12. Oktober 2021 / 09:27 Uhr

Monarchs-Präsident Glöckner stolz: "Mit Ruhe und Kraft haben die Jungs das Ding gezogen"

Monarchs-Präsident Glöckner stolz: "Mit Ruhe und Kraft haben die Jungs das Ding gezogen"

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Sören Glöckner hat den Verein als Präsident mit aufgebaut.
Sören Glöckner hat den Verein als Präsident mit aufgebaut. © Jochen Leimert
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Sören Glöckner, der Präsident der Monarchs, spricht im SPORTBUZZER-Interview über den ersten Meistertitel der Dresdner Footballer, die Siegermentalität des Teams und neue Ziele.

Dresden. Seit 1995 ist er Vereinsmitglied, seit 1998 Vereinspräsident: Der Bauingenieur Sören Glöckner hat die Entwicklung der Dresden Monarchs zu einem der Top-Vereine im American Football in Deutschland maßgeblich mit vorangetrieben. Es ist auch zu einem großen Stück sein Verdienst, dass die „Königlichen“ nun erstmals Deutscher Meister geworden sind. Nach dem 28:19-Sieg im German Bowl über die Schwäbisch Hall Unicorns genießt der 54-Jährige den Moment der Freude, er denkt aber auch schon an die nächsten Ziele.

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SPORTBUZZER: Herzlichen Glückwunsch zum ersten Meistertitel! Haben Sie in den ersten Nächten noch vom Triumph am Samstagabend geträumt oder konnten Sie mal abschalten?

Sören Glöckner: Ich habe wilde Sachen geträumt. Ich weiß nur noch, dass es irgendwie konfus war, der German Bowl kam aber mit darin vor. Die erste Nacht war eh ganz kurz. Wir haben noch mit der Mannschaft in Frankfurt gefeiert, dann habe ich dort geschlafen. Um 10 Uhr sind wir zurückgefahren.

Die Dresden Monarchs feiern in Frankfurt am Main ausgelassen ihren Sieg im German Bowl.
Die Dresden Monarchs feiern in Frankfurt am Main ausgelassen ihren Sieg im German Bowl. © rscp/FRANK HEINEN

Was hat Sie an Ihrer Truppe am meisten beeindruckt?

Die Geschlossenheit und ihr Selbstbewusstsein. Das muss man so auf den Punkt bringen. In den Wochen vor dem Spiel und direkt davor hat niemand ansatzweise Zweifel gehegt, dass das nicht funktionieren könnte. Mit Ruhe und Kraft haben die Jungs das Ding gezogen.

Woher hat die Mannschaft das Selbstbewusstsein hergenommen – aus der nahezu perfekten Saison? Die Unicorns waren schließlich auch der Dresdner Angstgegner schlechthin...


Wir hatten eine große Tiefe im Kader, auch keine Schwachstellen. Das ganze Team war und ist toll. Wir hatten eine superstarke Offense Line, jeder konnte sich darauf verlassen, dass der Quarterback gute Entscheidungen trifft. Wir haben im Angriff viele unterschiedliche Möglichkeiten gehabt. Da war klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, dass sie auch zünden.

Die Monarchs sind besser aus der Corona-Pause gekommen als viele ihrer Konkurrenten. Was haben sie anders, was haben sie besser gemacht?

Wir haben auch letztes Jahr voll trainiert, hatten durch das eine Freundschaftsspiel gegen Breslau auch ein Ziel, auf das man hinarbeiten konnte. Ansonsten hatten wir die Möglichkeit, mit unseren anderen Mannschaften Spiele zu spielen. So war alles in Bewegung. Ich glaube, das war der Hauptgrund. Wenn man ein Jahr ganz ohne Wettbewerb ist, dann ist es schwer, sich auch so lange motiviert zu halten. Eine andere Erklärung habe ich nicht.

Das Finale am Sonnabend war spannend. Vor der Halbzeitpause hat Ihre Mannschaft gute Möglichkeiten kurz vor der Endzone ausgelassen. Trotzdem wirkten Sie im Halbzeit-Interview nicht nervös. Was ging Ihnen da durch den Kopf?

Interessanterweise war ich ruhig. In den vorangegangenen Jahren hätte ich damit gehadert, was man dort hat liegen lassen. Ich habe mich gewundert, als unser Runningback den Ball verloren hat. Wir haben uns eigentlich immer Stück für Stück vorgearbeitet, aber er wollte da mit aller Macht rein. Er ist ein viel zu großes Risiko eingegangen. Das haben sie nur gemacht, weil sie wussten, dass sie später – wenn es drauf ankommt – mit weniger Risiko, aber mehr Kraftaufwand spielen müssen. Sie wollten unbedingt mit 21:6 in die Halbzeit gehen. Diese Brechstange, die sie da benutzt haben, hat gegen so einen Gegner, wie es die Unicorns sind, nicht funktioniert. Schwäbisch Hall hat eine superstarke Defense. Gegen so eine starke Defense hatten wir dieses Jahr noch nicht gespielt. Deren Abwehr war ein neues Level für uns. Es war schon beeindruckend, wie Schwäbisch Hall gegen unsere starke Offense stand, wie sie uns getackelt haben.

Am Dienstagabend wird zu Hause noch einmal gefeiert, da wird das neue Vereinsheim der ersten großen Belastungsprobe unterzogen, oder?

Ja, genau. Unser Oberbürgermeister, der mit in Frankfurt war, hat uns versprochen, zwei Fässer Bier zu spendieren. Es wird also reichlich zu trinken geben. Die Mannschaft wird da sein, wir werden gesellig beisammen sein, die einzelnen Spieler ehren. Dann werden wir gemeinsam mit den Fans einfach die Saison ausklingen lassen, fröhlich und glücklich sein, etwas trinken. Wer dabei sein will, muss sich aber an 3G halten.

Sie sind eine gefühlte Ewigkeit schon im Verein, erst als Spieler, dann als Präsident. Sie haben den Verein mit aufgebaut. Was macht für Sie die Faszination Football aus und was die Monarchs zu einer zweiten Familie?

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Ja, bei der Zeit, die man da investiert, sind sie schon etwas wie eine kleine, zweite Familie. American Football ist eine Sportart, die einen begeistert oder eben nicht. Bei mir war es Begeisterung von Anfang an, als ich es testweise zum ersten Mal gespielt habe. Die Sportart ist so vielseitig, da kann man mit den unterschiedlichsten Talenten auf den verschiedenen Positionen auch gebraucht werden. Das ist nicht so limitierend wie bei anderen Sportarten. Die Spielidee, die komplexen Spielzüge, die Art, mit dem Gegner zu arbeiten – das ist etwas, das Spaß macht, wo alle Spieler harmonisch miteinander agieren müssen, damit es überhaupt funktioniert. Da kann man sich keine Schwachstelle erlauben. Das ist viel ausgeprägter als in anderen Mannschaftssportarten, obwohl die auch von Taktik und Strategie geprägt sind. Aber so komplex wie beim Football ist das nirgends zu finden. Dazu kommt noch die körperliche Gewalt, die muss man natürlich mögen.

Jetzt ist das große Ziel, der Gewinn des German Bowls, erreicht. Müssen Sie jetzt erst einmal überlegen: Was kommt denn nun? Oder gibt es schon genug Ideen?

Wir haben sehr viele Ideen, da geht uns nichts aus. Wir wollen weiter an unserem Football-Campus arbeiten, planen, den zu erweitern. Wir wollen noch eine Sporthalle und einen Kunstrasen dort hinsetzen. Unser Verein soll weiter wachsen und die Marke von 1000 Mitgliedern durchbrechen, damit kurzfristig ein Großsportverein werden. Natürlich wollen wir gern unseren Titel verteidigen – also Arbeit und Entwicklungspotenzial gibt es genug. Da sind wir alle gefordert. Mit unserem Geschäftsführer Jörg Dreßler, der das Fundament für den Erfolg gelegt, dafür gesorgt hat, dass die Organisation und der sportliche Ehrgeiz auf dem richtigen Level sind, ist es eine tolle Teamarbeit. Wir sind ihm sehr dankbar, was er geleistet hat und leistet.

2022 werden die Dresden Monarchs nach vielen Jahren wieder an der Bärnsdorfer Straße spielen, weil das Heinz-Steyer-Stadion umgebaut wird. Was muss bis zum Saisonstart an der alten Radrennbahn noch geschehen?

Vor allen Dingen brauchen wir Sitzmöglichkeiten für unsere Zuschauer. Da haben wir im Moment nur ein paar alte Sitzbänke von früher. Wir wollen daher auf einer Seite, auf der Westseite, etwa 1000 Sitzplätze schaffen, damit wir nicht nur Stehplätze anbieten können. Da sind wir seit vielen Wochen mit der Stadt und dem Architekten dabei, Pläne zu schmieden. Es gab mehrere Varianten, wir haben uns jetzt aber auf eine geeinigt. Der Architekt ist gerade dabei, die Planungsunterlagen aufzuarbeiten und aufzubereiten. Mit der Stadt haben wir schon die Zeitschiene besprochen, wann ausgeschrieben werden, wann Baubeginn sein soll, damit wir spätestens Ende April fertig sind. Wenn die Stadt die Finanzierung hinbekommt – das ist die größte Herausforderung im Moment –, sollte zum ersten Ligaspiel alles fertig sein. Ansonsten werden wir mit mobilen Toiletteneinheiten arbeiten müssen. Natürlich wäre es perfekt gewesen, den Deutschen Meister im neuen Steyer-Stadion anfangen zu lassen, aber das Timing war da nicht optimal.