23. April 2021 / 16:38 Uhr

Mit 55 Jahren hat Thomas Mainka nochmal 90 Minuten durchgespielt – und getroffen

Mit 55 Jahren hat Thomas Mainka nochmal 90 Minuten durchgespielt – und getroffen

Matthias Preß
Peiner Allgemeine Zeitung
Thomas Mainka kam im April 1984 frei zum Schuss und erzielte das 3:1 für den TSV Wendezelle gegen den VfB Peine in der Bezirksoberliga.
Thomas Mainka kam im April 1984 frei zum Schuss und erzielte das 3:1 für den TSV Wendezelle gegen den VfB Peine in der Bezirksoberliga. © PAZ-Archiv
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Als Spieler hat Thomas Mainka mehr als ein halbes Dutzend Vereine erlebt. Als Trainer nur einen: Den TSV Wendezelle. Den Bezirksligisten coacht er seit 22 Jahren - und sprang sogar mit 55 Jahren nochmal für eine Partie als Spieler ein.

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Thomas Mainka ist 57 Jahre alt und kann sich an sein letztes Spiel über 90 Minuten in der Bezirksliga-Mannschaft des TSV Wendezelle noch ganz genau erinnern. „Das war im August 2018. Ich war damals 55 Jahre alt und habe im Pokalspiel gegen den Bezirksligisten SG Roklum-Winnigstedt durchgespielt. Und anschließend beim Elfmeterschießen getroffen.“

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Das geht nur, wenn man fußballverrückt ist. Die Kurzatmigkeit lag auch nicht an fehlender Kondition, sondern am für einen normalen 20- oder 30-jährigen figurbetont geschnittenen Trikot. „Bis ich da raus war, waren die anderen schon mit dem Duschen fertig“, flachst Mainka.

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Personell gesehen behält er die Saison 18/19 als „Horrorsaison“ in Erinnerung. Und das will etwas heißen, schließlich war Mainka zum damaligen Zeitpunkt schon 19 Jahre Trainer des TSV. Viele Abgänge hatte es vor der Saison gegeben, aber dennoch schaffte Mainkas Rumpf-Team nicht nur den Klassenerhalt, sondern landete am Saisonende sogar auf Rang 8 – also in der oberen Tabellenhälfte.

Sein erster Verein als Spieler war der RSV Braunschweig. „Da habe ich in der E-Jugend angefangen. Das Fußballspielen habe ich aber auf der Straße gelernt. Wir hatten die vielleicht beste Straßenmannschaft Braunschweigs. Da hat die Krause-Familie mitgekickt.“ Uwe Krause zum Beispiel spielte später für die Eintracht in der Bundesliga und wechselte 1980 nach Frankreich. Was er beim täglichen Kicken auf der Straße lernte, habe ihm später enorm weitergeholfen, meint Mainka. „Bei zweimal Training pro Woche im Verein lernt man solche Basics nicht.“

Nach fünf Jahren beim RSV spielte Thomas Mainka fünf Jahre bei der Braunschweiger Eintracht. „Mit mehr Ehrgeiz damals wäre vielleicht einiges anders gelaufen“, weiß der TSV-Coach heute. Sein erstes Herren-Jahr kickte er in Stöckheim, dann fünf in Wendezelle, drei beim MTV Gifhorn und auch eines bei Arminia Vöhrum. „Ich studierte in Hannover. Da lag Vöhrum auf dem Weg. Das war ganz praktisch“, sagt der Diplom-Ingenieur, der beim Tiefbauamt der Stadt Braunschweig angestellt ist.

Einen seiner drei Kreuzbandrisse zog er sich in der Saison zu, in der er für den FC Wenden spielte. Es folgten fünf Jahre für Grün-Weiß Vallstedt. Dort brach er sich in der letzten Saison den Mittelfußknochen, spielte noch eine Saison bei Rot-Weiß Braunschweig und wechselte dann als Spielertrainer zur Saison 1999/2000 zum TSV Wendezelle. Dort ist er heute noch – und hat seinen Vertrag gerade um zwei Jahre verlängert. „Bis zur Saison 2008/2009 habe ich mitgespielt, danach war ich bis auf einige Einsätze nur noch Trainer.“

In seinen 22 Trainerjahren hat Mainka 114 Spieler im Kader gehabt, „plus ein paar Leute, die gerade greifbar waren und ein Paar Fußballschuhe hatten.“ Sein Rekordkicker ist Tevfik Arikan, der bei 446 Einsätzen 75 Tore schoss. „Er ist in unserer Horrorsaison aus Stuttgart zum Spiel gekommen und nach sechs Stunden Autofahrt aufgelaufen“, lobt Mainka.

Eine solche Einstellung vermisst er heute bei vielen Kickern. „Früher hat ein 16er-Kader gereicht. Die waren alle immer da.“ Fußballerisch sei es aber nicht unbedingt besser gewesen. „Es wird heute mit hoher Intensität trainiert. Die Fitness der Spieler ist besser.“ Auch die taktische Schulung. „Beim Gegner ist einer, der schießt die Tore. Das war früher die Besprechung vor dem Spiel“, flachst Mainka.

Er selbst hatte als Stürmer begonnen, rutschte mit zunehmendem Alter aber erst ins Mittelfeld und dann in die Defensive zurück. „Ich war schnell, ballsicher und im Torabschluss sicher“, beschreibt sich Mainka selbst. Das kam nicht von ungefähr. Schon lange vor dem Trainingsbeginn war er zusammen mit seinem Zwillingsbruder Michael auf dem Platz, und beide schossen aufs Tor. „Wir waren beide sehr ehrgeizig. Fehler konnten wir uns nie verzeihen. Ich selbst war auf dem Spielfeld kein angenehmer Zeitgenosse.“

Bilder aus dem Fußball-Leben von Thomas Mainka

Thomas Mainka 1984 Zur Galerie
Thomas Mainka 1984 ©

Hätte er heute einen Spieler wie sich selbst in jungen Jahren, würde er ihn spielen lassen. „Je älter ich wurde desto strategisch besser. Wo andere 20 Meter zurücklegen, musste ich nur noch drei Meter laufen – aber rechtzeitig. Deshalb konnte ich in vergleichsweise höherem Alter noch in der Bezirksklasse und Bezirksliga mitspielen.“

In seinen Mannschaften hat er „immer eine Super-Kameradschaft“ erlebt. Er achtet als Trainer darauf, sein Team nicht nur nach fußballerischem Können, sondern auch nach Charakter zusammenzustellen. Vielleicht auch deshalb habe er wenig Fluktuation im Kader und viele, mit denen er schon lange zusammenarbeitet. „Man muss natürlich auch ehrlich sein. Ich kann nicht 25 Spielern versprechen, Stammspieler zu sein.“

Den Einsatz für die Mannschaft und den Verein lebt er im Zweifelsfall vor und läuft mit 55 noch auf den Platz. Allerdings: In dem Pokalspiel, das der TSV 4:5 nach Elfmeterschießen verlor, war er beim Abpfiff gar nicht der Älteste auf dem Rasen. Das war sein Co-Trainer Christian Kamp. Der wechselte sich kurz vor Schluss ein und spielte erstmals in der ersten Herrenmannschaft mit seinen Söhnen Niclas und Marcel. Mit 56 Jahren.