15. Juni 2019 / 00:40 Uhr

Mintzlaff zu RB Leipzigs Kritikern: "Wir zwingen niemanden, in unser Stadion zu kommen!"

Mintzlaff zu RB Leipzigs Kritikern: "Wir zwingen niemanden, in unser Stadion zu kommen!"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Oliver Mintzlaff ist seit 2016 Geschäftsführer der RB Leipzig GmbH.
Oliver Mintzlaff ist seit 2016 Geschäftsführer der RB Leipzig GmbH. © Getty Images
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RB Leipzigs Geschäftsführer Oliver Mintzlaff spricht im großen SPORTBUZZER-Interview u.a. über die Kooperation mit Paderborn, neue Führungskräfte, den Stadionausbau sowie zukünftige Ziele des Vereins. 

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Leipzig. Er war Leichtathlet, Führungskraft bei Puma, Berater von Ralf Rangnick. Seit 2014 ist Oliver Mintzlaff, 43, ein Roter Bulle, seit 2016 Geschäftsführer der RB Leipzig GmbH. Mintzlaff über Außenminister Rangnick, Nachfolger Markus Krösche, die Kooperation mit Krösches SC Paderborn, die ausgegebene DFB-Pokal-Kohle, Neu-Coach Julian Nagelsmann und Timo Werner.

Die avisierte Kooperation mit dem SC Paderborn hat für Wellengang gesorgt. Haben Sie das Thema unterschätzt?

Nein. Warum auch? Es gibt weder wirtschaftliche Interessen noch Absprachen mit Paderborn. Die Kooperation ist rein sportlicher und inhaltlicher Natur, im Sinne eines Austausches von Expertise, vor allem im Bereich Spieler- und Traineraus- und Fortbildung. Nach Rücksprache beider Clubs mit der DFL hatte diese keinerlei Einwände gegen die Kooperation. Dazu gibt es auch gar keinen Grund, denn der Wettbewerb zwischen den Clubs ist gewährleistet. Und wissen sie was?

Noch nicht.

Als wir in die Bundesliga aufgestiegen sind, haben wir uns auch bei verschiedenen anderen Clubs in der Bundesliga schlau gemacht, wie diese bestimmte Prozesse handhaben. Wir haben uns beispielsweise mit Hoffenheim, Leverkusen und Bayern ausgetauscht. Das Thema Kooperation mit Paderborn wurde jetzt viel größer gemacht als es wirklich ist. Paderborn hatte sich gewünscht, dass wir es auf unserer Pressekonferenz kommunizieren - das habe ich getan.

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<b> 06.07.2018: 2. Qualirunde Europa League, RB Leipzig - BK Häcken 4:0. </b> Sie mussten beißen, den ständig insistierenden inneren Schweinehund bekämpfen, ließen viele Körner und viele Liter Flüssigkeit. Und sie belohnten sich. RB Leipzig steht nach einem nie gefährdeten 4:0 (2:0) gegen BK Häcken mit eineinhalb Beinen in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League und werden beim Rückspiel in Schweden das finale halbe Beinchen hinterherziehen. Tore: Bruma (35.), Matheus Cunha (39.), Kevin Kampl (50.) und Jean Kevin Augustin (84.). Stattliche 18126 Fans dürfen sich schon freuen aufs Heimspiel gehen Uni Craiova, das am 9. August in der Red-Bull-Arena steigt. Weniger schön: Stefan Ilsanker sieht gelb-rot, fehlt beim Rückspiel in Häcken. Zur Galerie
06.07.2018: 2. Qualirunde Europa League, RB Leipzig - BK Häcken 4:0. Sie mussten beißen, den ständig insistierenden inneren Schweinehund bekämpfen, ließen viele Körner und viele Liter Flüssigkeit. Und sie belohnten sich. RB Leipzig steht nach einem nie gefährdeten 4:0 (2:0) gegen BK Häcken mit eineinhalb Beinen in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League und werden beim Rückspiel in Schweden das finale halbe Beinchen hinterherziehen. Tore: Bruma (35.), Matheus Cunha (39.), Kevin Kampl (50.) und Jean Kevin Augustin (84.). Stattliche 18126 Fans dürfen sich schon freuen aufs Heimspiel gehen Uni Craiova, das am 9. August in der Red-Bull-Arena steigt. Weniger schön: Stefan Ilsanker sieht gelb-rot, fehlt beim Rückspiel in Häcken. ©
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Ist die Kooperation an der Spielerfront tatsächlich angedacht oder könnte es an dieser Front zu einem Umdenken kommen?

Es gibt keine konkret in Aussicht gestellte Leihe oder sonstige Personalie. Im Übrigen hat dies die überwältigende Mehrheit auch verstanden.

Ihr Kölner Geschäftsführer-Kollege Alexander Wehrle hat gegenüber dem Express dies gesagt: „Wir sprechen hier immerhin von zwei Clubs aus derselben Liga. Da bin ich schon sehr überrascht, das sollte man genau prüfen. Was ist, wenn am letzten Spieltag einer von zwei Clubs sein Ziel erreicht hat, und der andere braucht noch einen Punkt und beide spielen gegeneinander. Hier werden ohne Not Angriffsflächen geschaffen.“

Es ist geprüft und sauber. Falls Herr Wehrle noch weitere Fragen hat, kann er mich gerne jederzeit anrufen.

Auch die RB-Fan-Gruppierung Red Aces hält die Kooperation für Wettbewerbsverzerrung und kritisiert weitere Vorgänge bei RB Leipzig.

Das ist haltlos. Wir haben die klarste DNA in der Bundesliga. Jeder weiß, wofür wir mit unserer Philosophie auf und neben dem Platz stehen. Viele Fachleute und Großteile der Bevölkerung schauen anerkennend auf diese Alleinstellungsmerkmale. Wenn es einzelne Gruppierungen gibt, die sich bei uns gequält fühlen, dann sollen diese doch bitte daheimbleiben. Wir haben eine riesige Fan-Basis, zwingen niemanden, in unser Stadion zu kommen. Wir sind in den letzten Jahren einen transparenten Weg gegangen, versuchen, die Fragen unserer Fans und alle Medienanfragen zu beantworten.

Nachholbedarf wurde an der Front Fan-Betreuung festgestellt.

Den hatten wir in der direkten Kommunikation bei fanspezifischen Themen. Wir sind auf einem gutem Weg, müssen uns noch mehr um diese Belange kümmern. Der nächste große Fan-Dialog findet im Dezember statt.

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Und bis dahin ruht der See?

Natürlich nicht. Wir sind auf unterschiedlichen Ebenen im regelmäßigen Austausch, machen unsere Hausaufgaben. Ab Januar werden wir dann vier hauptamtliche Fan-Betreuer haben.

Markus Krösche beerbt Ralf Rangnick, fischt fortan in einem ganz anderen Teich. Eine monströse Umstellung für den jungen Mann.

Markus saß gerade nebenan vier Stunden mit Ralf Rangnick und Paul Mitchell (Chef-Scout; Red.) zusammen. Es ging um die Ausrichtung für die kommende Saison und darüber hinaus. Wir halten Markus für den perfekten Sportdirektor nach dem Abgang von Ralf. Er hat als Betriebswirt wirtschaftlichen Hintergrund, war lange Profi, war Kapitän und hat dementsprechend früh Verantwortung übernommen. Er hat die Fußball-Lehrer-Lizenz und war in Leverkusen Co-Trainer von Roger Schmidt. Markus ist extrem facettenreich. Und er ist nicht auf sich allein gestellt. Ralf und Paul geben ihm jede mögliche Hilfe und Unterstützung.

Paul Mitchell soll bereits auf gepackten Koffern sitzen.

Falls die Koffer gepackt sind, reist er für uns durch die Welt. Wir wollen mit Paul Mitchell verlängern.

Ralf Rangnick sprach jüngst davon, Mitchell eventuell für seine internationale Eingreiftruppe zu gewinnen.

Mein Team? Sein Team? Gibt es nicht. Und wer global arbeitet, entscheidet Red Bull.

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Ralf Rangnick übernimmt zum zweiten Mal den RB-Trainerposten. Zur Galerie
Ralf Rangnick übernimmt zum zweiten Mal den RB-Trainerposten. ©

Wie sehen Ihre Kontrollmechanismen in Sachen Krösche/Julian Nagelsmann aus?

Jeder braucht und bekommt Freiraum. Ich mag es nicht, wenn ich jemanden kontrollieren muss. Dann ist es der falsche Mitarbeiter. Innerhalb unserer klaren Philosophie können und sollen sich alle Mitarbeiter bewegen und verantwortungsvoll arbeiten.

Der Übervater Ralf Rangnick jettet künftig zwischen Brasilien und New York umher. Könnte beim einen oder anderen Rangnick-Jünger Trennungsschmerz auftreten?

Ralf ist nicht aus der Welt. Ich gehe nicht davon aus, dass wir uns weniger austauschen als vorher, im Gegenteil.

Wie innig ist Ihr aktueller Kontakt zu Julian Nagelsmann?

Wir telefonieren ab und zu. Julians Austausch mit Ralf und Markus ist deutlich intensiver. Er ist zwar im Urlaub, aber gedanklich ganz sicher bei RB Leipzig. Er ist gerade dabei, den Schalter umzulegen. Von Hoffenheim auf Leipzig.

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Tino Vogel trainiert die Roten Bullen in der Saison 2009/10. Zur Galerie
Tino Vogel trainiert die Roten Bullen in der Saison 2009/10. © Getty Images

Und er bezieht die todschicke Ex-Wohnung von Jesse Marsch in Gohlis.

Da wissen Sie mehr als ich.

Nagelsmann hat die harte Kritik von Andrej Kramaric in Sachen inflationärer Taktik-Umstellungen lässig abtropfen lassen. Andere Trainer wären aus ihrer Ballonseide gesprungen.

Julian hat souverän und uneitel reagiert, aber das Ganze ganz sicher intern besprochen.

Sie haben satte fünf Millionen Euro für Nagelsmann abgedrückt.

Zahlen kommentieren wir nicht.

Sie haben 600000 Euro für Herrn Krösche überwiesen.

Gleiche Antwort. Dass gute Leute Geld kosten, ist normal. Trainer und Sportdirektor sind brutal wichtig. Für die Kaderplanung, die Entwicklung der Spieler und den Umgang mit wirtschaftlichen Ressourcen. Unsere DNA sorgt dafür, dass wir nur eine begrenzte Anzahl von Kandidaten haben.

Das Pokal-Finale ...

... haben wir mit der U19 und den Profis leider verloren. Aber es hat jeder gesehen, dass wir nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz eine Bereicherung für den deutschen Fußball sind. Das Fanfest am Breitscheidplatz war fantastisch. Was unser junges Mitarbeiter-Team vor und während des Pokalwochenendes auf die Beine gestellt hat, hat mich sehr stolz gemacht. Wir haben Blut geleckt und wollen schnell zurückkommen und die Hauptstadt wieder erobern. Und dann auch auf dem Platz.

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RB Leipzig - Bayern München (0:3) Zur Galerie
RB Leipzig - Bayern München (0:3) ©

Ab wann wäre die erste Saison unter Nagelsmann/Krösche ein gelungene?

Wir haben viel investiert in die Mannschaft, sind gehaltstechnisch nicht mehr auf einem Niveau um Platz zehn ...

... sondern unter den ersten fünf.

Das kommt hin. Wir wollen wieder ins internationale Geschäft, idealerweise wieder in die Champions League.

Gegen Dellen ist offenbar nur der FC Bayern gefeit. Was ist, wenn es mal nicht ganz so glatt läuft?

Wir stehen erst vor unserer vierten Bundesliga-Saison, bei der Dreifach-Belastung kann es natürlich auch zu Dellen kommen. Das gehört zum Sport dazu. Wenn wir mal Sechster oder Achter werden, werden wir nicht alles auf links ziehen.

Bringen die Millionen aus dem DFB-Pokal Beinfreiheit?

Wir haben fast alles wieder ausgegeben. Für die Mannschaft, unsere Fans, unsere Sponsoren. Das ist nicht schlimm, das Geld haben wir gern ausgegeben. Beinfreiheit? Durch den dritten Platz in der Bundesliga klettern wir im TV-Ranking hoch. Und es ist ganz normal, dass Vereinbarungen mit unseren Sponsoren auch Erfolgsfaktoren beinhalten und eine Teilnahme an der Königsklasse auch an dieser Front lukrativ ist.

Red Bull schwebt über allem und allen. Verhindert die XXL-Marke nicht den Einstieg von weiteren Geldgebern?

Erstens: Wir sind stolz auf unseren Partner Red Bull. Er hilft uns auch durch sein Netzwerk, die Marke gibt uns Rückenwind. Zweitens: Im Gegenteil. Wir haben mittlerweile über 40 Partner, Red Bull ist uns da als starker Partner hilfreich. Viele Sponsoren wollen näher an uns und diese Marke rücken.

Wann wechseln Sie ins Red-Bull-Management?

Ich fühle mich in Leipzig sehr wohl, wir haben noch viel vor. Wir wollen das Stadion ausbauen, den ersten Nachwuchsspieler dauerhaft in die erste Mannschaft bringen, die Gruppenphase der Champions League überstehen, wieder ins Pokalfinale nach Berlin, eine neue Geschäftsstelle bauen und den Verein weiter stabilisieren. Allerdings sehe ich mich in dieser Funktion nicht in Rente gehen. Auch wenn der Job extrem viel Spaß macht. Denn irgendwann braucht es frischen Wind und einen neuen Geschäftsführer. Aber irgendwann ist nicht morgen oder ‪übermorgen, Herr Schäfer.

Werden die Sitzschalen im Stadion farblich auf den Club angepasst?

Es ist alles eine Frage der Prioritären. Jetzt kümmern wir uns erst einmal um infrastrukturelle Maßnahmen, neue Toiletten und Kioske, einfachere Zuwege und Stehplätze. Auch wenn wir jetzt schon über 50 Millionen Euro in die Hand nehmen, wird dies nicht das Ende der Um- und Ausbaumaßnahmen sein. Ich hoffe, dass wir nächste Saison dauerhaft ausverkauft sind, dann sieht sowieso niemand die Farbe der Sitzschalen.

Wie hat sich Ihr Verhältnis zu Ralf Rangnick verändert?

Ralf und ich haben uns in einer anderen Konstellation kennen gelernt. Ich war sein Berater. Jetzt bin ich Geschäftsführer und vertrete die Interessen des Vereins und von über 400 Mitarbeitern. Ich habe damals schon als Berater mit ihm kontrovers diskutiert - und nur das bringt uns und die Sache im Sinne aller weiter.

Nach unseren Informationen ist eine Vertragsverlängerung von Timo Werner doch wieder in greifbare Nähe gerückt, Herr Mintzlaff.

Ich weiß nicht, was für Sie greifbar ist - es gibt aber keinen neuen Stand.

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