30. Januar 2021 / 16:09 Uhr

Mike Göbel: Vom Neustädter Kirchturm in die Bundesliga

Mike Göbel: Vom Neustädter Kirchturm in die Bundesliga

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Mike Göbel kam für den FC St. Pauli dreimal in der Bundesliga zum Einsatz.
Mike Göbel kam für den FC St. Pauli dreimal in der Bundesliga zum Einsatz. © Roland Möller
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Im Trikot des FC St. Pauli debütierte der gebürtige Kyritzer im deutschen Oberhaus - heute wird er 50 Jahre alt.

Wo ist die Zeit geblieben, fragt Mike Göbel mit etwas Wehmut. Der gebürtige Kyritzer, der das Fußball-Abc bei Schwarz-Rot Neustadt erlernte und drei Bundesliga-Einsätze im Trikot des FC St. Pauli in seiner Vita zu stehen hat, wird heute 50 Jahre alt.

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„Eine richtige Feier ist ja leider nicht möglich, ich werde auch nichts Verbotenes machen“, betont Göbel. Obwohl er heute mal im Mittelpunkt steht, denkt er vielmehr an die anderen: „Meine Frau Katrin wird auch in wenigen Wochen 50, wir hätten gerne zusammen eine große Party in einer Lokalität veranstaltet. Schade, dass wir in diesen Tagen die Veranstaltungsbranche nicht unterstützen können.“

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Vielmehr sollte das Geburtstagskind seinen Handyakku aufgeladen haben, vermutlich wird das Telefon heute recht häufig klingeln: „Natürlich freut man sich darüber, wenn die Leute an einen denken.“ Kontakte knüpfte Mike Göbel im letzten halben Jahrhundert so einige, vor allem dank des runden Leders. In der Pferdestadt reifte er zum Vollblutstürmer, auch die Tore des damals 22-Jährigen beförderten den SV Schwarz-Rot 1993 in die Oberliga Nordost. „Eine Wahnsinnszeit, wir haben unter Wolfgang Rahn zwei Meisterschaften gefeiert. Da habe ich in einer Mannschaft mit Detlev Zimmer und Frank Jeske gespielt. Als Knirps bin ich oft zu Stahl Brandenburg gefahren und habe Jeske angehimmelt.“

Ein Jahr später überzeugte der Angreifer bei einem Probetraining des FC St. Pauli, wechselte schließlich nach Hamburg („Eigentlich wollte man nicht vom Neustädter Kirchturm weg“) und spielte als Vertragsamateur für die Kiezclub-Reserve, die er in der ersten Saison als Torschützenkönig in die Regionalliga Nord führte. Eine Partie blieb ihm bis heute im Kopf: „Das Derby gegen die zweite Mannschaft vom Hamburger SV haben wir nach 0:2-Rückstand noch 3:2 gewonnen. Da habe ich zwei Tore geschossen und eines vorbereitet.“

Mike Göbel durfte 1997 dreimal für den FC St. Pauli in der Bundesliga auflaufen. Von1998 bis 200 trug Göbel auch das Trikot von Holstein Kiel (62 Spiele, 16 Tore).
Mike Göbel durfte 1997 dreimal für den FC St. Pauli in der Bundesliga auflaufen. Von1998 bis 200 trug Göbel auch das Trikot von Holstein Kiel (62 Spiele, 16 Tore). © Paesler

Trainer des Stadtrivalen war Felix Magath, sein Gegenspieler Hasan Salihamidzic. So kam es nicht von ungefähr, dass Mike Göbel Begehrlichkeiten weckte – der HSV, Hannover 96 oder der VfL Osnabrück erkundigten sich nach ihm. Er blieb, wollte sich durchsetzen und feierte am 10. Mai 1997 nach fast drei Jahren im Trikot der Kiezkicker sein Bundesliga-Debüt. Zwölf Minuten wirkte er bei der 1:3-Heimniederlage vor über 20 000 Zuschauern gegen Borussia Mönchengladbach mit, ein Treffer blieb ihm verwehrt. „Im Nachhinein hätte ich mir gerne das Trikot von Stefan Effenberg geschnappt, aber ich war zu aufgeregt.“ Zweimal lief er noch in der Bundesliga auf, ehe Stationen bei Holstein Kiel, Norderstedt und Altona 93 folgten.

Heute arbeitet Mike Göbel als Busfahrer – und ist mit sich absolut im Reinen: „Ich durfte tolle Menschen kennenlernen und habe mit Typen wie Joe Enochs, Matthias Scherz, Holger Stanislawski, Bernd Hollerbach oder Ivan Klasnic zusammengespielt. In der Fußballzeit kamen viele Dinge zu kurz, heute stehen Familie und Gesundheit an oberster Stelle, man muss das Leben genießen.“ Täglich dreht Göbel eine Gassirunde mit seinem Hund, „früher waren meine Bewegungen noch geschmeidiger, aber man bleibt aktiv“, lacht der Jubilar, dem heute sicher einige Anrufe – auch aus Neustadt, Zernitz und Schönberg, wo er später als Trainer aktiv war – erreichen werden.