09. September 2022 / 09:33 Uhr

Petric über die Lage des HSV, den "unglaublichen" Haaland und Geburtstagskind Modric: "Bin ein Fan"

Petric über die Lage des HSV, den "unglaublichen" Haaland und Geburtstagskind Modric: "Bin ein Fan"

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Mladen Petric spielte fünf Jahre in der Bundesliga. Im Interview spricht der Kroate über den HSV, Erling Haaland, Luka Modric und die WM.
Mladen Petric spielte fünf Jahre in der Bundesliga. Im Interview spricht der Kroate über den HSV, Erling Haaland, Luka Modric und die WM. © IMAGO (Montage)
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Schafft der Hamburger SV in dieser Saison den Aufstieg? "Sky"-Experte Mladen Petric wagt im SPORTBUZZER-Interview keine Prognose. Der ehemalige kroatische Profi des HSV blickt zudem auf die sportlichen Top-Themen der Premier League – und gratuliert seinem Ex-Mitspieler Luka Modric auf besondere Weise zum Geburtstag.

Mladen Petric spielte von 2007 bis 2012 in der Bundesliga – ein Jahr für Borussia Dortmund und vier Jahre für den Hamburger SV. Anschließend stand er beim FC Fulham unter Vertrag. Der aktuelle Sky-Premier-League-Experte spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Entwicklungen beim HSV vor dem Duell bei Holstein Kiel an diesem Freitag (18.30 Uhr, Sky), das erste Spiel des FC Chelsea ohne Thomas Tuchel bei Petrics Ex-Klub Fulham (Samstag, 13.30 Uhr, Sky) sowie den Kracher zwischen Manchester City und Tottenham (Samstag, 18.30 Uhr, Sky). Außerdem adelt der 45-malige kroatische Nationalstürmer seinen ehemaligen Mitspieler Luka Modric, der an diesem Freitag seinen 37. Geburtstag feiert.

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SPORTBUZZER: Herr Petric, der HSV hat das Nordduell bei Holstein Kiel vor der Brust. Ihr Ex-Verein ist im Sommer in der Relegation gescheitert und nimmt den fünften Anlauf, in die Bundesliga zurückzukehren. Schaffen es die Hamburger diesmal?

Mladen Petric (41): Sie hatten jede Saison die Möglichkeit, aber jedes Mal hat es aus verschiedenen Gründen wieder nicht gereicht. Am engsten war es vergangene Saison, wo es zumindest in die Relegation gegen Hertha ging. Der nächste Schritt wäre ja, dass sie es jetzt direkt schaffen (lacht). In diesem Jahr ist es aus meiner Sicht vielleicht noch ein bisschen einfacher.

"Der HSV darf nicht ewig in der 2. Liga abtauchen"

Muss der HSV aufsteigen, um nicht endgültig sowohl sportlich als auch finanziell den Anschluss an das Bundesliga-Niveau zu verlieren?

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Klar ist, dass der Druck wächst. Das gilt für Trainer Tim Walter und noch mehr für Sportchef Jonas Boldt, der schon deutlich länger im Amt ist. Der Verein hat einen großen Namen. Die Stadt ist riesig und damit sind große Ansprüche verbunden. Ewig darf der HSV nicht in der 2. Liga abtauchen. Es hat schon genug Kraft und gleichzeitig viel Geld gekostet. Es wird schwer, den Rückstand zu Bundesligisten wieder aufzuholen. Schalke und Bremen haben das vorerst verhindert, weil sie direkt aufgestiegen sind.

Blicken wir einmal weiter in die Premier League. Sie sind als Sky-Experte nah dran: Wie überraschend kam die Entlassung von Thomas Tuchel bei Chelsea für Sie?

Sehr überraschend. Ich glaube, dass kaum einer damit gerechnet hat. Natürlich ist der Saisonstart nicht optimal verlaufen, und auch die Niederlage gegen Zagreb in der Champions League ist etwas, was nicht passieren sollte. Statistisch gesehen gibt es zwischen Tuchels ersten 50 Spielen und letzten 50 Spielen kaum einen Unterschied beim Punkteschnitt. Aber bei all dem, was man so liest, kristallisiert sich heraus, dass die Entlassung nicht nur mit den sportlichen Ergebnissen zu tun hatte.

Chelsea trifft beim Debüt des neuen Trainers Graham Potter auf Fulham, einen weiteren Ihrer ehemaligen Klubs. Der Aufsteiger hat sich mit acht Punkten aus sechs Partien bislang gut in der Premier League präsentiert.

Mich interessieren die Spiele von Fulham noch sehr. Die Entwicklung gefällt mir richtig gut. Wie sie in dieser Saison auftreten, vermitteln sie den Eindruck, dass sie langsam zu fast vergessener Stärke finden. Zu meiner Zeit hatten sie das Ziel, zum „Best of the rest“ zu gehören, also sich hinter den sechs Spitzenvereinen zu etablieren. Diesen Weg traue ich ihnen zu. Sie haben Stabilität in der Mannschaft und mit Aleksandar Mitrovic einen Stürmer, der ein Tor nach dem anderen schießen und den Karren in schwierigen Spielen immer mal aus dem Dreck ziehen kann.

"Haaland bietet Guardiola eine neue Option"

Am Wochenende steht zudem das Topspiel in der Premier League an: Der aktuelle Zweite Manchester City mit Rekordmann Erling Haaland trifft auf den aktuellen Dritten Tottenham. Wie sind die Citizens in dieser Saison zu stoppen?

Wir haben in den ersten Spielen gesehen, dass Haaland keine Anlaufzeit gebraucht hat. Was er leistet, ist schon unglaublich, er stellt einen Rekord nach dem anderen auf. Aber es gab Spiele wie das 1:1 bei Aston Villa, da hat selbst Haaland nicht ausgereicht. Wenn sie einen guten Tag haben und ihr Top-Niveau erreichen, dann wird es aber verdammt schwer, sie zu schlagen. Es gibt nicht viele Mannschaften, die da mithalten können.

Ist es das fehlende Puzzleteil, dass City-Coach Pep Guardiola gefehlt hat, um die Champions League zu gewinnen?

Haaland bietet Guardiola eine neue Option. Manchester City hat die Gegner mit seinen Kombinationen um den Sechzehner schon fast erdrückt. Das machen sie immer noch, aber nun etwas variabler, weil sie einen Abnehmer vorne haben, der immer am richtigen Ort steht und mit seiner Wucht die Verteidiger einfach mal wegdrücken kann. Gerade in Top-Spielen wie gegen Tottenham oder eben in der Champions League kann Haaland entscheidende Akzente setzen.


Einer, bei dem es aktuell nicht rund läuft, ist Jürgen Klopp. Wie bewerten Sie die Situation beim FC Liverpool?

Es war überhaupt kein guter Start mit erst zwei Siegen. Wie sehr der zu Bayern gewechselte Sadio Mané wirklich fehlt, wird man in naher Zukunft sehen. Es fällt auf, dass sie nicht die Tiefe haben, die sie hatten, als Mané und Mo Salah auf dem Platz standen. Bei deren Tempo haben sich die Verteidiger oft aus Respekt ein bisschen zurückgezogen. Das sieht nun anders aus. Dennoch haben sie mit Darwin Núñez einen Top-Angreifer geholt. Ich bin mir sicher, dass sich die Mannschaft wieder fangen und sehr bald zu alter Stärke finden wird.

Petric über Modric: "Einfach ein super Typ"

Themenwechsel: Die WM steht bald an – und Kroatien geht als amtierender Finalist ins Rennen. Was erwarten Sie von Ihren Landsleuten?

Die Durchschlagskraft, die wir noch 2018 hatten, ist weg. Einige Spieler, die zurückgetreten sind, haben ein Loch hinterlassen, speziell in der Offensive sind wir nicht mehr so besetzt, wie wir das damals waren. Die aktuelle kroatische Mannschaft kann an guten Tagen trotzdem jedem Gegner gefährlich werden. Der Anspruch ist immer, dass wir mindestens die Gruppenphase überstehen. Das muss das oberste Ziel sein.

Sie haben von denjenigen geredet, die nicht mehr dabei sind. Es gibt aber einen, den Sie bestens kennen, der im kroatischen Team sowie bei Real Madrid beständig glänzt – und der an diesem Freitag schon 37 Jahre alt wird…

Sie meinen Luka Modric. Das ist wahrscheinlich der einzige Spieler, bei dem ich sagen kann, dass ich ein Fan von ihm bin, obwohl ich mit ihm zusammengespielt habe. Ich warte eigentlich nur auf den Moment, bis Luka einen Ball mit dem Außenrist spielt und der Ball als Boomerang wieder zurückkommt. (lacht) Im Ernst: Seine Technik, sein Spielwitz und das Auge, das er hat, wie er das Spiel liest – das ist das eine. Das andere, das viele oft nicht sehen, ist seine läuferische Leistung trotz seines hohen Fußballeralters. Es macht einfach Spaß, ihm zuzuschauen. Und das liegt daran, dass er selbst noch Riesenspaß am Spiel hat. Sonst würde er all das nicht mehr auf sich nehmen. Luka ist einfach ein super Typ.

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