17. Januar 2022 / 20:35 Uhr

Morgenmuffel, Schweiß und Muskelkater: Chemie Leipzig absolvierte Trainingslager

Morgenmuffel, Schweiß und Muskelkater: Chemie Leipzig absolvierte Trainingslager

Jens Fuge
Leipziger Volkszeitung
Benjamin Boltze (BSG 26) und Stefan Karau (BSG 3) nach dem 0:1 Tor
Benjamin Boltze (l.) freut sich auf das Spiel in Halberstadt. © Christian Modla
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Die Leutzscher haben sich in Teistungen mit intensiven Einheiten auf die in Halberstadt beginnende Restsaison vorbereitet. Zunächst ist ein möglichst frühzeitiger Klassenerhalt das Ziel, doch auf langfristige Sicht streben die Chemiker Höheres an.

Leipzig. Penetrantes Weckerklingeln zu nachtschlafener Zeit, morgendliche Ausdauerläufe und schmerzende Muskeln: Trainingslager sind auch bei der BSG Chemie Leipzig kein Zuckerschlecken. In Sichtweite der ehemaligen Grenzübergangsstelle Teistungen bei Worbis, direkt an der thüringisch-niedersächsischen Landesgrenze, schufteten die Kicker der BSG dreieinhalb Tage im Kurztrainingslager für die am Sonntag in Halberstadt beginnende Restsaison.

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Auf dem Kunstrasenplatz des FC Wacker 1914 wurde konzentriert gearbeitet. Der Tag startete mit einem morgendlichen Lauf, der naturgemäß die meisten der Kicker nicht eben begeisterte. „7 Uhr durch die Gegend zu laufen, ist sicher nicht jedermanns Sache, aber die Jungs haben super mitgezogen“, meinte Uwe Thomas, einer der sportlich Verantwortlichen vor Ort. Eindrücklich nachzuvollziehen im Video-Blog, den die Medienabteilung gemeinsam mit Abwehrspieler Benny Schmidt täglich produzierte, und der auf den Social Media-Kanälen der Leutzscher zu sehen ist. Das Urgestein, seit seinem sechsten Lebensjahr mit lediglich dreijähriger Unterbrechung im Verein, verlängerte seinen Vertrag um ein weiteres Jahr bis 2023 und feierte zudem seinen 32. Geburtstag im Camp. „Ich freue mich riesig und sauge jede Minute in diesem geilen Verein auf“, kommentierte er die Verlängerung.

Sein erstes Trainingslager in Grün-weiß bestritt der 19-jährige Ben Keßler, der sicher die Entdeckung der ersten Halbserie war. Der Neuzugang aus Aue spielte sich sofort in die Stammformation und stand dort von Beginn an seinen Mann. „Ich nehme hier nur positive Eindrücke mit. Es waren sehr intensive Einheiten, das Hotel war super, es gab tolles Essen auch für Veganer und Vegetarier, und abends saßen wir als Team zusammen, was auch Spaß gemacht hat“, resümiert der Youngster.

Auch sein langzeitverletzter Bruder Max war mit in Teistungen und arbeitete individuell, ebenso wie der verletzte Tom Gründling. Die beiden konnten zudem die Zeit nutzen, um an dem geschichtsträchtigen Ort eine zweistündige Wanderung zu unternehmen. Gemeinsam mit Fitnesscoach Erik Fischer und Betreuer Siggi Müller waren sie auf dem Grenzpfad zwischen alten Wachtürmen und Grenzsicherungsanlagen unterwegs. „Das hätten wir gern auch mit der gesamten Mannschaft gemacht, aber die Zeit war einfach zu knapp“, meinte Uwe Thomas. So besuchten wenigstens einige mitgereiste Fans und Mitglieder des Fördervereines das Grenzlandmuseum gegenüber des Mannschaftshotels.

Ehrgeizige Zukunftspläne

Froh, wieder zu Hause zu sein, war Routinier Benjamin Boltze. „Es sind alle gut durchgekommen, jetzt freuen wir uns auf Halberstadt“, so der 35-Jährige. Mit leichtem Gruseln erinnert er sich an ganz andere Zeiten, als er einmal drei Wochen lang im Trainingslager ausharren musste. „Ich war mit Dynamo Dresden in die Türkei geflogen, und nach den zehn Tagen teilte mir Ede Geyer mit, dass er nicht mehr mit mir plane. Ich wechselte dann quasi über Nacht zum Chemnitzer FC, der am nächsten Tag ebenfalls in der Türkei anreiste. So absolvierte ich nochmals ein 11-tägiges Trainingslager“, berichtet Boltze.

Die sportliche Leitung war ebenfalls aktiv und führte diverse Gespräche mit Spielern. Schließlich will man frühzeitig Gewissheit haben, mit wem man den weiteren Weg gemeinsam geht. Schließlich hat Chemie ehrgeizige Pläne in der Zukunft. Neben der weiteren Bautätigkeit (Flutlicht, Funktionsgebäude, Stadion) will man Schritt für Schritt die Bedingungen schaffen, um sich sportlich weiterzuentwickeln. Zunächst aber steht nur der Klassenerhalt auf dem Plan. Möglichst frühzeitig, möglichst ohne Komplikationen und Aufregung. Nichts anderes zählt im Moment.