01. Juni 2019 / 06:24 Uhr

Zäher Transfer-Poker und enormer Ehrgeiz: Entdecker erinnert sich an den Karrierestart von Liverpool-Star Mo Salah

Zäher Transfer-Poker und enormer Ehrgeiz: Entdecker erinnert sich an den Karrierestart von Liverpool-Star Mo Salah

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Dass Mohamed Salah beim FC Liverpool zum Weltstar wurde, hat der Ägypter auch seinem Entdecker Georg Heitz (r.) zu verdanken.
Dass Mohamed Salah beim FC Liverpool zum Weltstar wurde, hat der Ägypter auch seinem Entdecker Georg Heitz (r.) zu verdanken. © imago images / Action Plus / Geisser
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Aus Ägypten über die Schweiz ins Finale der Champions League. Vom Chancentod zu Europas Toptorjäger – der irre Weg des Mohamed Salah. Sein Entdecker Georg Heitz erinnert sich im Gespräch mit dem SPORTBUZZER an die Anfänge des Superstars in Europa.

Es war ein ungemütlicher Nachmittag an diesem 16. März 2012 am Basler Rankhof. Doch ein Mann erwärmte die wenigen Gemüter, die sich in das Amateurstadion des Schweizer Abo-Meisters FC Basel verirrt hatten. Er lief zwar nur in der zweiten Halbzeit für die ägyptische U23-Auswahl auf, erzielte beim 4:3-Sieg im Test aber zwei Tore und versetzte die beiden Bosse des Vorzeigeklubs, Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz, ins Staunen: „Was ist das denn?“, fragte Heitz seinen Sitznachbarn ob des Spielers mit dem Lockenkopf und dem Raketenantritt ungläubig. Die Antwort: Es war Mohamed Salah.

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Gut sieben Jahre später schauen beim größten Klub-Fußballspiel des Planeten nicht nur einige Hundert, sondern zig Millionen zu – und wieder steht Salah im Mittelpunkt, wenn der FC Liverpool und Tottenham Hotspur im Finale der Königsklasse in Madrid aufeinandertreffen. Heitz sitzt zu Hause vor dem Fernseher und macht keinen Hehl daraus, dass seine Sympathien den „Reds“ gehören. Logisch, denn mit Xherdan Shaqiri und eben Salah stehen zwei Profis im Kader von Trainer Jürgen Klopp, die er einst entdeckte. Nach dem besagten Testspiel blieb Salah direkt in Basel, um ein einwöchiges Probetraining zu absolvieren.

Zähes Ringen um erstes Europa-Engagement von Salah

Er sprach damals kein Wort Englisch oder Deutsch, überzeugte aber so sehr, dass ihn der Klub unbedingt verpflichten wollte. Nach vielen intensiven Gesprächen waren sich die Vereine einig, sodass Heitz an Ostern nur noch nach Kairo jetten musste, um die Verträge zu unterschreiben. „Vor Ort stellte sich dann heraus, dass die Verhandlungen praktisch bei null beginnen mussten“, erinnert sich der damalige Sportchef. Die Verantwortlichen der Al Arab Contractors hatten inzwischen noch weitere Angebote für ihr Juwel vorliegen und drückten den Preis in die Höhe. Nach über acht Stunden ging der Deal dann doch noch über die Bühne.

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Salah unterschrieb einen Vierjahresvertrag und wechselte für rund zwei Millionen Euro in die Schweiz – heute liegt sein Marktwert bei 150 Millionen Euro! „Wer behauptet, dass diese Entwicklung absehbar war, erzählt Unsinn“, sagt Heitz ehrlich. „Natürlich hatte Mo überragende Fähigkeiten, aber wie so viele schnelle Spieler beispielsweise oft Konzentrationsschwierigkeiten im Abschluss.“ Tatsächlich lief der Ägypter gefühlt in jedem Spiel mehrere Male alleine aufs Tor, schloss aber viel zu selten erfolgreich ab.

Heitz: "Sein Ehrgeiz war riesig"

Heitz: „Aber sein Ehrgeiz war riesig. Mo arbeitete mehr als andere, auf und neben dem Platz.“ Nach einem halben Jahr sprach er fließend Englisch, hatte sich voll integriert – und war dennoch unzufrieden. „Immer, wenn er mal auf der Bank saß, bat er mich danach direkt um ein Gespräch über seine Situation“, lacht Heitz. „Das war bezeichnend. Er war nie zufrieden, wollte immer mehr.“ Im diesjährigen Champions-League-Halbfinale fehlte Salah bei der sensationellen Wende gegen den FC Barcelona, als Liverpool das 0:3 aus dem Hinspiel noch drehte und mit 4:0 gewann. Er saß verletzt auf der Tribüne und trug ein Shirt mit dem Spruch: „Never give up – gib niemals auf“ trug. Ein Motto, dass ihn durch seine Karriere begleitete.

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Salah schoss Basel zu zwei Meistertiteln und in die Champions League, wurde Schweizer Fußballer des Jahres – und wechselte nach nur 18 Monaten für 16,5 Millionen Euro zum FC Chelsea. Auch dort lief längst nicht alles glatt. In der ersten Saison kam er nur auf zehn Einsätze, im Jahr darauf wurde er von Trainer José Mourinho kaum noch berücksichtigt und ging den Umweg über die Serie A. Nach einem halben Jahr Leihe zum AC Florenz landete er bei der AS Roma, wo er in 69 Spielen 29 Treffer erzielte – es war der Durchbruch.


Klopp holte Salah zum FC Liverpool

Auch Heitz verfolgte die Karriere seines Zöglings natürlich aufmerksam. „Man erlebt ja im Laufe der Jahre viele Spieler, die extremes Talent haben, aber sich irgendwann zufrieden geben. Mo war immer schon anders – ihm reichte es nicht, der beste Spieler Ägyptens zu sein. Er wollte der Beste der Welt werden. Er ist einer der wenigen, der sein Potenzial voll ausschöpft.“ Diese Einstellung passt wohl zu keinem Trainer besser, als zu Jürgen Klopp, der Salah 2017 für 42 Millionen Euro an die Anfield Road holte.

Seitdem wurde der Nordafrikaner zweimal Liverpools Spieler des Jahres, Englands Fußballer des Jahres, Afrikas Fußballer des Jahres und holte sich in den letzten beiden Saison die Torschützenkrone in der Premier League – mit 32 und 22 Treffern. Bei der Wahl zum Weltfußballer 2018 landete er auf Platz 3. Schießt der 26-jährige den FC Liverpool am Samstag zum Titel, ist er Topfavorit auf den Ballon d´or 2019. Und endlich am großen Ziel seiner Träume.

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