12. Januar 2021 / 18:08 Uhr

Mit dem Flieger pünktlich zum Pokalfinale: Es geht um die „Einstellung zum Fußball“

Mit dem Flieger pünktlich zum Pokalfinale: Es geht um die „Einstellung zum Fußball“

Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Auf dem Feld war Tobias Dreyer stets ein Dauerbrenner. Mittlerweile steht er bei seinem Stammverein Rot-Weiß Schwicheldt an der Seitenlinie.
Auf dem Feld war Tobias Dreyer stets ein Dauerbrenner. Mittlerweile steht er bei seinem Stammverein Rot-Weiß Schwicheldt an der Seitenlinie. © Isabell Massel
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Auf dem Platz zeigte Tobias Dreyer als Spieler immer vollen Einsatz und mittlerweile tut er das auch an der Seitenlinie seines Herzensverein Rot-Weiß Schwicheldt. Er war elf Jahre lange Stammspieler und schnürte für die 1. Herren auch nach seinem vermeintlichen Karriereende noch einmal die Fußballstiefel – im Kreispokalfinale.

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Für Tobias Dreyer hätte die Fußballer-Laufbahn im Herrenbereich optimal enden können, doch leider steht dieser Satz für den heutigen Coach von Rot-Weiß Schwicheldt im Konjunktiv. Denn in seinem letzten Spiel für die 1. Herren seines Vereins, setzte es eine bittere 0:1-Niederlage – es war das Finale des Kreispokals. Gerade an diesem Wochenende im Jahr 2017 hatte der Trainer aber gezeigt, dass es nicht immer nur um fußballerische Qualität geht, „sondern vor allem um die Einstellung zum Fußball“.

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Es war wieder eine dieser Saisons, in der die Schwicheldter zum Winter den Ton im Titelkampf angaben, nur um dann in der Rückrunde einzubrechen und im Mittelfeld der Kreisliga zu versinken. In diesem Zuge hatte Dominik Feer sein Amt als Trainer niedergelegt und das Schwicheldter Urgestein Egbert Kruthoff übernahm bis zum Saisonende. Der holte dann auch Tobias Dreyer zurück, der eigentlich schon mit 29 die Schuhe an den Nagel gehängt hatte.

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Zu stark waren die Kniebeschwerden, die Tobias Dreyer plagten, und so entschied er sich, nur noch in der Reserve (2. Kreisklasse) als Spielertrainer aufzutreten. „Da habe ich mich dann aber auch nicht mehr so häufig selber eingesetzt. Als Trainer gefällt es mir auch gar nicht, auf dem Feld zu stehen“, sagt der heute 33-Jährige, der zuvor elf Jahre lang Stammspieler in der Kreisliga-Mannschaft war – er spielte bei den Herren für keinen anderen Verein.

Überhaupt ist Dreyer mittlerweile so etwas wie der Schwicheldter schlechthin, wohnte schon als Single in diesem „fußballverrückten Dorf“ und nun auch mit seiner Frau und seinem Kind. Aufgewachsen war er allerdings im 400 Einwohner zählenden Harber bei Hohenhameln und dürfte damit der bekannteste Kicker seines Heimatdorfes sein. Folglich absolvierte er seine Jugendjahre in Hohenhameln. „Der TSV war damals eine gute Adresse. Die Herren haben auch hoch gespielt, es hat immer Spaß gemacht, da zuzuschauen“, erinnert sich Dreyer.

Trainiert wurde der heutige Schwicheldter Coach damals unter anderem von Nils Könnecker und dessen Bruder Jan. „Das war klasse, wir sind auch fast in den Bezirk aufgestiegen, aber dann haben beide aufgehört“, berichtet Dreyer, der deshalb zur JSG Rosenthal/Schwicheldt wechselte – auch mit der Aussicht, dort im Herrenbereich von einem prominenten Coach lernen zu können. Günter Wesche, früherer Profi von Hannover 96, hatte den TSV Rot-Weiß im Sommer 2004 übernommen.

Und unter dem spielte Dreyer ebenso wie zuvor in der A-Jugend auf der Stürmerposition. „Ich war aber kein richtiger Knipser, hatte eigentlich nie mehr als 15 Buden pro Saison“, sagt Dreyer, der eine Doppelspitze im 4-4-2-System bevorzugte. Regelmäßig habe er Treffer für seinen Angriffspartner aufgelegt. Als folgende Trainer das System auf eine einzelne Spitze auslegten, wechselte Dreyer ins linke und rechte Mittelfeld. „Und in der Ü32 spiele ich gerne mal den Libero“, sagt der Schwicheldter Coach lachend.

Für den 33-Jährigen standen während seiner aktiven Laufbahn Einsatz und Einstellung stets über dem fußballerischen Können. „Technisch war ich nicht schlecht, aber ich war eher einer, der viel gelaufen ist. Ich hatte zwar schon immer ein kleines Bäuchlein, aber ich war fit genug“, erklärt Dreyer lachend.

Einsatz zeigte Dreyer aber nicht nur auf dem Platz, sondern gewissermaßen auch auf dem Weg dahin. Denn als die Schwicheldter 2017 im Kreispokal-Finale gegen den TSV Dungelbeck standen, da war der heutige Coach im Urlaub. „Das war eine Geburtstagsüberraschung meiner Frau. Wir waren auf Mallorca, und damit ich doch noch pünktlich zum Spiel komme, haben wir eine frühere Maschine zurück genommen“, erinnert sich Dreyer. Das Spiel ging zwar mit 0:1 verloren und der gelungene Abschied blieb dem 33-Jährigen verwehrt – trotzdem war er froh, noch einmal aufgelaufen zu sein.