14. März 2019 / 19:26 Uhr

Montagspiele: Hansa Rostock legt sich mit DFB an

Montagspiele: Hansa Rostock legt sich mit DFB an

Sönke Fröbe
Hansa-Fans auf der Tribüne des Ostseestadions
Hansa-Fans auf der Tribüne des Ostseestadions © Lutz Bongarts
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Beim Heimspiel gegen den Tabellendritten wird es Protestaktionen und einen Stimmungsboykott der Fans geben. Hansa Rostock ist der einzige der 20 Fußball-Drittligisten, der sich offen gegen den ungeliebten Termin ausspricht – auch aus wirtschaftlichen Gründen.

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Der FC Hansa geht auf Konfrontationskurs mit dem DFB. Als einziger der 20 Fußball-Drittligisten positioniert sich der Klub offen gegen Montagspiele in der dritthöchsten Spielklasse. Beim Ostduell gegen den Tabellendritten Hallescher FC wird es am Montag Protestaktionen und einen Stimmungsboykott der organisierten Fanszene im Ostseestadion geben. „70 bis 80 Prozent unser Mitglieder und Fans lehnen Montagspiele ab. Mit den Möglichkeiten die wir haben, wollen wir dagegen protestieren“, sagt Hansa-Chef Robert Marien, der zudem wirtschaftliche Faktoren für die Ablehnung ins Feld führt.

Große Einnahmeverluste bei Montagsspielen

„Montagspiele kosten uns richtig Geld“, sagt der 38-Jährige. Die Einnahmeverluste seien durch die Erlöse aus dem TV-Vertrag (823 000 Euro pro Saison) nicht zu kompensieren. Der Vorverkauf für das Halle-Spiel laufe „wirklich schlecht“, klagt der Klubchef, der beim Duell Sechster gegen Dritter nur etwa 10 000 Zuschauer erwartet. Zumal die organisierte Fanszene des HFC zum Boykott der Partie aufgerufen hat. „Normalerweise bringt Halle 1000 Fans mit, auch diese Einnahmen fehlen uns“, so Marien.

Das waren die teuersten Zugänge in der Vereinsgeschichte des FC Hansa Rostock

Platz 1: Rade Prica steht an der Spitze des Rankings: 2002 holte der FC Hansa den Stürmer für 2,2 Millionen Euro vom ehemaligen schwedeischen Erstligisten Helsingborgs IF. Er ist der teuerste Transfer der Rostocker Vereinsgeschichte. Zur Galerie
Platz 1: Rade Prica steht an der Spitze des Rankings: 2002 holte der FC Hansa den Stürmer für 2,2 Millionen Euro vom ehemaligen schwedeischen Erstligisten Helsingborgs IF. Er ist der teuerste Transfer der Rostocker Vereinsgeschichte. ©
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Es ist das zweite Montag-Heimspiel für Hansa in dieser Saison. Beim ersten gegen Osnabrück habe man ebenfalls empfindliche Einbußen hinnehmen müssen. Das Gastspiel des Tabellenführers wollten Anfang Dezember nur 12 500 Zuschauer sehen – rund 3000 weniger als erwartet. „So ein Spiel kostet uns 40 000 bis 50 000 Euro allein an Zuschauereinnahmen“, sagt Marien. Hinzu kämen die niedrigeren Erlöse bei Catering und Merchandising.

Fans scheuen weite Anreisewege an Montagen

Grund für den geringeren Zuspruch am Montag seien die weiten Anreisewege für viele Fans. „Wir sind ein Flächenland, das ist ein Riesenproblem für uns. Wenn jemand von Rügen nach Rostock kommt, braucht er vier Stunden nur für die An- und Abreise“, sagt Marien. Das sei an einem Montag nicht zumutbar. Das Gros der Fans kommt von (weit) außerhalb, aus Rostock und dem Landkreis reisen weniger als 50 Prozent zu den Heimspielen an.

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Der Protest gegen den Montagtermin sei nicht nur ein Thema der Ultras, sondern komme aus allen Fan-Bereichen, hebt der Vorstandschef hervor. So sei die Auslastung des Familienblocks beim letzten Montagspiel (Anstoßzeit 19 Uhr) von 98 auf 43 Prozent eingebrochen, gegen Halle kommen wohl noch weniger Familien ins Stadion. „Wir sind ein Verein, der auch seine kleinsten Mitglieder und Fans mitnehmen möchte“, sagt Marien.

Fans mit kreativen Protest-Bannern

Unter dem Motto „Unser Protest im Ostseestadion“ hatte Hansa deshalb dazu aufgerufen, Sprüche gegen Montagspiele einzusenden. Die besten 15 („Vorwärts immer, montags nimmer“, „Montags ist schon die gelbe Tonne“, „Montag ist Schontag!“) werden auf Tapeten geschrieben und beim Halle-Spiel auf den Tribünen hochgehalten. Die Ultras auf der Südtribüne haben eigene Aktionen und einen Stimmungsboykott angekündigt. „Ich finde das gut, weil etwas dahintersteht, das die Fans nicht einfach in Kauf nehmen wollen. Deshalb unterstützen wir das als Verein“, erklärt Marien, der sich einen ähnlichen Effekt wie in der 1. und 2. Bundesliga erhofft. Dort werden die Montagspiele nach Fanprotesten in der Saison 2020/21 gestrichen.

Im Zuge dieser Reform hatte der DFB bei den Drittligisten abgefragt, wie sie zu Montagsspielen stehen – Hansa lehnte sie als einziger Verein ab. „Mit unserem Protest wollen wir erreichen, dass in der Öffentlichkeit darüber gesprochen wird, wie der nächste TV-Vertrag aussieht. Er richtet sich ausdrücklich nicht gegen den Rechteinhaber Telekom, der die Liga mit seiner Berichterstattung nach vorne bringt“, sagt der Klubchef, der mit Sanktionen durch den DFB rechnet.

Auslöser des vom Verein getragenen Protests waren Aussagen von DFB-Vizepräsident Rainer Koch, der in Interviews gesagt hatte, dass die 3. Liga „geschlossen“ für die Beibehaltung der Montagspiele votiert habe. „Das“, sagt Marien, „wollen wir nun richtigstellen“.

Jetzt abstimmen: Wie endet das Spiel des FC Hansa gegen den Halleschen FC?

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