31. Mai 2021 / 16:09 Uhr

Mit Blick auf die Zugspitze: Edgar Euling betreibt Tennisschule in Bayern

Mit Blick auf die Zugspitze: Edgar Euling betreibt Tennisschule in Bayern

Jürgen Hansen
Peiner Allgemeine Zeitung
Edgar Euling in seinem Element: Ende der 90er-Jahre eröffnete er seine eigene Tennisschule in Garmisch-Partenkirchen.
Edgar Euling in seinem Element: Ende der 90er-Jahre eröffnete er seine eigene Tennisschule in Garmisch-Partenkirchen.
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Die Turniere und der Applaus der Zuschauer fehlen ihm, erklärt Edgar Euling. Doch Erfolgserlebnisse feiert der gebürtige Peiner heute immer noch. In Garmisch-Partenkirchen betreibt der heute 63-Jährige seine eigene Tennisschule und freut sich über Lob seiner Schüler. 

Boris Becker ist Deutschlands Tennislegende schlechthin. Gehörigen Anteil am Ruhm des mehrfachen Grand-Slam-Turnier-Gewinners gebührt seinem einstigen Trainer Günther Bosch. Der trainierte früher jedoch nicht allein Elite-Profis, sondern auch Leute aus den hinteren Reihen der Weltrangliste. Zu ihnen zählte in den 70er- und 80er-Jahren der Peiner Edgar Euling. Die Tennis-Karriere des heute 63-Jährigen ist längst Geschichte, doch mit dem „weißen Sport“ ist er weiter eng verbunden. Denn seit vielen Jahren betreibt er in Garmisch-Partenkirchen die „Edgar Euling Tennisschule“.

Seine frühere Heimatstadt läuft Euling, dessen Vater einst eine renommierte Peiner Weinhandlung führte, nur noch hin und wieder an. „Um meinen Bruder zu besuchen, wir beide kümmern uns um das Euling-Grundstück. Natürlich mache ich dabei jedes Mal auch einen Abstecher in die Innenstadt, um zu sehen, wie sich hier alles entwickelt. Es ist ja einiges los“, verweist er auf viele Neubauten.

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Unweit des Herzberges an der Kastanienallee, lagen einst die Plätze des Peiner Tennis Club (PTC), auf denen der damals achtjährige Edgar Euling seine ersten Ballwechsel auf Rot-Grant hinlegte. Und er hatte Talent, stand zwei Jahre später in der Altersklasse „Knaben“ im Endspiel der niedersächsischen Jugendmeisterschaft und wechselte im Alter von zwölf Jahren zum Hannoverschen Tennis-Verein (HTV). Mehr noch: „Ich rückte in den DTB-Leistungskader des Deutschen Tennis-Bundes“, erinnert sich der staatlich geprüfte Tennislehrer, der 1975 in Hannover unter die Fittiche des damaligen DTB-Trainers Günther Bosch kam.

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„Das Training von Bosch war sehr gut, es brachte mich sportlich weit voran. Er war menschlich und ein ausgezeichneter Psychologe.“ Boschs Methoden trugen Früchte: Denn Edgar Euling wurde mehrfach Landesmeister im Einzel und holte mit 18 den nationalen Titel, schlug dabei im Finale den späteren Davis-Cup-Spieler Andreas Maurer. Auch mit dem Deutschen Jugend-Nationalteam lief es bestens. „Wir gewannen einige internationale Turniere, unter anderem die Mannschafts-Weltmeisterschaft. Ich kam viel herum in Europa, lernte Paris, Stockholm und andere Metropolen kennen. Es war meine schönste Zeit als Tennisspieler“, sagt Euling, der während dieser Veranstaltungen Spieler wie Jannik Noah oder Ivan Lendl kennenlernte, die später im Erwachsenen-Bereich zur Weltspitze zählten.

Bei ihm selbst stockte die Karriere, als die Junioren-Zeit endete. Zwar gewann er mit der HTV-Mannschaft einige Male die Deutsche Meisterschaft und spielte in der Tennis-Bundesliga. Doch der internationale Durchbruch blieb ihm verwehrt. „Ich rangierte Ende der 70er Jahre in der Weltrangliste so um Platz 200 herum. Doch das reicht nicht, um große Sprünge zu machen. Man muss schon unter den besten 80 sein, um gut zu verdienen. Das ist heute noch so“, erläutert Euling und verweist darauf, dass die Leute der hinteren Ranglisten-Plätze mit ihren Einnahmen zwar Reisekosten und Unterhalt decken können, „aber keiner kann sich einen Trainer leisten beziehungsweise ein finanzielles Polster aufbauen.“

Multi-Millionäre sind hingegen aktuelle Tennis-Weltstars wie Roger Federer oder Raphael Nadal, denen Euling zu Gute hält, dass sie vergangenes Jahr einen Fond aufgelegt haben, um die zuvor erwähnten „Hinterbänkler“, die coronabedingt sehr zu knapsen hatten, finanziell zu unterstützen. Zu den Hochzeiten der Top-Spieler Björn Borg und John McEnroe, die mittlerweile rund 40 Jahre her sind, sei Tennis deutlich weniger kommerziell gewesen als heutzutage. „Damals war alles lockerer. Man konnte eher an die ganz Großen herankommen, ihnen beim Training zusehen. Jetzt sind sie abgeschirmter.“


Euling selbst wechselte während seiner Laufbahn noch dreimal den Verein, spielte für die Bundesligisten Neuss, Krefeld und Bamberg, ehe er im Alter von 26 Jahren aufhörte. „Spätestens mit Anfang 30 wäre Schluss gewesen mit Leistungstennis, das war mir damals schon klar. Daher entschied ich mich für einen anderen Weg, machte mein Hobby zum Beruf und ließ 1983 in Konstanz eine Tennishalle bauen. Die betrieb ich zwölf Jahre lang“, erläutert der Familienvater (eine Tochter), dessen Frau vor einigen Jahren verstarb.

Die Tennisplätze am Sporthotel in Garmisch-Partenkirchen: Hier betreibt der gebürtige Peiner Edgar Euling seit 20 Jahren seine eigene Tennisschule.
Die Tennisplätze am Sporthotel in Garmisch-Partenkirchen: Hier betreibt der gebürtige Peiner Edgar Euling seit 20 Jahren seine eigene Tennisschule. © privat

Die Konstanzer Halle verkaufte er 1995, um mit den Seinen nach Garmisch-Partenkirchen zu ziehen und dort nahe eines angrenzenden Sporthotels einen Neustart mit der „Edgar Euling Tennisschule“ zu wagen. Das Wagnis ist geglückt, doch es gab leichte Anlaufschwierigkeiten: „Die Oberbayern tun sich Fremden gegenüber etwas schwer. Doch als die Verkäuferinnen beim Bäcker mitbekamen, dass wir in Garmisch sesshaft sind, wurden sie freundlich, erwähnten beim Semmeln holen teilweise fünfmal meinen Namen. Jawohl, Herr Euling. Darf’s noch etwas sein, Herr Euling? Ist schon recht, Herr Euling…“, schmunzelt der 63-Jährige, der manchmal wehmütig an seine Aktiven-Zeiten denkt.

„Ja, die Turniere, der Applaus der Zuschauer – das alles vermisse ich schon. Aber als Tennislehrer bekommt man auch Erfolgserlebnisse. Und zwar durch die Rückmeldungen der Schüler, wenn sie dein Training loben oder betonen, dass sie bei dir wieder einen Kurs belegen wollen.“ Eine Rückkehr nach Peine hält Edgar Euling für eher unwahrscheinlich. „Warum sollte ich wegziehen? Ich lebe in einer schönen Landschaft, mit Blick auf die Zugspitze. Aber man weiß nie, was noch passiert. Ich lasse alles auf mich zukommen.“