich habe in Bode Miller mein Vorbild gefunden, weil er in allen Disziplinen gewinnen konnte. Ich wollte auch so werden. Es ging mir aber nicht ums Gewinnen, mehr darum, dass ich im Starthaus stehe und weiß, dass ich an diesem Tag die beste Skifahrerin sein kann.

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