26. Mai 2021 / 17:42 Uhr

"Mit Köpfchen kann man das schaffen": Frauen werden im Motoball immer aktiver

"Mit Köpfchen kann man das schaffen": Frauen werden im Motoball immer aktiver

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Mareike Hemmer die einzige Frau im Team des MSC Seelze.
Mareike Hemmer die einzige Frau im Team des MSC Seelze. © CHRISTIAN HANKE
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Als Spielerin, Schiedsrichterin oder auf Vorstandsebene: Frauen werden im als Männerdomäne bekannten Motoball immer aktiver. Mareike Hemmer ist beim 1. MSC Seelze als aktive Spielerin mittendrin statt nur dabei. Die 18-Jährige erzählt, wie sie zu dem harten Sport kam - und was sie daran reizt.

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Fußball auf Motorrädern: Motoball – eine Disziplin für „harte Kerle“. Die Motoren dröhnen, über dem Feld hängt eine Wolke aus Abgasen, je nach Platz und Wetter staubt es entweder gewaltig oder der Schlamm spritzt. Zweikämpfe, bei denen die Motorräder heftig ineinander krachen. Man könnte annehmen, die schnellste Mannschaftssportart der Welt sei eine reine Männerdomäne. Doch weit gefehlt. Im Motoball gibt es durchaus Frauenpower. Und zwar nicht nur auf Vorstandsebene, sondern auch auf dem Platz. Sei es als Schiedsrichterin oder, wie Mareike Hemmer vom 1. MSC Seelze, als Spielerin.

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Die erste Frau in einem Motoball-Bundesliga-Team war Vanessa Fünfstück, sie spielte einst beim MSC Pattensen. Im „Sportclub“ des NDR hatte Fünfstück im August 2010 ihren großen Auftritt. Allein unter Männern: Damals wurde sie als Motoballerin aus Pattensen und Deutschlands einzige Frau in der Motoball-Bundesliga vorgestellt. Seit einigen Jahren hat „Vanne“ den 40 Zentimeter großen und 1200 Gramm schweren Motoball gegen den kleineren Fußball eingetauscht und steht heute im Tor des Landesligateams vom SC Hemmingen-Westerfeld.

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„In der Regel machen sie, was ich pfeife“

Beim MSF Tornado Kierspe, MSC Malsch und MSC Ubstadt-Weiher wird der Vereinsvorsitz von Frauen gestellt. Im Fachausschuss Motoball sind mit Lisa Karakas als Beraterin im deutschen Nachwuchsbereich und Jennifer Wolbert als Teammanagerin der Nationalmannschaft zwei wichtige Posten fest in weiblicher Hand. Wolbert (MSC Taifun Mörsch) ist überdies seit 14 Jahren passionierte Motoball-Schiedsrichterin. „Ich mache das genauso wie die männlichen Kollegen – wer nicht hören will, fliegt raus“, erzählt sie. „Ich hatte zum Glück nie das Gefühl, dass die Spieler ein Autoritäts- oder sonstiges Problem mit mir hätten. In der Regel machen sie, was ich pfeife – mal mit mehr, mal mit weniger Diskussion. Aber das ist ja völlig normal und in Ordnung.“ Inzwischen gibt es mit Ina Weingärtner eine zweite Schiedsrichterin.

Mareike Hemmer ist aktuell die einzige Frau in Deutschland, die aktiv Motoball um Punkte oder Pokalehren spielt: Die ­18-Jährige gehört nun schon in der dritten Saison zum Bundesliga-Kader des amtierenden Nordmeisters 1. MSC Seelze.

Mit einem Zeitungsbericht fing alles an. „Meine Mutter hatte in einem Artikel im Sportteil gelesen, dass der 1. MSC Seelze Spieler sucht für die Jugend. Und weil ich immer schon mit meinem Vater Formel 1 geguckt habe und sehr an Motorsport interessiert war, meinte sie, das sei vielleicht etwas für mich. Ich war halt noch nie so typisch Mädchen“, sagt Hemmer.

Faszination Motoball: Taktik, Schnelligkeit und Ballkontrolle

Die Kombination von Motorsport und Fußball gefiel der damals Elfjährigen sofort. Anfangs seien die Jungs nicht begeistert davon gewesen, ein Mädchen im Team zu haben. Doch das gab sich rasch. „Motoball ist für mich die Schnelligkeit kombiniert mit Taktik, Motorrad und Ballkontrolle“, sagt die Seelzer Motoballerin.

Dass es nicht mehr Frauen in den Bundesliga-Teams gibt, liegt nach Einschätzung von Hemmer an der körperlichen Unterlegenheit, die sich beim Motoball doch stark bemerkbar mache. Sich als Frau gegen die Männer durchzusetzen, sei eben schwierig. Dieser Nachteil lasse sich jedoch durch eine vorausschauende Taktik zumindest ein Stück weit ausgleichen: „Schneller denken, schneller schalten, mit Köpfchen kann man das schaffen. Es ist alles eine Frage der Einstellung.“

Referee Wolbert und Motoballerin Hemmer haben eine gemeinsame Botschaft, die da lautet: „Los Mädels, traut euch!“