05. August 2021 / 04:53 Uhr

Mit dem Wolfsburger Almas! Die deutsche Staffel sprintet ins olympische Finale

Mit dem Wolfsburger Almas! Die deutsche Staffel sprintet ins olympische Finale

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
 Willkommen im olympischen Finale! Der Wolfsburger Deniz Almas (3. v. l.) mit (v. l.)Julian Reus, Joshua Hartmann und Lucas Ansah-Peprah.
Willkommen im olympischen Finale! Der Wolfsburger Deniz Almas (3. v. l.) mit (v. l.)Julian Reus, Joshua Hartmann und Lucas Ansah-Peprah. © imago images/Beautiful Sports
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Das Ziel ist erreicht! Der Wolfsburger Deniz Almas steht mit der deutschen Sprint-Staffel am Freitag im olympischen Finale in Tokio. Im Vorlauf gab es Platz vier, die Zeit reichte für einen Platz unter den besten acht Nationen.

Das Ziel ist erreicht, aber der Traum geht weiter! Deniz Almas hat mit der deutschen 4x 100-Meter-Staffel das olympische Finale erreicht. Wahnsinn! Am Freitag geht es damit für den Leichtathleten des VfL Wolfsburg in Tokio um die Medaillen.

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Vier aus sechs: So lautete vorm Startschuss die Rechnung. Insgesamt sechs deutsche Staffelsprinter sind in Tokio dabei, neben Almas noch Julian Reus (Erfurt), der Leipziger Marvin Schulte, die Hamburger Owen Ansah und Lucas Ansah-Peprah sowie der Kölner Joshua Hartmann (wurde für den verletzten Wolfsburger Niels Giese nachnominiert) - doch nur vier Sprinter gehen an den Start. Das Bundestrainer-Team entschied sich für Reus, Hartmann, Ansah-Peprah - und Almas! Dabei war er einer der Letzten, der nach Zehproblemen das Ticket für Tokio gelöst hatte. Doch der 24-Jährige fand rechtzeitig seine Form zurück, ist ein starker Kurvenläufer.

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Somit standen drei der vier Läufer auf der Bahn in Tokio, die im Mai bei den World Relays in Chorzow (Polen) in 38,70 Sekunden das Olympia-Ticket gelöst hatten. Nur der deutsche Meister Schulte war diesmal nicht dabei, dafür Hartmann, der in Braunschweig bei der DM zeitgleich mit Giese Dritter geworden war.

Almas und Co. waren im zweiten Vorlauf dran. Klar war: Die ersten drei und die beiden folgenden zeitschnellsten Quartetts beider Vorläufe ziehen ins olympische Finale ein. Im ersten setzten sich Jamaika (37,82 Sek.), Großbritannien (38,02 Sek.) und Japan (38,16 Sek.) direkt durch, alle mit Saisonbestleistungen. Frankreich wurde Vierter in 38,18 Sek., Brasilien folgte mit 38,34 Sek. Trinidad und Tobago (38,63 Sek.) sowie die Niederlande und Südafrika, die nicht ins Ziel kamen, waren sicher ausgeschieden.

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Deutschland im zweiten Vorlauf am Start

Im zweiten Vorlauf traf die deutsche Staffel auf Bahn sechs auf die Türkei, die USA, China, Italien, Dänemark, Ghana und Kanada. Mindestens Dritter, Vierter in einer Zeit schnelleren Zeit als 38,34 Sek. oder Fünfter in einer schnelleren Zeit als 38,18 Sek. mussten die Deutschen also werden.

Almas übernahm an Position drei den Stab. Startläufer Reus hatte an Hartmann übergeben, dann feierte der Wolfsburger seine olympische Premiere, Schlussläufer Ansah-Peprah kam hinter China (37,916 Sek.), Kanada (37,918 Sek.; beide mit Saisonbestleistung) und Italien (37,95 Sek.; Landesrekord) als Vierter ins Ziel. Kurzes Bangen, dann großer Jubel! "Ja! Wow!", schrie Reus im Ziel und fiel Almas, seinem Zimmerkollegen im olympischen Dorf, in die Arme. Deutschlands 38,06 Sek. bedeuteten ebenfalls Saisonbestleistung - und das olympische Finale. Das erreichte auch Ghana (38,08 Sek.; Landesrekord) als Fünfter, die USA (38,10 Sek.; Saisonbestleistung), einer der Favoriten, hatte das Nachsehen. Alles Zeiten übrigens, die im ersten Vorlauf locker für Rang drei gereicht hätten. Selbst Dänemark (38,16 Sek.; Landesrekord) war als Siebter genauso schnell wie die zuvor qualifizierten Japaner. Die Türkei (disqualifiziert) wurde im zweiten Lauf Letzter.

"Ich denke, dass wir unsere beste Saisonleistung abrufen müssen", hatte Almas im Vorfeld gesagt - und Recht behalten. "Dementsprechend muss es in Richtung 38,0, 37 hoch gehen - und dementsprechend auch Richtung deutscher Rekord." Auch damit hatte der Wolfsburger recht. Denn der liegt bei 38,02 Sekunden, wurde am 27. Juli 2012 in Weinheim aufgestellt. Almas war damals 15, sein Zimmerkollege Reus gehörte bereits zum Aufgebot. Im Vorlauf waren die Deutschen diesmal nur vier Hundertstel langsamer.

Vor der ZDF-Kamera kommentierte das deutsche Quartett dann seinen eigenen Lauf Re-Live, ehe jeder nochmal einzeln zu Wort kam. Almas' Analyse: "Josh kam richtig stark angeflogen, ich bin pünktlich weg. Wir hatten einen super soliden Wechsel, das wusste ich auch direkt, als ich das Holz hatte. Ich habe die Beine in die Hand genommen und bin Vollgas auf Lucas aufgelaufen." Dann schickte der 24-Jährige über den Bildschirm noch Grüße in die Heimat.

Vor der ZDF-Kamera: Der Wolfsburger Deniz Almas.
Vor der ZDF-Kamera: Der Wolfsburger Deniz Almas. ©

Finale steigt am Freitag um 15.50 Uhr

Das Finale ist also erreicht! Am Freitag um 15.50 Uhr steht die deutsche Staffel wieder auf der Bahn. Das Bundestrainer-Team hätte die Möglichkeit, an der Startaufstellung zu basteln. Aber nach dieser Leistung im Vorlauf spricht vieles dafür, dass auch der Wolfsburger wieder zum Zug kommt. Und dann? "Im Finale ist definitiv alles möglich", sagt Almas. Das habe die Vergangenheit schon gezeigt. Auch die jüngere. "Wir haben es dieses Jahr in Polen bei der Staffel-WM erlebt, wo wir leider auch nicht ins Ziel gekommen sind, aber es war auch ein sehr verrücktes Finale." Wie die Deutschen, die im Finale (im Vordergrund stand die Olympia-Quali, die mit dem Erreichen des Endlaufs eingetütet war) unter anderem Almas schonten, überquerten auch die Niederländer nicht die Ziellinie, Brasilien und Ghana wurden aufgrund von Wechsel-Fehlern disqualifiziert. "Da sind super viele Staffeln nicht ins Ziel gekommen und ich denke, wir hätten in Chorzow, wenn alle topfit gewesen wären, vorn mitlaufen können." Gelänge das auch in Tokio, es wäre ein Traum: "Wir versuchen natürlich einen guten Lauf hinzulegen. Und Finale ist Finale. Wenn man dabei ist, dann ist einiges möglich!"

Vielleicht hat Almas auch auf der Bahn an seine Eltern gedacht. Die hatten ihm vor dem Abflug nach Japan folgendes mit auf den Weg gegeben: "Dass ich einfach alles genießen soll, den Olympia-Traum, den man als kleines Kind schon immer hat. Alles aufzusaugen, so viel es geht mitzunehmen und auf jeden Fall viel Bilder und Eindrücke in die Heimat schicken." Erste Fotos hatte er schon geschickt, es werden mit Sicherheit weitere folgen.

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