19. Februar 2021 / 08:13 Uhr

"Noch viele direkte Duelle": Mike Frantz über sein Comeback, den Aufstieg und seine Rolle in der Kabine

"Noch viele direkte Duelle": Mike Frantz über sein Comeback, den Aufstieg und seine Rolle in der Kabine

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Nach seinem Muskelriss stand Mike Frantz nicht nur wieder auf dem Trainingsplatz sondern auch dem SPORTBUZZER Rede und Antwort.
Nach seinem Muskelriss stand Mike Frantz nicht nur wieder auf dem Trainingsplatz sondern auch dem SPORTBUZZER Rede und Antwort. © Florian Petrow
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Am Tag nach dem 3:0 gegen Düsseldorf zog es Mike Frantz (34) in den Oberschenkel. Ein Muskelriss, vier Monate Pause. Zwei Tage vor dem Rückrundenspiel gegen Düsseldorf sprach Frantz über seine Rolle in der Kabine, sein Comeback und ein biblisches Detail seiner Verletzung.

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Mike Frantz, wie läuft der Weg zum Comeback?

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Gut, mein Sohn Damian ist 16 Monate alt. Er hält mich immer schön auf Trab. Ein wunderbarer Ausgleich zum stressigen Fußballgeschäft.

Wissen Sie schon, ob er ein Links- oder Rechtsfuß ist?

Er läuft die ganze Zeit mit einem Ball rum. Er ist definitiv ein Rechtsfuß. Ich leg ihm den Ball schon immer auf links. Wenn du links gut kannst, ist das halt rar. Er nimmt dann immer den rechten Fuß. Dann müssen wir halt zu Hause mehr trainieren. Das ist kein Problem. (lacht)


Sie haben sich kurz nach dem Sieg gegen Düsseldorf verletzt. Schaffen Sie das Comeback in Düsseldorf?

Ich glaube, das wäre zu früh. Ich war drei Monate raus, habe zwei Wochen durchtrainiert. Toi, toi, toi (klopft auf den Holztisch). Das kann schon noch ein oder zwei Wochen dauern. Wer weiß, vielleicht geht es auch früher.

Es werden immer mehr Verletzungen. Sehen Sie das auch so?

Ich habe schon das Gefühl, dass sich Verletzungen häufen, wenn man mal in die ganzen Topligen in Europa schaut. Durch Corona läuft alles ein bisschen anders. Wegen der Pause letztes Jahr gab es mitten in der Saison noch mal eine Vorbereitung. Und mal ganz davon losgelöst: Für die Muskeln war das nicht so schön am Samstagmorgen mit minus 15 Grad. Aber da muss man durch, und bisher hat bei mir auch alles gut gehalten.

Wie war Ihre Rolle zuletzt?

Etwas anders als gedacht. Wir haben uns entschieden, dass ich nicht extern in die Reha gehe. Ich konnte so besser meinen Beitrag leisten und den jungen Spielern schon helfen. Aber ich bin im Sommer schon hergekommen, um Fußball zu spielen.

Das ist der Spielplan von Hannover 96 in der Saison 2020/21 der 2. Bundesliga:

Hannover 96 spielt in der aktuellen Zweitligasaison unter anderem gegen Fortuna Düsseldorf, den HSV und Eintracht Braunschweig.  Zur Galerie
Hannover 96 spielt in der aktuellen Zweitligasaison unter anderem gegen Fortuna Düsseldorf, den HSV und Eintracht Braunschweig.  ©

Als Sie aktiv dabei waren, war 96 Dritter, jetzt neun Punkte davon entfernt. Haben Sie schon geschimpft oder sehen Sie das locker?

Locker sehe ich das natürlich nicht. Aber ich weiß: Bei keiner Mannschaft der Welt geht es von heute auf morgen. Wir haben viele neue Spieler bekommen, einige sehr spät, das hat der Trainer ja auch thematisiert. Wenn du nicht immer mit der gleichen Elf spielen kannst, bekommt selbst Bayern München Probleme.

Die Ersatzleute müssten doch auch gut genug sein.

Stimmt. Aber es geht um Abläufe. Bei uns ist fast wöchentlich einer rausgebrochen. Zum Beispiel Patrick Twumasi, der immer besser wurde.

Sie nehmen Twumasi in Schutz?

Ist doch klar, dass ein Spieler wie er Zeit braucht. Jeder muss mit dem Druck leben und umgehen, dass wir vorne dabei sein wollen, sonst brauchst du hier nicht zu spielen. Ich finde es vor allem auch deswegen schade, dass ich mich verletzt habe, weil ich mich im Training nicht einbringen konnte, wo ich immer viel korrigiere, wenn mir etwas auffällt.

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Twumasi ist schnell und hat einen starken Schuss. Aber Rechtsverteidiger hinter ihm will man bei ihm nicht sein. Was sagen Sie Twumasi denn dann konkret?

Per Video schauen wir uns solche Situationen auch an, der Trainer hat da auch eine klare Ansprache. Aber genau das meinte ich vorhin: Patrick war zuletzt in der Türkei, davor in Spanien. Der Fußball ist da anders als bei uns. Das hat nichts damit zu tun, dass der Junge nicht will. Er ist sehr lernwillig und kommt immer besser zurecht.

Wie sagen Sie es ihm?

Ich versuche, den Jungs Hinweise zu geben. Dann sage ich im Training: Du, pass mal auf! Versuch das mal anders! Ich versuche das auch bei Flo Muslija, der eine wahnsinnig gute Qualität hat individuell. Er kann es halt in den Momenten im Spiel noch nicht immer einsetzen.

Warum nicht?

Man muss eines sehen: Er ist ein junger Spieler, der sich entwickelt. Es wäre zwar manchmal schön, wenn es bei Menschen so wäre wie bei einer Maschine, an der man etwas programmieren kann. Aber etwas Geduld muss man schon haben, wenn eine Entwicklung passiert. Und man muss auch generell mit einer Mannschaft Geduld haben, die sich entwickelt.

Sind Sie in der Mannschaft ein Bessermacher?

„Bessermacher“ würde ich nicht sagen. Ich habe die Weisheit jetzt auch nicht mit Löffeln gegessen. Ich versuche, den Jungs mit Erfahrung zu helfen und durch meine Auseinandersetzung mit dem Fußball. Das war bereits meine Aufgabe in Freiburg. Ich kann bei vielem mitreden, außer Deutsche Meisterschaft, DFB-Pokalsieg und Champions League habe ich alles erlebt im Fußball. Für eine Mannschaft muss man die Zeit einplanen, Spieler zu entwickeln. Ich finde, bezogen auf Hannover, haben wir das mit den Voraussetzungen okay gemacht bisher. Die Mannschaften, die oben stehen, sind gewachsen. Die Liga ist halt auch sehr ausgeglichen, du fährst nirgendwo mehr und sagst: Hey, da fährst du mal eben die Punkte ein.

Wie in Würzburg?

Ich weiß, wovon ich rede: Ich habe vor fünf Jahren zweite Liga gespielt. Die Liga ist viel besser geworden. Ich kann die Fans und alle Presseleute verstehen, dass ein Verein wie Hannover 96 in die Bundesliga aufsteigen soll. Aber es geht nur mit harter Arbeit und es ist ein Prozess. Man darf nicht müde werden. Wir hatten nicht die Stabilität wie eine eingespielte Mannschaft.

Sie haben eine Ausbildung zum Maler und Lackierer gemacht. Ist der Lack ab für 96 im Aufstiegsrennen?

Darüber sollten wir uns nicht unterhalten. Von Spiel zu Spiel schauen? Ich hasse die Floskel. Aber es steht fest, dass wir seit Jahresbeginn einen ordentlichen Punkteschnitt haben (Schnitt von zwei Punkten). Wenn wir den halten, und das können wir, dann können wir doch mal schauen, ob die anderen eine schlechte Phase bekommen. Wir haben noch viele direkte Duelle. Aber es geht erst mal um Entwicklung: Wir wollen stabiler werden.

96 hat Sie gewiss auch geholt, weil Sie zweimal aufgestiegen sind. Was ist das Aufstiegsgeheimnis?

In Nürnberg haben wir eine ähnliche Hinrunde wie hier gespielt. Dann haben wir eine Serie gestartet und uns in der Relegation gegen Cottbus durchgesetzt. In Freiburg war es anders, da waren wir von Beginn an oben. Wir sind mit 96 auf einem guten Weg, die zwei Niederlagen in diesem Jahr waren unglücklich.

Warum haben Sie ein Jesus-Bild auf den Schienbeinschonern? Der tut sich doch weh?

Jesus spielt in meinem Leben eine große Rolle, ich habe ihn gerne immer bei mir. An dem Tag, als ich mich verletzt habe, habe ich gedacht, ich probiere mal andere Schienbeinschoner aus.

Und in der Kabine heißen Sie jetzt „Jesus“?

Nein. Das ist ein Spruch gewesen. Andere bekommen auch mal Sprüche zu hören. Das wird etwas sein, was ich nach der aktiven Karriere vermissen werde. Das Reden und das Leben in der Kabine. Da kannst du noch so schlecht drauf sein. Irgendeiner kommt immer mit einem Spruch und die schlechte Laune ist vergessen.