03. Juli 2020 / 08:43 Uhr

Mike Sadlo und die SG Sonnenhof Großaspach: "Hatte von Anfang an kein gutes Gefühl"

Mike Sadlo und die SG Sonnenhof Großaspach: "Hatte von Anfang an kein gutes Gefühl"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Der einzige Punkt mit Großaspach: Mike Sadlo nach dem Spiel in Kaiserslautern.
Der einzige Punkt mit Großaspach: Mike Sadlo nach dem Spiel in Kaiserslautern. © Privat
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Seine Fußball-Lehrer-Lizenz finanzierte er privat, hoffte auf den Durchbruch im Profifußball. Doch der bleib zunächst aus. Dann kam das Angebot aus der 3. Liga. Doch die Zusammenarbeit mit Heiner Backhaus bei der SG Sonnenhof Großaspach stand für Mike Sadlo unter keinem guten Stern und endete mit dem Rauswurf nach sechs Wochen.

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Leipzig.Am 3. Januar schien der Durchbruch geschafft. Endlich dritte Liga, endlich Profifußball, endlich wieder in Amt und Würden. Und: Endlich ergab die Fußball-Lehrer-Lizenz, die Mike Sadlo 2018 mit der Sensationsnote 1,4 bestanden hatte, Sinn.

An jenem kalten Januar-Tag wurde der gebürtige Schleizer, 48, der auch schon den 1. FC Lok und Union Sandersdorf trainiert hat, bei der SG Sonnenhof Großaspach vorgestellt. Zusammen mit Heiner Backhaus, 38, der Coach des FC International war (2014 bis 2019) und zuletzt den Regionalligisten BSV Schwarz-Weiß Rehden trainiert hatte. Man(n) kannte sich. Backhaus war Sadlos Spieler, 2011 beim 1. FC Lok.

Ja-Wort zu einer halbgewalkten Geschichte

Die beiden Männer sollten Großaspach – Ex-Club eines gewissen Alexander Zorniger – im Duett aus dem Tabellenkeller führen. Backhaus war dabei der eigentliche Cheftrainer, aber nur A-Lizenz-Inhaber. Sadlos Fußball-Lehrer-Lizenz wurde also gebraucht. Mehr gebraucht als Sadlo selbst. „Ich hatte von Anfang an kein gutes Gefühl bei dieser Sache, habe mangels Alternativen aber zugesagt.“

Sadlo hatte zuvor nach kosten- und zeitintensiver Ausbildung zum Fußball-Lehrer erkennen müssen, dass man in deutschen Fußball-Landen nicht auf ihn gewartet hatte, dass die Plätze in den Profiligen rar sind und vermeintlich gute Kontakte gar nicht so gut sind. „Ich habe wirklich alles versucht, auf das Karussell aufzuspringen und gemerkt, dass nicht jeder der ehemaligen Weggefährten den Anstand besitzt, wenigstens mal zurückzurufen.“

DURCHKLICKEN: Bilder aus der Karriere von Mike Sadlo

Mike Sadlo gab sein Profi-Debüt im Juni 1996 beim FC Carl Zeiss Jena. Zur Saison 1996/97 wechselte der gebürtige Schleizer zum FC Erzgebirge Aue in die Regionalliga Nordost. Zur Galerie
Mike Sadlo gab sein Profi-Debüt im Juni 1996 beim FC Carl Zeiss Jena. Zur Saison 1996/97 wechselte der gebürtige Schleizer zum FC Erzgebirge Aue in die Regionalliga Nordost. ©

Dann kam der Anruf aus Großaspach. Und Sadlos Ja-Wort zu einer halbgewalkten Geschichte. „Das Lehrgangs-Wissen ist für mich unabdingbar, um Cheftrainer im Profifußball zu sein“, bricht Sadlo eine Lanze für die mehrmonatige Ausbildung zum Fußball-Lehrer. „Ich sollte mich also – frisch von der Pilotenschule kommend – neben einen noch nicht lizenzierten Flugzeugführer setzen und auf den Flug Richtung Klassenerhalt nur bedingt Einfluss nehmen. Und das ist Heiner gegenüber nicht despektierlich gemeint. Ich halte ihn für einen Fachmann, der sicher mal ein sehr guter Trainer wird.“

Aus nach 0:6 gegen Würzburger Kickers

Die Geschichte der kurzen Reise ist schnell erzählt. Sechs Wochen in der Luft, ein Punkt in Kaiserslautern, zwei Niederlagen, Turbulenzen, dann die Landung à la Albatros: kopfüber, Federn lassend. Sadlo sagt heute zur Entlassung: „Ich war erleichtert, habe mich in Großaspach nie wohl gefühlt. Was hauptsächlich daran lag, dass ich seitens der Verantwortlichen keine Wertschätzung gefühlt habe und immer den Eindruck hatte, nur wegen der Lizenz da zu sein.“

Einen Schlüssel vom Großaspacher Kabinentrakt musste er nach dem Intermezzo nicht zurückgeben, weil er keinen hatte und in den sechs Wochen mehrfach vor verschlossenen Türen stand.

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Nach dem desaströsen 0:6 gegen Würzburg beendeten die SG-Verantwortlichen das Experiment. Offizieller Grund: irreparables Verhältnis zur Mannschaft. „Ich kann nur für mich reden“, sagt Sadlo, „hatte immer ein gutes Verhältnis zu den Spielern.“ Dass eine Backhaussche Pausenandacht beim Würzburg-Spiel verbal aus dem Ruder gelaufen sei und eine weitere Zusammenarbei ad absurdum geführt habe, hält sich in Großaspach hartnäckig. Sadlo hält sich diesbezüglich bedeckt. Backhaus hat mittlerweile bei Rot-Weiß Koblenz angeheuert.

"Der Gewinn liegt im Einkauf"

Doch wie geht’s weiter für den Wahl-Leipziger Sadlo? An der Börse hat man die Wahl zwischen alteingesessenen Old Economy Unternehmen und jenen der New Economy, die wegen ihrer Zukunftsaussichten gefragt sind. Wozu gehört Ex-Fußballer, Fußball-Lehrer und Hobby-Börsianer Mike Sadlo? „Aufgrund meiner Vergangenheit und Erfahrungen als Fußballer und Trainer sehe ich mich als Old Economy Unternehmen, das durch die Fußball-Lehrer-Lizenz eine Art Start-Up-Unternehmen übernommen hat.“ Ergo perfekt für die Zukunft gerüstet ist?

„Es ist in der jetzigen Zeit – Stichwort Corona – sicher nicht einfacher für Trainer, einen neuen Verein zu finden. Vielen Clubs fehlt die Planungssicherheit. Doch wie sagt man so schön an der Börse: Der Gewinn liegt im Einkauf.“

Und vielleicht findet sich ja jemand, der auf die Mischung aus alter und neuer Wirtschaft setzt.