20. September 2019 / 18:22 Uhr

Mit 70 startet der Stederdorfer Bernd Meyer nochmal durch

Mit 70 startet der Stederdorfer Bernd Meyer nochmal durch

Christian Meyer
Peiner Allgemeine Zeitung
Der Stederdorfer Bernd Meyer (rechts) startete bei der Leichtathletik-Senioren-EM in Venedig im 100-Meter-Sprint der M70.
Der Stederdorfer Bernd Meyer (rechts) startete bei der Leichtathletik-Senioren-EM in Venedig im 100-Meter-Sprint der M70. © Foto: Privat
Anzeige

Dass er mit 70 noch einmal in ein Trikot der Nationalmannschaft schlüpfen darf, damit hat Bernd Meyer in den kühnsten Träumen nicht gerechnet. Doch jetzt ist es passiert. Erst seit zwei Jahren betreibt der Arzt aus Stederdorf Leichtathletik – und doch sprintete er jetzt bei der Senioren-EM in Venedig über 100 Meter auf Platz 17 in der M70.

Anzeige
Anzeige

Aus dem Spätstarter wurde tatsächlich noch ein ausgezeichneter Sprinter. Dabei wollte er doch eigentlich nur etwas für seine Gesundheit tun...

Das ist die kuriose Geschichte hinter dem WM-Start von Bernd Meyer, der schon Fußball und Handball spielte, beim Tischtennis und Tennis aufschlug und bis vor zwei Jahren erfolgreich beim Golf einlochte. Doch gesundheitliche Gründe zwangen ihn, den Golfschläger zur Seite zu legen. „Vielleicht lag es daran, dass man sich dort doch sehr unter Druck setzt“, sagt der Stederdorfer, der sich deshalb dazu entschied, künftig mit speziellem Training seinen Herzmuskel und seine Muskulatur insgesamt zu trainieren. Erstmal nur im Fitness-Studio und beim eigenen Koordinationstraining – doch dann auch in der Leichtathletik-Senioren-Gruppe der TSV Burgdorf. Sein Freund Wolfgang Arnd hatte ihm die Sache schmackhaft gemacht – der Uetzer Arnd ist eine Leichtathletik-Koryphäe, räumte gerade drei Titel bei der Senioren-Europameisterschaft in Venedig ab.

In der Burgdorfer Senioren-Gruppe trainierte Bernd Meyer mit Klub-Kollegen im Alter von 45 bis 77 Jahren. „Am Anfang hatte ich noch mehrere kleinere Muskelverletzungen, weil ich die Muskeln in dieser Weise nie belastet habe“, erinnert sich der Allgemeinmediziner, der in Stederdorf seine eigene Praxis betrieb. Doch er stellte ansonsten auch erfreut fest, dass sich das Training positiv auf sein Allgemeinbefinden auswirkte: „Gesundheitlich ging es mir immer besser – und dann wurde ich ehrgeiziger.“

Mit vielen aus seiner Trainings-Gruppe startete er bei Wettkämpfen der Senioren. Seine Paradedisziplinen: Die 100- und 200-Meter-Sprintstrecken sowie der Weitsprung. Bei seiner Landesmeisterschafts-Premiere in Celle rannte er prompt gleich zu Doppel-Bronze in 15,56 Sekunden sowie 32,38 Sekunden und gewann den Weitsprung der M70 mit 3,83 Meter. Beeindruckend ist das, weil Meyer bis vor zwei Jahren die Leichtathletik nur als Fan kannte – vorm Fernseher und im Stadion, passiv statt aktiv. „Aber absolutes Interesse war schon immer da. Ich habe mit meiner Familie zum Beispiel Dieter Baumanns Olympiasieg 1992 in Barcelona gesehen, wir waren schon bei Europameisterschaften in Budapest oder Berlin im Stadion“, sagt Meyer. Doch um selber einmal Leichtathletik im Vereinssport zu betreiben – dafür musste er erst 68 Jahre alt werden.

Mehr Leichathletik aus der Region

Die junge Karriere des 70-Jährigen erlebte in Venedig nun ihren zwischenzeitlichen Höhepunkt. Ein Lauf gegen Sportler aus Großbritannien, Frankreich, der Slowakei und Deutschland, Gespräche mit Athleten aus Litauen und der ganzen Welt. „Das war einfach nett, richtige Völkerverständigung“, schwärmte Meyer. Aufgeregt war er vor dem Schmankerl nicht. „Dafür bin ich wohl ein bisschen zu cool.“ In 15,43 Sekunden sprintete Meyer zu Platz vier in seinem Vorlauf, 16 Hundertstel fehlten zur Halbfinal-Quali. So richtig zufrieden war er damit nicht. „Ich hatte eine andere Zeit vor, wollte Bestzeit laufen, doch das war bei Gegenwind schwer“, bilanzierte er.

Den EM-Titel schnappte sich übrigens der Italiener Vincenzo Barisciano, der die M70-Konkurrenz mit seiner 13,76 Sekunden-Fabelzeit beeindruckte, der Zweite lief 14,30. Meyer war nicht nur davon angetan, sondern von zahlreichen Leistungen der Senioren in Venedig. Ihn hat die Teilnahme noch zu etwas anderem motiviert: Die Qualifikation für die nächste Deutsche Meisterschaft für die 100 Meter. Dazu muss er sich noch um drei Hundertstel steigern. „Ich möchte gerne einmal nur 15,0 laufen – ich hoffe, irgendwann klappt das mal.“

Seine Frau, seine Töchter und seine Enkelkinder würden sich freuen. „Die Familie steht voll hinter mir. Und besonders freue ich mich darüber, dass alle meine vier Enkelkinder auch Sport treiben“, sagt Meyer. Als Vierfach-Opa nochmal durchstarten – es müssen ja nicht gleich so große Sportziele sein, „aber Bewegung in jeglicher Art im Alter kann ich nur empfehlen. Mal spazieren gehen, mal walken, ein bisschen Ausdauer-, weniger Kraftsport – das tut gut“, sagt der Arzt.

Hier #GABFAF-Supporter werden

Wir kämpfen für den Amateurfußball! Trage Dich kostenlos ein und Du bekommst unseren exklusiven Newsletter mit allem, was den Amateurfußball in Deutschland bewegt. Außerdem kannst Du jeden Monat 2000 Euro Zuschuss für Deinen Verein gewinnen und entscheidest mit, wofür #GABFAF sich als nächstes einsetzt.

ANZEIGE: 50% auf dein Jako Herbst-Set! Der Deal des Monats im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN