15. August 2021 / 17:34 Uhr

Misslungener Saisonauftakt: RB Leipzig verliert gegen kämpferische Mainzer

Misslungener Saisonauftakt: RB Leipzig verliert gegen kämpferische Mainzer

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
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RB Leipzig war gegen Mainz nicht zwingend genug. © dpa
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Gegen einen coronabedingt dezimierten Gegner tat sich RB Leipzig von Beginn an schwer. Die Marsch-Truppe verlor gegen aufopferungsvoll kämpfende Mainzer mit 0:1.

Mainz. Sachen gibt‘s, die gibt‘s eigentlich nicht. 10.500 Fans reiben sich in Mainz am Rhein die Augen, wohnen der ersten Riesen-Sensation der Liga bei. Mainz 05 kämpft RB Leipzig 1:0 (1:0) nieder, feiert trotz diverser Corona-Ausfälle einen Dreier, den sie sich wohl nur selbst zugetraut haben. Ein XXL-Aussetzer des sonst so zuverlässigen Nordi Mukiele verhilft den über sich hinaus wachsenden Mainzelmännchen in persona Moussa Niakhaté zur 1:0-Führung (13.) - und zu beflügelnder Thermik unter den Schwingen. RB findet erst nach einer halben Stunde statt, steigert sich in der zweiten Halbzeit, powert sich aus, geht schlussendlich leer aus. Fühlt sich ungut an, ist ungut, folgt aber der Logik des Spiels.

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Vorm Anpfiff hagelt es lebensbejahende Botschaften aus dem Mainzer Notstandsgebiet. Der nahezu austrainierte Busfahrer der Nullfünfer muss nicht im linken Mainzer Mittelfeld auflaufen. Torwarttrainer Stephan Kuhnert (60) bleibt nach 22-jähriger Abstinenz ein Comeback zwischen den Pfosten erspart. Und Manager Christian Heidel, 58, kann seine Bezirksliga-Töppen Modell „Adidas Uwe“ im Keller lassen. Der Corona-gebeutelte FSV Mainz 05 zaubert wider Erwarten eine wettbewerbsfähige Mannschaft aufs Grün. In der Start-Elf stehen acht Männer, die den Anpfiff auch sonst am Mittelkreis erleben. Dazu laufen drei junge Fußballer aus dem Anschlusskader auf. Alle Mann heiß wie die Temperaturen in Mainz am Rhein.

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RB Leipzig hat am Sonntag gegen aufopferungsvoll kämpfende Mainzer mit 0:1 verloren. Zur Galerie
RB Leipzig hat am Sonntag gegen aufopferungsvoll kämpfende Mainzer mit 0:1 verloren. ©

RB-Übungsleiter Jesse Marsch verfährt bei seinem Bundesliga-Debüt nach dem nicht unbekannten Wahlkampf-Motto „Keine Experimente“, bringt die Sandhausen-Sieger. Marcel Sabitzer sitzt nach seiner verletzungsbedingten Auszeit beim 4:0-Pokal-Sieg auf der Bank. Der Mainzer Stadionsprecher zündet die 05-Fans in einer hochemotionalen Andacht an: „Feiert jeden Zweikampf, als wäre es der Letzte!“ Danach wird es still in der Mewa-Arena. Schweigeminute für den verstorbenen Gerd Müller, dem besten Mittelstürmer aller Zeiten.


RB gelang wenig

Rein ins Match zwischen dem Sensationsteam der Rückrunde und dem deutschen Vize-Meister. Mainz legt los wie die Feuerwehr, zeigt null Respekt, hat die erste Großchance, Neuzugang Jae Sung Lee, köpft an den Pfosten, Paul Nebels Nachschuss, geht knapp vorbei (5.). RB macht mit, Angelino scheitert an Keeper Robin Zentner (9.).

Dann schlägt es ein - hinter Peter Gulacsi. Ecke, Willi Orban verliert das Kopfball-Duell gegen den hünenhaften Stefan Bell (kann passieren), Nordi Mukiele macht den harmlosen Ball via Querschläger scharf (darf nicht passieren), Kapitän Moussa Niakhaté schiebt lässig ein. 1:0 für Mainz - verdient (13.). Nach 25 Minuten gibt es im Glutofen die erste Trinkpause. Mainz ist griffiger, zielstrebiger. RB gelingt wenig bis nichts. Null Ballsicherheit, null Tiefe, nichts. Sind Marschs Männer überrascht vom hochintensiven Mainzer Tatendrang? In der 29. Minute hat Leipzig das 1:1 auf dem Fuß. Christopher Nkunku zieht ab, doch ein gewisser Niklas Tauer rettet mit eingeflogener Grätsche.

Verdienter Mainzer Sieg

Tauer ist ein Mainzer Bub, zarte 20 und spielt sein sechstes Bundesliga-Spiel. RB übernimmt das Zepter, lässt Ball und Gegner laufen, ohne zu nennenswerten Chancen zu kommen. Das Team von Bo Svensson verdichtet die Räume, lässt keine Tiefe zu. Dann ist Halbzeit, Mainz führt 1:0. Die Roten Bullen brauchen jetzt gewiefte Raum-Deuter. Und Spieler, die in direkten Duellen neue Spielsituationen schaffen. Wiederbeginn, keine Wechsel bei RB - und die erste Möglichkeit für die Mainzer. Gulacsi muss aus Nahdistanz gegen Nebel retten (50.). RB schlägt zurück, hat durch Mohamed Simakan zwei gute Chancen.

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<b>(1) Peter Gulacsi:</b> Guckt Lees Kopfball an den Pfosten, ist beim 0:1 ohne Chance, verhindert gegen Nebel das 0:2. Note 3 Zur Galerie
(1) Peter Gulacsi: Guckt Lees Kopfball an den Pfosten, ist beim 0:1 ohne Chance, verhindert gegen Nebel das 0:2. Note 3 ©

Marsch hat genug (gesehen), bringt drei Neue. Sabitzer, Dominilk Szoboszlai und Hee chan Hwang kommen für Nkunku, Tyler Adams und Amadou Haidara. Das Spiel findet vornehmlich in der Mainzer Hälfte statt, wird bei tropischer Hitze zur Willensschule. In der 73. Minute hat André Silva das 1:1 auf dem Fuß. Zentner ist da, außerdem war‘s Abseits. Kurz später drischt 05-Abwehrchef Stefan Bell den Ball ins Netz. 2:0? Nein, die Ecke war in der Luft im Aus. Dann hat Mukiele die Chance zum Ausgleich, Alexander Hack wirft sich in den Schuss.

Beide Teams geben alles, wollen mehr. Nächster Aufreger: Gulacsi steht seinen Mann gegen Jonathan Burkhardt (79.). Fünf Minuten vor dem Ende rammt Willi Orban einen Kopfball knapp neben den Pfosten. Die Mainzer drücken sich in der sechsminütigen Nachspielzeit Krämpfe aus den Waden, lassen ihr Herz auf dem Rasen - und feiern einen sensationellen und verdienten Sieg.