07. April 2020 / 09:19 Uhr

Moderne Arenen hier, baufällige Schmuckstücke da: Sachsens Fußball-Stadien im Wandel

Moderne Arenen hier, baufällige Schmuckstücke da: Sachsens Fußball-Stadien im Wandel

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Sachsens Stadien befinden sich seit Jahrzehnten in einem permanenten Wandel.
Sachsens Stadien befinden sich seit Jahrzehnten in einem permanenten Wandel. © Archiv / Montage
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Von Dresden über Leipzig bis Chemnitz und Zwickau sind viele Sportstätten inzwischen zu modernen Fußball-Arenen geworden. Viel zu tun bleibt dennoch. In den kommenden Jahren soll es auch in Probstheida und Leutzsch endlich vorangehen. Der SPORTBUZZER wird ab sofort in loser Folge die größeren Stadien Sachsens mit ihrer Historie vorstellen.

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Leipzig. Die Veränderungen in den mitteldeutschen und vor allem sächsischen Stadien in den drei Jahrzehnten seit der Wende sind beachtlich. Es ist in großen Teilen eine Erfolgsgeschichte. In Leipzig ragt die Wandlung des Zentralstadions in eine moderne WM-Arena heraus.

Die Idee, in den Wall des einst größten Stadion Deutschlands ein Fußballstadion einzupflanzen, ist ein Glücksfall und brachte der Messestadt nach der WM 2006 auch Bundesliga und Champions League. Ohne die Arena hätte Red Bull sicher nicht in Leipzig investiert. Der Rückgang des Fassungsvermögens von 100 .000 auf 43. 000 ist bislang verkraftbar, zumal die Arena ja schon wieder modernisiert wird.

Blick zurück: Der Bau des Leipziger Zentralstadions

Am 15. April 1955 begannen die Bauarbeiten, am 4. August 1956 wurde es eröffnet. Das Zentralstadion in Leipzig wurde auch als Stadion der Hunderttausend bekannt. Bis zu seinem Abriss im Jahr 2000 sah es zahlreiche hochklassige Fußballpartien und Sportveranstaltungen. Zur Galerie
Am 15. April 1955 begannen die Bauarbeiten, am 4. August 1956 wurde es eröffnet. Das Zentralstadion in Leipzig wurde auch als Stadion der Hunderttausend bekannt. Bis zu seinem Abriss im Jahr 2000 sah es zahlreiche hochklassige Fußballpartien und Sportveranstaltungen. © LVZ Archiv

Mehr Komfort im Erzgebirge

In Dresden mussten die Fans länger warten. 2009 war das Rudolf-Harbig-Stadion an alter Stelle fertig. Der nun reine Fußballtempel der Schwarz-Gelben Dynamos fasst gut 30 .000 (vorher 38.000) Zuschauer. Ob das angesichts der Fußballbegeisterung in Elbflorenz reicht, falls Dynamo die Rückkehr in die Bundesliga gelingen sollte, sei dahingestellt. Momentan besteht „keine Gefahr“.

Auch Erzgebirge Aue machte Nägel mit Köpfen, was angesichts der nicht mal 20. 000 Einwohner umso mehr erstaunt, auch wenn der Bauträger der Landkreis war. Nach der von 2015 bis 2018 vollzogenen Umwandlung in ein Fußballstadion passen gut 16.000 ins einst für 25.000 gebaute Erzgebirgsstadion, das 1950 unter dem Namen „Otto Grotewohl“ eingeweiht worden war. Heute haben die Fans mehr Komfort.

DURCHKLICKEN: 2016 - Rundgang durch das im Bau befindliche Auer Stadion

Derzeit ist das Erzgebirgsstadion eine große Baustelle. Das wird auch bis Ende 2017 noch so bleiben. Dann soll die neue Arena stehen. Zur Galerie
Derzeit ist das Erzgebirgsstadion eine große Baustelle. Das wird auch bis Ende 2017 noch so bleiben. Dann soll die neue Arena stehen. © Dirk Knofe

In Liga Drei fortan ohne Laufbahn

Etwas kleiner ist das Stadion an der Gellertstraße in Chemnitz. Der Drittligist kann seit 2016 15. 000 Besucher empfangen, was in der 3. Liga für den CFC reicht, auch wenn Chemnitz rund 250.000 Einwohner zählt. Ähnlich ist es beim Halleschen FC. Der Erdgas-Sportpark gleicht dem Chemnitzer Stadion, nur dass in Halle (240 .000 Einwohner) die historische Ummauerung vom alten Kurt-Wabbel-Stadion (32. 000) erhalten blieb.

Zurück nach Sachsen. In Zwickau wurde das Westsachsenstadion alias Georgi-Dimitroff-Stadion (einst für 40.000 mit Lauf- und Radrennbahn) an anderer Stelle durch den Neubau einer 10.000 Fans fassenden Fußballarena ersetzt. Für Drittligist FSV ist die GGZ-Arena ausreichend, im Fall der Fälle aber noch erweiterbar.

DURCHKLICKEN: Erinnerungen an 10 Jahre Stadiongeschichte

<b>1. Das Eröffnungsspiel am 15. September 2009 gegen Schalke 04:</b>
Die Vorfreude ist riesig, als die Fans am 15. September 2009 in die neue Arena an der Lennéstraße strömen. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit wird der neue Fußball-Tempel am Großen Garten mit einem Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten Schalke 04 offiziell eröffnet. 32.000 Fans kommen und pfeifen Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) gnadenlos aus, als sie um 19 Uhr ihre Grußworte sprechen will. Sie wird dafür abgestraft, dass Stadträte ihrer Partei und auch einer ihrer Amtsvorgänger den Stadionneubau über Jahre verschleppt und so WM-Spiele 2006 in Dresden verhindert haben. Jetzt sind aber auch CDU-Politiker froh, dass das Stadion steht. „Der Fußball in Dresden erhält eine prächtige Heimstätte“, erklärt Sachsens Justizminister Geert Mackenroth. Dynamo-Präsident Hauke Haensel, auch CDU-Mitglied, dankt allen am Bau Beteiligten, aber auch Schalke, das ohne Antrittsgage gekommen ist. Kevin Kuranyi (27.) und Ivan Rakitic (54.) zeigen sich weniger gastfreundlich, bringen den Favoriten mit 2:0 in Führung. Maik Wagefeld lässt die trotzdem feiernden Dresdner Fans aber auch noch einmal Torjubel zelebrieren. Der Kapitän der Schwarz-Gelben, die diesmal in Schwarz spielen, versenkt in der 83. Minute noch einen Elfmeter für die Elf von Trainer Ruud Kaiser. Die Atmosphäre ist trotz der 1:2-Niederlage prächtig, Bengalfackeln und eine Lasershow der Extraklasse sorgen für unvergessliche Momente. Roland Kaiser singt seine Hits, Dresdens Fußballfans sind berauscht von einer glanzvollen Nacht. <b>Im Foto:</b> Die Mannschaften laufen vor einer tollen Choreographie ins fertige Stadion ein. Zur Galerie
1. Das Eröffnungsspiel am 15. September 2009 gegen Schalke 04: Die Vorfreude ist riesig, als die Fans am 15. September 2009 in die neue Arena an der Lennéstraße strömen. Nach knapp zwei Jahren Bauzeit wird der neue Fußball-Tempel am Großen Garten mit einem Freundschaftsspiel gegen den Bundesligisten Schalke 04 offiziell eröffnet. 32.000 Fans kommen und pfeifen Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) gnadenlos aus, als sie um 19 Uhr ihre Grußworte sprechen will. Sie wird dafür abgestraft, dass Stadträte ihrer Partei und auch einer ihrer Amtsvorgänger den Stadionneubau über Jahre verschleppt und so WM-Spiele 2006 in Dresden verhindert haben. Jetzt sind aber auch CDU-Politiker froh, dass das Stadion steht. „Der Fußball in Dresden erhält eine prächtige Heimstätte“, erklärt Sachsens Justizminister Geert Mackenroth. Dynamo-Präsident Hauke Haensel, auch CDU-Mitglied, dankt allen am Bau Beteiligten, aber auch Schalke, das ohne Antrittsgage gekommen ist. Kevin Kuranyi (27.) und Ivan Rakitic (54.) zeigen sich weniger gastfreundlich, bringen den Favoriten mit 2:0 in Führung. Maik Wagefeld lässt die trotzdem feiernden Dresdner Fans aber auch noch einmal Torjubel zelebrieren. Der Kapitän der Schwarz-Gelben, die diesmal in Schwarz spielen, versenkt in der 83. Minute noch einen Elfmeter für die Elf von Trainer Ruud Kaiser. Die Atmosphäre ist trotz der 1:2-Niederlage prächtig, Bengalfackeln und eine Lasershow der Extraklasse sorgen für unvergessliche Momente. Roland Kaiser singt seine Hits, Dresdens Fußballfans sind berauscht von einer glanzvollen Nacht. Im Foto: Die Mannschaften laufen vor einer tollen Choreographie ins fertige Stadion ein. ©

Historische Stätten in und um Leipzig

Auch Mittel- und Kleinstädte haben ihre Sportstätten in den 30 Jahren seit der Wende zum beträchtlichen Teil modernisieren können. So ist beispielsweise das Plauener Vogtlandstadion heute (10.000) weit zeitgemäßer ausgestattet als einst (20.000), ebenso das Stadion Müllerwiese in Bautzen, wo 1966 gut 15 .000 Fans den Pokaltriumph von Chemie Leipzig erlebten. Heute fasst das schön gelegene Stadion nur noch 5000 Besucher, ist aber weit komfortabler, Flutlicht inbegriffen.

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Auch in Leipzigs Umland gibt es Beispiele für solche Erfolgsgeschichten. So wie das Stadion am Bad in Markranstädt, das 5500 Leuten Platz bietet. Hier begann 2009 der Weg von RB Leipzig. Das Bornaer Rudolf-Harbig-Stadion kann sich ebenso sehen lassen wie das Tauchaer Freizeitzentrum an der Kriekauer Straße (je 4000). Torgau hat mit dem Hafenstadion (3500) und dem Hartenfelsstadion (3000) wie Döbeln mit dem Heinz-Gruner-Sportpark und dem Stadion am Bürgergarten (je knapp 5000) gleich zwei aufgepeppte Sportstätten.

DURCHKLICKEN: Rundgang durch den Alfred-Kunze-Sportpark

Es gibt viel zu tun im Alfred-Kunze-Sportpark. Die Stadt Leipzig will mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket für den Erhalt der traditionsreichen Spielstätte der BSG Chemie Leipzig sorgen. Zur Galerie
Es gibt viel zu tun im Alfred-Kunze-Sportpark. Die Stadt Leipzig will mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket für den Erhalt der traditionsreichen Spielstätte der BSG Chemie Leipzig sorgen. © André Kempner

In Leipzig gibt es mit dem Bruno-Plache-Stadion, dem Alfred-Kunze-Sportpark, dem Stadion des Friedens und der Radrennbahn gravierende Probleme. Immerhin sind die Regionalligisten 1. FC Lok und BSG Chemie nun aber in der Spur – in Probstheida und Leutzsch soll auch mit Hilfe der öffentlichen Hand Versäumtes aufgeholt werden.

Der SPORTBUZZER wird in loser Folge die größeren Stadien Sachsens mit ihrer Historie vorstellen. In der Zwangspause können wir nicht aus den Stadien, jedoch über diese Arenen berichten.