06. Dezember 2020 / 10:42 Uhr

Millwall-Fans stören Anti-Rassismus-Geste mit Buhrufen – Rooney: Verhalten "bestürzend"

Millwall-Fans stören Anti-Rassismus-Geste mit Buhrufen – Rooney: Verhalten "bestürzend"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wayne Rooney hat sich enttäuscht gezeigt, nachdem die Anti-Rassismus-Geste der Spieler von Derby County und Millwall von Fans der Londoner gestört wurde.
Wayne Rooney hat sich enttäuscht gezeigt, nachdem die Anti-Rassismus-Geste der Spieler von Derby County und Millwall von Fans der Londoner gestört wurde. © Getty/imago images
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Ärger in England: Die Fans des FC Millwall haben vor dem Zweitliga-Spiel gegen Derby County einen Eklat provoziert und damit das Zuschauer-Comeback im Profifußball überschattet. Während des Kniefalls des Spieler zur Unterstützung der "Black Lives Matter"-Bewegung gab es lautstarke Buhrufe von Anhängern der Londoner.

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Nach seinem ersten Sieg als Interimstrainer von Derby County hätte Wayne Rooney eigentlich strahlen müssen - doch der englische Ex-Nationalspieler hatte nach dem 1:0 seiner Mannschaft beim Zweitliga-Auswärtsspiel in Millwall auch Grund, sich zu ärgern. Über die Fans der Londoner nämlich. Diese durften wieder ins Stadion, nachdem die britische Regierung in bestimmten Bereichen des Landes erstmals wieder Zuschauer zugelassen hatte - viele von den rund 2000 Zuschauern im Stadion The Den nutzten die Gelegenheit, um schon vor dem Anpfiff negativ aufzufallen.

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Als sich die Spieler beider Mannschaften kurz vor dem Start der Partie nämlich (wie inzwischen fast obligatorisch) hinknieten, um so die "Black Lives Matter"-Bewegung zu unterstützen und ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen, fingen Millwall-Fans an, die knienden Profis lautstark auszubuhen. "Dies zu hören, ist sehr enttäuschend und bestürzend für eine Menge Menschen", erklärte Rooney im Anschluss. "Ich bin aber zufrieden damit, wie meine Mannschaft damit umgegangen ist. Sie mussten es für 90 Minuten in den Hinterkopf verbannen, aber ich bin mir sicher, dass sie darüber nachgedacht haben." Rooney, der Mitte November zunächst kurzfristig als Nachfolger des entlassenen Philippe Cocu installiert wurde, war nicht der einzige, der sich gründlich ärgerte.

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Diverse Spieler meldeten sich anschließend zu Wort. Derbys Colin Kazim-Richards, der sich mit gereckter Faust in Richtung der Störenfriede erhoben hatte, nannte das Verhalten der Fans auf Twitter eine "absolute Schande", Millwalls Verteidiger Mahlon Romeo zeigte sich tief getroffen vom Verhalten seiner eigenen Fans. "Das heutige Spiel ist aus meiner Sicht jetzt irrelevant", sagte der 25-Jährige der South London Press. "Das ganze Team hatte sich darauf gefreut, dass die Fans zurück kehren. Aber in der Gesellschaft gibt es ein Problem, und das heißt Rassismus."

Die buhenden Fans hätten "nicht nur mich persönlich beleidigt, sondern auch den Verein", ergänzte Romeo. "Sie haben gebuht und eine friedliche Geste verurteilt, die eingeführt wurde, um jegliches diskriminierendes Verhalten bloßzustellen, zu bekämpfen und zu stoppen. Um mehr geht es bei dieser Geste nicht. Und die Fans haben deshalb gebuht, was ich einfach nicht verstehen kann." Romeo stellte klar, dass er nur für sich spreche. "Es ist das erste Mal, dass ich mich respektlos behandelt fühle. Ich bin beinahe sprachlos. Ich fühle mich sehr schlecht - so schlecht wie noch nie zuvor bei diesem Klub." Der in London geborene Romeo absolvierte bereits 194 Spiele für die "Lions", seit er vor fast sechs Jahren aus Gillingham kam.


Ex-Nationalspieler Richards: "Es gibt keine Entschuldigung"

Der ehemalige ManCity-Verteidiger und aktuelle BBC-Experte Micah Richards nannte die Buhrufe indes "entmutigend" und forderte harte Konsequenzen: "Wie kommen solche Fans in die Stadien? Es sind 2000, das heißt man kann die Übeltäter genau feststellen. Es gibt keine Entschuldigung. Ich habe diese Situation sowas von satt. Es ist entmutigend, weil es sich anfühlt, als seien wir schon sehr weit gekommen und dann doch noch so einen weiten Weg zu gehen haben. Ich möchte über diese Angelegenheit eigentlich gar nicht reden, weil ich den Eindruck habe, dass ich damit eh auf taube Ohren stoße - immer und immer und immer wieder." Über mögliche Folgen für die betreffenden Fans wurde noch nichts bekannt.