10. Juni 2021 / 18:31 Uhr

Vorsitzender, Trainer und jetzt Umzugshelfer: Mohammed Rezzoug lebt den 1. FC Wolfsburg

Vorsitzender, Trainer und jetzt Umzugshelfer: Mohammed Rezzoug lebt den 1. FC Wolfsburg

Henning Kampen
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Mohammed Rezzoug an der neuen Spielstätte des 1. FC Wolfsburg.
Mohammed Rezzoug an der neuen Spielstätte des 1. FC Wolfsburg. © Roland Hermstein
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70 Jahre lang war das Porschestadion die Heimspielstätte des 1. FC Wolfsburg. Am 1. Juli startet am Laagberg ein neues Kapitel in der Vereinshistorie. Beim Umzug mittendrin: der Vorsitzende Mohammed Rezzoug, der zugleich Bezirksliga- sowie Jugend-Trainer ist.

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Nach 70 Jahren verlässt der 1. FC Wolfsburg das Porschestadion und bezieht am 1. Juli offiziell das neue Trainingsgelände am Laagberg. Für den Verein steht damit eine aufregende Zeit an, für Mohammed Rezzoug eine weitere Aufgabe. Neben den Ämtern als Vorsitzender sowie Trainer der Herren- und D-Jugend-Mannschaft wird er nun auch noch zum Umzugshelfer. „Was im Hintergrund läuft, das bekommen die wenigsten mit. Dahinter steckt eine Menge Arbeit“, sagt Rezzoug. Aber: „Ich mache das total gerne und mein oberstes Ziel ist es, den Verein damit glücklich zu machen.“ Viel Arbeit, die laut Rezzoug nicht ohne die Unterstützung seiner „wundervollen Frau“ möglich wäre: „Ohne sie würde es nicht funktionieren. Sie stärkt mir den Rücken.“

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Seit 11 Jahren im Verein – Zeit für sich gibt es nur selten

Gespräche mit der Stadt Wolfsburg über die Rahmenbedingen für den Umzug, der Austausch mit Sponsoren oder auch mit den eigenen Mitgliedern – Rezzougs Telefon steht selten still. Zudem wechselt er an sechs Tagen in der Woche zwischen alter und neuer Anlage sowie der Funktion des Vorsitzenden und des Trainers. Im Porschestadion hält er die Trainingseinheiten mit den Bezirksliga-Herren sowie der D-Jugend ab, am Laagberg sieht er nach dem Rechten, was noch repariert oder erneuert werden muss, und zeigt potenziellen Sponsoren das Gelände. „Ich bin es schon seit Jahren gewohnt, Dinge selbst in die Hand zu nehmen“, sagt Rezzoug, der dem Verein seit elf Jahren angehört. Als Stress empfindet er den zusätzlichen Aufwand deshalb nicht. „Ich würde gern mal wissen, wie es ist, wenn ich mal mehr Zeit für mich habe. Das wäre eine neue Erfahrung für mich“, sagt er mit einem Lachen.

An der Seitenlinie oder Abseits des Platzes: Mohammed Rezzoug zeigt vollen Einsatz.
An der Seitenlinie oder Abseits des Platzes: Mohammed Rezzoug zeigt vollen Einsatz. © Britta Schulze

Obwohl es für Rezzoug selbstverständlich ist, sich für seinen 1. FC einzusetzen, fiebert er dem 1. Juli entgegen, an dem seine Aufgabe als Umzugshelfer offiziell beendet ist. „Ich bin froh, wenn jeder Trainer seine Trainingszeiten und den Schlüssel für die Anlage ausgehändigt bekommt.“

Der Abschied bedeutet mehr Freiheit für den 1. FC Wolfsburg

Der 1. FC hatte den Umzug nicht ganz freiwillig vorangetrieben, der VfL Wolfsburg möchte als Eigentümer der Anlage sein Nachwuchsleistungszentrum ausbauen, deshalb wurde Rezzoug von der Stadt gefragt, ob er sich eine Veränderung vorstellen könne. Auch wenn einige traurig über die Standort-Veränderung nach 70 Jahren sind, hält Rezzoug es für die einzig richtige Entscheidung. Keine vereinsübergreifenden Absprachen mehr aufgrund der Trainingszeiten, freie Gestaltung auf dem eigenen Gelände, Platz für mehr Mannschaften. Rezzoug: „Für die Entwicklung des Vereins konnte uns nichts Besseres passieren.“

Ein zufriedener Rezzoug am neuen Arbeitsplatz am Laagberg.
Ein zufriedener Rezzoug am neuen Arbeitsplatz am Laagberg. © Roland Hermstein

Schon vor dem Einzug in die neue Sportanlage am Laagberg kann der 1. FC die ersten Fortschritte verzeichnen. Neben den Bezirksliga-Herren und Landesliga-Damen sowie der D-Jugend wird es ab der kommenden Saison auch eine G- und eine F-Jugend geben. Solche Überlegungen hatte es im Verein schon vorher gegeben, aufgrund der Einschränkungen auf der alten Anlage konnten sie jedoch nie umgesetzt werden. Rezzoug ist besonders erfreut darüber, dass er dafür noch nicht einmal die Werbetrommel rühren musste. „Die Eltern der Kinder sind von selbst auf uns zugekommen, dabei sind wir noch gar nicht auf der neuen Anlage.“

Die 70 Jahre im Porschestadion enden und gehören bald nur noch zur Vereins-Historie des 1. FC, die gewünschte Weiterentwicklung hat bereits vor dem 1. Juli eingesetzt. Oder, wie Rezzoug es nennt: „Irgendwann endet ein Kapitel und ein neues beginnt. Wenn das eine schöne Zukunft vorsieht, warum dann nicht die Buchseite umblättern?“