10. August 2021 / 13:25 Uhr

Mitspracherecht gefordert: Chemie Leipzig positioniert sich gegen Spieltags-Zerstückelung

Mitspracherecht gefordert: Chemie Leipzig positioniert sich gegen Spieltags-Zerstückelung

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Frank Kühne
Chemie Leipzigs Vorstandsvorsitzender Frank Kühne (r.) bezieht klare Stellung. © imago images
Anzeige

Ein vieldiskutiertes Thema in den vergangenen Monaten war und ist die TV-Berichterstattung über die Regionalliga Nordost. Die BSG Chemie Leipzig schließt sich den Kritikpunkten von Jena und Babelsberg an und fordert ein größeres Mitspracherecht. Des Weiteren sprechen sich die Leutzscher für eine engere Zusammenarbeit und Vernetzung unter den Vereinen aus.

Leipzig. Spieltags-Zerstückelung, Montagsspiele, Mittagsspiele, Zuschauerschwund, drastisch gesunkene TV-Einnahmen – die Liste der Kritikpunkte an der TV-Verwertung der Regionalliga ist lang. Jena und Babelsberg hatten sich bereits kritisch geäußert. Das Statement der BSG Chemie war lange erwartet worden, nun kam es – abgestimmt zwischen Fans und Verein. 43 Fanclubs und Fan- Vereinigungen sowie die Gremien des Vereines unterschrieben das Papier.

Anzeige

Die Hauptkritikpunkte der Leutzscher sind eine Zerstückelung der Spieltage wie im Profifußball und daraus resultierend Einbrüche bei den Zuschauerzahlen, anreisebedingte sportliche Nachteile der Gästemannschaften wegen kaum wahrnehmbarer Termine (z.B. Wochenende um 12 Uhr oder die berüchtigten Montagsspiele) und die drastisch gesunkenen festen Einnahmen für die Vereine aus der Vermarktung der Übertragungsrechte im Vergleich zu den Vorjahren (nur noch 422 Euro pro Heimspiel im Vergleich zu 900 Euro pro Heimspiel in der Saison 2019/20).

In der Verlautbarung heißt es u.a.: „Zu einem konstruktiven Miteinander gehört für uns mitunter auch, bedenkliche Entwicklungen klar zu benennen und kritisch zu würdigen, bevor es zu spät ist und sich die verschiedenen Interessengruppen (Vereine, Fans, Verband/Ostsport.TV) zunehmend voneinander entfernt haben. Klare Worte und eine gemeinsame Lösungssuche – das scheint uns vor allem langfristig die beste Grundlage für eine gute Zusammenarbeit zu sein.

Ostsport.tv kann Aufregung nicht nachvollziehen

Vorstandsvorsitzender Frank Kühne dazu: „Wir begrüßen in diesem Zusammenhang, dass sowohl Ostsport.TV-Chef Heiko Mallwitz als auch Regionalliga-Spielleiter Wilfried Riemer bereits klargestellt haben, dass die Situation am ersten Spieltag mit Anstoßzeiten am Freitagabend sowie am Wochenende um 12, 13, 14 und 16 Uhr eine Ausnahme bleibe und nicht zur Regel werde. Wir werden dies genau beobachten, denn eine Anreise unserer Mannschaft am Vortag mit Übernachtung aufgrund eines 12 Uhr-Spieltermins etwa in Nordbrandenburg wäre für uns und viele andere Vereine finanziell nicht darstellbar. Spiele unter der Woche – auch dann, wenn sie erst zu späterer Stunde angesetzt sind – lehnen wir generell ab, da sie sowohl für unsere Amateurfußballer als auch für unsere Fans nur unter großen Schwierigkeiten oder gar nicht wahrnehmbar sind. Selbst eine tolle Flutlichtatmosphäre würde ihren Reiz verlieren, wenn unsere Fans diese nicht vor Ort genießen können oder unsere Mannschaft nicht in voller Stärke antreten kann.“

Heiko Mallwitz von Ostsport.tv kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Die Termine am Freitag, Samstag und Sonntag waren schon da, bevor wir eingestiegen sind. Mittwochstermine setzt der Verband an, es sind ja auch mehr Spiele in diesem Jahr zu absolvieren“. Die bisherigen Montagstermine seien ausschließlich deshalb zustande gekommen, weil die betroffenen Vereine ihre Spielstätten am Wochenende nicht nutzen konnten: „Das hatte mit uns nichts zu tun!“, beteuert Mallwitz, der nochmals betonte, wie sehr Ostsport.tv die Belange der Fans am Herzen liegen: „Wir haben tolle Einschaltquoten, viele Menschen sehen sich die Spiele an. Auch die Fülle an Übertragungen gab es noch nie. Ich glaube, allein Chemie haben wir von vier Spielen dreimal in voller Länge gezeigt“.

Kühne: "Nicht länger hinnehmbar“

Die Regionalliga Nordost nimmt insofern eine Sonderrolle unter den Regionalligen in Deutschland ein, als sie etliche Traditionsvereine aus der ehemaligen DDR-Oberliga mit großer Strahlkraft und zahlreichen Fans zu ihrem Teilnehmerfeld zählt. Folglich kämen den hiesigen Vereinen anstoßzeitbedingte Zuschauereinbußen wesentlich teurer zu stehen als in den anderen Regionalligastaffeln mit deutlich niedrigeren Zuschauerzahlen. Die an die Vereine ausgeschütteten, stark gesunkenen TV-Gelder würden solche Ausfälle nicht im Ansatz kompensieren. Zu den TV-Geldern kann Mallwitz nur feststellen, „dass wir mit Abstand das höchste Angebot für das Rechtepaket abgegeben haben. Weiterverteilt werden die Gelder vom NOFV.“


Mehr zu Chemie Leipzig

Chemie spricht sich für eine engere Zusammenarbeit und Vernetzung unter den Vereinen aus, um zukünftig stärker für die gemeinsamen Interessen eintreten zu können. Die fußballspielenden Vereine und ihre Fans seien maßgeblicher Bestandteil des „Gesamtprodukts Regionalliga“ und sollten folglich an der Gestaltung und Austarierung der Verträge über die Übertragungsrechte und Vermarktung im TV beteiligt sein. „Der Status quo, dass der NOFV im Alleingang über die Veräußerung der Rechte entscheidet, ist für uns nicht länger hinnehmbar“, so Frank Kühne.