10. Oktober 2021 / 19:07 Uhr

Mit Rotation gegen die Raute: Turbine Potsdam besiegt Werder Bremen

Mit Rotation gegen die Raute: Turbine Potsdam besiegt Werder Bremen

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
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Nina Ehegötz (r.) erzielte gegen Werder Bremen ihre ersten beiden Saisontreffer. © Saskia Nafe
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Frauen-Bundesliga: Mit sieben Veränderungen in der Startelf legt Turbine Potsdam beim 5:0 (4:0) gegen Schlusslicht Werder Bremen einen Blitzstart hin. Nach der Pause fehlen Zielstrebigkeit und Konsequenz - das ärgert Trainer Sofian Chahed.

Sofian Chahed hatte die Rotationsmaschine vor dem Heimspiel gegen Bundesliga-Schlusslicht Werder Bremen kräftig angeschmissen. Auf gleich sieben Positionen tauschte der Trainer von Turbine Potsdam im Vergleich zum 3:2 gegen Essen in der Vorwoche das Personal. „Alle hatten sich diese Chance verdient“, sagte der Coach. „Man hofft ja immer, die elf Besten aufzustellen. Umso glücklicher bin ich heute, dass alle Spielerinnen das mit einer guten Leistung zurückzahlen konnten.“ Abstimmungsprobleme offenbarte das runderneuerte Team am Sonntag beim 5:0 (4:0)-Erfolg vor 1274 Zuschauern gegen die Frauen von der Weser keinesfalls. Im Gegenteil: Ein Blitzstart ebnete den Weg zum nie gefährdeten Sieg.

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„Wir haben da angeknüpft, wo wir gegen Essen aufgehört haben“, lobte Chahed, der auch zwischen den Pfosten einen Wechsel vollzog. Weil Vanessa Fischer und Anna Wellmann „nahezu auf gleichem Niveau“ seien, aber Eigengewächs Fischer zuletzt nicht immer ganz sicher wirkte, kam Anna Wellmann, vor der Saison Neuzugang aus Leverkusen, zu ihrem Bundesliga-Debüt für Turbine. „Sie hat das ordentlich gemacht und gleich die erste Chance des Spiels gut entschärft“, sagte der Trainer.

Turbine Potsdam schießt Schlusslicht Werder Bremen ab

Turbine Potsdam gewinnt durch Tore von Nina Ehegötz (2), Sophie Weidauer, Gina Chmielinski und Selina Cerci vor 1274 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion mit 5:0 (4:0) gegen Bundesliga-Schlusslicht Werder Bremen. Potsdams Coach Sofian Chahed veränderte seine Startelf dabei im Vergleich zur Vorwoche gleich auf sieben Positionen. Zur Galerie
Turbine Potsdam gewinnt durch Tore von Nina Ehegötz (2), Sophie Weidauer, Gina Chmielinski und Selina Cerci vor 1274 Zuschauern im Karl-Liebknecht-Stadion mit 5:0 (4:0) gegen Bundesliga-Schlusslicht Werder Bremen. Potsdams Coach Sofian Chahed veränderte seine Startelf dabei im Vergleich zur Vorwoche gleich auf sieben Positionen. © Saskia Nafe

Der Eckball nach Wellmanns Parade in Minute drei geriet zum Bumerang für Bremen. Am Ende eines blitzsauberen Konters über Dina Orschmann und Melissa Kössler vollstreckte Sophie Weidauer zur frühen Potsdamer Führung. „Das hat uns Sicherheit gegeben, um schönen Kombinationsfußball zu spielen. Danach haben wir sie uns gut zurechtgelegt“, fand Angreiferin Nina Ehegötz, die nach einer flachen Eingabe von Melissa Kössler nach zehn Minuten auf 2:0 erhöhte. Weniger herausgespielt, dafür umso sehenswerter, war Gina Chmielinskis 3:0, als sich ihre Bogenlampe ins lange Eck senkte (16.). „Wir hatten nach dem Sieg letzte Woche eine unglaubliche Energie auf dem Platz und haben uns vorgenommen, dieses Gefühl heute mitzunehmen“, so Nina Ehegötz. „Potsdam hat uns phasenweise vorgeführt. Uns wurde gezeigt, wie Fußball geht. Da war das Spiel quasi schon verloren“, stellte SVW-Chefcoach Thomas Horsch ernüchtert fest.

Weiter ging es nur in Richtung Bremer Tor, wenn auch nicht mehr mit allerletzter Konsequenz. Anna Wellmanns Aktion zu Beginn war für lange Zeit die einzige Prüfung für die Potsdamer Torfrau. In der 37. Minute flankte Gina Chmielinski von rechts, Nina Ehegötz vollendete am zweiten Pfosten per Kopf – 4:0.

Trainer mahnt in der Pause

„Über die erste Halbzeit war ich froh, wir haben ein aggressives Pressing gespielt, hatten hohe Ballgewinne“, schwärmte Sofian Chahed, nur um dann gleich den Finger in die Wunde zu legen: „Leider ist es uns nicht gelungen, daran nach der Pause anzuknüpfen. Wir hatten eine kleine Blockade im Kopf.“ Er habe in der Pause davor gewarnt, das Duell mit dem Aufsteiger nach dem komfortablen Vorsprung auf die leichte Schulter zu nehmen. „Ich hoffe, dass wir daraus lernen, was wir in der zweiten Hälfte nicht mehr so gut gemacht haben. Denn wir wollen von Spiel zu Spiel Fortschritte sehen“, mahnte der 38-Jährige.

Tatsächlich war der zweite Durchgang kein fußballerischer Leckerbissen mehr. Torraumszenen blieben Mangelware, weil Turbine nicht mehr musste und Werder nicht mehr konnte. Die sporadischen Vorstöße der Gäste waren leichte Beute für Anna Wellmann. Und Potsdam zeigte sich bei Chancen von Nina Ehegötz (75., drüber) und Marie Höbinger (77., flach vorbei) nicht mehr so kaltschnäuzig wie im ersten Abschnitt. Erst Selina Cerci setzte in der letzten Minute noch den Schlusspunkt zum 5:0.


Für die Potsdamer Bundesliga-Fußballerinnen geht es am Sonntag beim SC Sand weiter. „Wir wollen jetzt natürlich ein paar Siege in Folge einfahren, das wäre gut für unser Selbstvertrauen“, hofft Doppeltorschützin Nina Ehegötz auf eine Potsdamer Erfolgsserie.

Turbine Potsdam: Wellmann – Gerhardt, Sissoko (61. Barth), Agrez (66. Mesjasz), K. Holmgaard – Orschmann, Weidauer (71. Höbinger), Chmielinski (71. Plattner), Ehegötz – Cerci, Kössler (61. S. Holmgaard)