19. Februar 2021 / 17:15 Uhr

“Miki, du musst decken! Decken, musst du, Miki! Decken!“

“Miki, du musst decken! Decken, musst du, Miki! Decken!“

Jan Claas Harder
Kieler Nachrichten
Mikica Mladenovic als Trainer des Heikendorfer SV.
Mikica Mladenovic als Trainer des Heikendorfer SV. © Uwe Paesler
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Der Fußballsport begleitete Mikica Mladenovic das ganze Leben lang. Zunächst als Spieler und dann später als Trainer bei diversen Vereinen. Folglich kann der mittlerweile 58-jährige Trainer des VfR Laboe auf ein bewegtes Fußballerleben zurückblicken, das zahlreiche Höhepunkte und Anekdoten zu bieten hat. Daher wirft der Sportbuzzer zunächst einen Blick auf seine Karriere als Spieler, ehe im zweiten Teil seine Trainertätigkeit thematisiert wird.

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Die ersten fußballerischen Gehversuche unternahm Mladenovic in seiner Heimat Jugoslawien. Dort konnte er früh auf sich aufmerksam machen und schaffte den Sprung in die zweithöchste Spielklasse des Landes. Insgesamt sechs Jahre durfte er sich auf diesem Niveau präsentieren. In dieser Zeit lernte er folglich Fußballplätze in Slowenien genauso kennen wie Spielstätten an der Grenze zu Griechenland.

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Ende der 1980er Jahre zog es den damals 27-jährigen Spielmacher in die zweite Liga Dänemarks. Eineinhalb Jahre schnürte er dort seine Fußballschuhe. Zunächst in Odense, dann beim FC Svendborg. Es hätte aber auch ein längeres Engagement in Dänemark werden können. Ikast IF hätte Mladenovics nächste Station werden können, doch dazu kam es nicht. „Die hatten seinerzeit einen dänischen Nationalspieler in ihren Reihen, der nach Schottland wechseln sollte. Dieser Transfer scheiterte jedoch und somit zerschlug sich auch mein Wechsel “, so Mladenovic.

Impressionen aus der Spieler-und Trainerkarriere von Mikica Mladenovic

Mannschaftsfoto des VfR Laboe (2020/21). Vorne von links: Matthias Schnoor, Marcel Schwantes, Patrick Wemmer, Christoph Zander, Lasse Saager, Kevin Cerny, Janek Geisbauer, Masseurin Carolin Krüger. Mitte von links: Trainer Mikica Mladenovic, Co-Trainer Dominic Kahl, Adrian Riesner, Mats Seemann, Christian Hirdes, Eike Meisner, Fynn Eggers, Maximilian Ehle, Betreuer Michael Lobeck, Betreuer Torsten Rumohr. Hinten von links: Co-Trainer Maik Eschen, Dennis Hegewald, Antonio Grünwald, Ali Mohamed, Sebastian Wendt, Steven Kühl, René Puls, Betreuer Torben Schulz. Zur Galerie
Mannschaftsfoto des VfR Laboe (2020/21). Vorne von links: Matthias Schnoor, Marcel Schwantes, Patrick Wemmer, Christoph Zander, Lasse Saager, Kevin Cerny, Janek Geisbauer, Masseurin Carolin Krüger. Mitte von links: Trainer Mikica Mladenovic, Co-Trainer Dominic Kahl, Adrian Riesner, Mats Seemann, Christian Hirdes, Eike Meisner, Fynn Eggers, Maximilian Ehle, Betreuer Michael Lobeck, Betreuer Torsten Rumohr. Hinten von links: Co-Trainer Maik Eschen, Dennis Hegewald, Antonio Grünwald, Ali Mohamed, Sebastian Wendt, Steven Kühl, René Puls, Betreuer Torben Schulz. ©

Stattdessen landete er mit Kind und seiner hochschwangeren Frau im Januar 1991 dann bei Holstein Kiel, als ihm erklärt wurde, dass dort ein Spieler auf seiner Position gesucht wird. Mladenovic kannte weder die Stadt Kiel und auch nicht die KSV Holstein, ließ sich aber dennoch auf ein Engagement ein. Das neue Umfeld bereitete ihm keine großen Anpassungsschwierigkeiten. „Nach ungefähr fünf, sechs Monaten hatte ich mich eingelebt und hatte keinerlei Verständigungsprobleme. Mir kam zu Gute, dass ich im Baumarkt gearbeitet habe und das ich in meiner Zeit in Dänemark ab und zu deutsches Fernsehen geschaut habe.“

Dennoch blieben Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache nicht völlig aus. Zumindest kann Miki von einer witzigen Anekdote aus seiner Anfangszeit bei den Störchen berichten: „Es gab mal ein Spiel, da rief der damalige Holstein-Trainer Hans-Gerd Schildt mir die ganze Zeit zu: „Miki, du musst decken! Decken, musst du, Miki! Decken!“ Ich hatte keine Ahnung, was er genau von mir wollte. Ich habe mich stattdessen die ganze Zeit gefragt, woran ich denken soll und fand darauf keine wirkliche Antwort.“


In sportlicher Hinsicht konnte Mladenovic bei den Störchen sofort überzeugen. In den zweieinhalb Jahren im Holstein-Trikot brachte er es auf 74 Oberliga-Einsätze und zählte folglich zum Stammpersonal. „Wir hatten schon eine gute Truppe beisammen. Rückblickend muss man jedoch feststellen, dass die Mannschaft damals deutlich besser aufgestellt war als der Verein an sich.“

In seiner Zeit bei Holstein Kiel erlebte Mladenovic dennoch zahlreiche Momente, die er auch heute noch sehr präzise in Erinnerung hat. Beispielsweise die 1:2-Niederlage im Pokalspiel gegen Bayer 05 Uerdingen im August 1991, bei der er den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer erzielte: „Das war schon eine starke Mannschaft seinerzeit. Dort kickten ehemalige DDR-Nationalspieler und zudem noch zwei Nationalspieler aus Rumänien.“ Doch auch an Ligaspiele mit Holstein kann sich Miki noch gut erinnern: „In der Spielzeit 1992/93 konnten wir den späteren Oberliga-Meister VfL Herzlake besiegen. Die standen über weite Strecken der Saison an der Tabellenspitze und waren Ewigkeiten ohne Niederlage, ehe sie gegen uns ran mussten. Das war schon eine tolle Sache.“

Im Sommer 1993 boten sich Mladenovic dann mehrere Optionen für den weiteren Karriereweg. Gerd-Volker Schock versuchte ihm zum TuS Hoisdorf zu locken. Miki entschied sich jedoch für den VfB Lübeck, für den er dann die nächsten zwei Jahre auflaufen sollte. „Die hatten ein schönes Stadion und damals oftmals mehrere tausend Zuschauer. Das fand ich sehr reizvoll.“

Und auch bei den Grün-Weißen sollte er fortan zum Stammpersonal zählen. Die Oberliga-Spielzeit 1993/94 endete auf dem neunten Tabellenplatz und die Regionalliga-Saison 1994/95 hatte die Meisterschaft des VfB zur Folge. Kurios am Titelgewinn der Lübecker war, dass dieser im Holstein-Stadion perfekt gemacht wurde. Am letzten Spieltag stand ein Auswärtsspiel beim TuS Hoisdorf an, doch dort hätte man dem Zuschauerinteresse nicht gerecht werden können. Folglich wurde nach einem Ausweichort gesucht. Eine Austragung in der Spielstätte des FC St. Pauli scheiterte, so dass das Holstein-Stadion der Ort wurde an dem der VfB die Hoisdorfer mit 6:0 deklassierte und sich Mladenovic noch einmal in die Torschützenliste eintragen konnte.

Weitere Spiele im Dress des VfB blieben jedoch aus. Dabei hätte Lübecks Coach Michael Lorkowski Mladenovic auch gerne weiterhin in seinem Kader gehabt, doch dieser entschied sich gegen eine Fortsetzung seiner Laufbahn in der Marzipanstadt: „Natürlich wäre es schön gewesen, wenn ich von mir sagen könnte, dass ich in drei verschiedenen Ländern in der zweiten Liga gespielt habe, doch ich musste mich letztlich anders entscheiden. Wir haben seinerzeit viermal in der Woche trainiert und in der zweiten Liga wäre tägliches Training notwendig gewesen. Darüber hinaus war ich berufstätig, hatte zwei kleine Kinder und zudem war ich auch schon 33 Jahre alt.“

Nächste Station wurde dann der TSV Nord Harrislee. „Der Kontakt kam über einen Bekannten zustande. Ich kannte die Mannschaft aber schon, da ich sie einige Male gesehen hatte. Sie hatten seinerzeit einige gute Spieler aus Dänemark in ihren Reihen. Der Trainer dort war jedoch ein wenig zu ambitioniert, denn er wollte gleich in die Regionalliga aufsteigen. Als Aufsteiger sollte man sich dies jedoch nicht gleich zum Ziel setzen“, so Mladenovic.

Endgültig ausklingen ließ Mladenovic seine Karriere dann beim VfR Neumünster. Eine Zeit, die auch mit kuriosen Erlebnissen einher ging: „Wir mussten mal auswärts in Flensburg antreten, doch auf dem Weg dorthin hatte unser Bus eine Panne. Daraufhin mussten wir mit all unseren Sachen mehrere Kilometer nach Schuby laufen und von dort aus mit Taxis an den Spielort reisen. Dies führte dazu, dass wir zu unterschiedlichsten Zeiten dort eintrudelten.“