04. Februar 2020 / 09:18 Uhr

Mit Leidenschaft und Ausdauer: So will der HSC Hannover die Klasse halten

Mit Leidenschaft und Ausdauer: So will der HSC Hannover die Klasse halten

Christoph Hage
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Trainer Martin Polomka vom HSC ballt die Faust.
HSC-Trainer Martin Polomka freut sich auf die Rückrunde. © Debbie Jayne Kinsey
Anzeige

Der HSC Hannover hat als Aufsteiger in der Regionalliga Nord einen schweren Stand. Die Vorbereitungen auf die Rückrunde und die Mission "Klassenerhalt" laufen beim Schlusslicht auf Hochtouren.

Anzeige
Anzeige

Es ist ein ekeliges Wetter, die Zuschauer kauern sich unter den Regenschirmen, nasse Kälte traktiert sie. Mehr als 100 Besucher sind in die List gekommen, um den Härtetest gegen den MTV Eintracht Celle zu sehen. Wo steht der HSC Hannover, sechs Tage vor dem Nachholspiel gegen den Hamburger SV II, der ersten von 14 Partien im Abstiegskampf der Fußball-Regionalliga?

Draußen wird diskutiert, ob da ein anderes Team auf dem Rasen steht, ob der HSC seine Lehren aus den ersten Saisonhälfte gezogen hat, in der das Schlusslicht nur elf Punkte geholt hat. „Wir sind uns bewusst“, sagt Trainer Martin Polomka, „dass der Klassenerhalt eine größere Sensation wäre als der Aufstieg.“ Der 3:1-Sieg gegen den Oberligisten sorgt zumindest schon mal für ein gutes Gefühl.

Das sind die besten Torschützen aus der Region Hannover in der Regionalliga Nord (Stand: 08.03.2020)

11 Tore Zur Galerie
11 Tore ©

Emghames braucht noch "ein paar Wochen"

Neben der Bank stehen Ferhat Bikmaz und Yousef Emghames, der beim 2:4 tags zuvor gegen Bremen-Liga-Spitzenreiter FC Oberneuland seine ersten 60 Minuten im HSC-Dress absolviert hatte. Bikmaz will Ende dieser Woche wieder zu laufen beginnen, erzählt er. Nach der Blinddarmentzündung und folgender Notoperation muss er drei Wochen aufholen. Der 31-jährige Kapitän gehört also nicht zu den Akteuren, die in der Vorbereitung mitsamt sieben Testspielen mehr als 200 Kilometer in den Beinen haben. Das sei vor allem mental sehr anstrengend gewesen.

Enghames freut sich, „endlich wieder Teil einer Mannschaft zu sein“. Er sei jetzt lange raus gewesen, ein Wechsel in die Türkei oder nach Dänemark habe sich zerschlagen, für die Schalker U23 sei er nicht fit genug gewesen. Der HSC bietet ihm nun die Möglichkeit, daran zu arbeiten. „Ich brauche bestimmt noch ein paar Wochen“, sagt der 22-Jährige.

Alle Transfers im Überblick: Das hat sich bei Hannovers Regionalligisten in der Winterpause getan

Die Trainer Martin Polomka (links, HSC Hannover), Jan Zimmermann (Mitte, TSV Havelse) und Christoph Dabrowski (rechts, Hannover 96 II) sind in der Winterpause auf dem Transfermarkt aktiv geworden.  Zur Galerie
Die Trainer Martin Polomka (links, HSC Hannover), Jan Zimmermann (Mitte, TSV Havelse) und Christoph Dabrowski (rechts, Hannover 96 II) sind in der Winterpause auf dem Transfermarkt aktiv geworden.  ©

Auf dem Feld offenbaren seine neue Teamkollegen Schwächen im Spielaufbau, Keeper Pascal Geerts, zwischen den Pfosten wohl die Vertretung von Sascha Algermissen (fällt noch wegen einer Oberschenkelverletzung aus), muss mehrfach retten. Der HSC zeigt aber auch, was er in 28 Tagen Vorbereitung gemacht hat.

„Die Spieler haben auf tiefem Boden läuferisch nicht abgebaut. Am Ende hat man sogar das Gefühl, da geht noch was“, sagt Polomka und verweist auf eine Statistik: Der Aufsteiger kassiere die meisten Gegentore aller 18 Regionalligisten in der letzten Viertelstunde. Nun hatten nicht wenige das Gefühl, dass Niklas Kiene, er bereitet die Führung von Deniz Tayar per Ecke vor (47. Minute) und trifft selbst zum 2:1 (76.), Martin Wiederhold, Gürkan Öney, Yannick Bahls und die meisten anderen weitere 45 Minuten ohne Probleme absolvieren könnten. Man kann dem HSC also nicht vorwerfen, sie würden etwas unversucht lassen.

Mehr zum HSC Hannover
Fußball trifft Eishockey: Unter den Augen von Martin Polomka (Dritter von links) und dem HSC gewinnen die Indians gegen den Herner EV mit 4:0.
Fußball trifft Eishockey: Unter den Augen von Martin Polomka (Dritter von links) und dem HSC gewinnen die Indians gegen den Herner EV mit 4:0. © Florian Petrow
Anzeige

Polomka gibt Okoronkwo Zeit

„Wir sind vom Grundsatz her auf einem guten Niveau“, sagt Polomka. Natürlich gebe es Spieler, die noch Aufholbedarf haben. Emghames an vorderster Stelle, aber auch Solomon Okoronkwo, der sich in der zweiten Hälfte oft auf die Zehn zurückzog, baute ab. „Solo hat ein halbes Jahr nicht gespielt, ihm müssen wir Zeit gewähren“, sagt sein Trainer. Ilyas Bircan spielte ebenfalls durch, Aljoscha Hyde kam nach einer Stunde und markierte mit einem 25-Meter-Schuss den Endstand (75.).

War das die Mannschaft, die am Samstag (14 Uhr) den Rückstand auf Relegationsplatz 16 auf zwei Punkte verkürzen soll? „Natürlich war da schon viel erste Elf drin“, sagt Polomka. Die Zuschauer schlichen ins Warme, für einen 30-köpfigen HSC-Tross ging es weiter zur zweiten großen Leidenschaft des Trainers: zum Eishockey an den Pferdeturm. Es soll beileibe nicht das letzte Treffen dieser Art gewesen sein. Eine Feier nach dem Saisonfinale daheim gegen den VfL Wolfsburg II müsse irgendwann ja auch organisiert werden, sagt Polomka, „weil wir definitiv die Klasse halten werden“. Dann aber bitte nicht im Regen.