04. April 2019 / 11:06 Uhr

"Motoball hat alles in einem": Seelzes Zilius und Pattensens Hahnenberg im Interview

"Motoball hat alles in einem": Seelzes Zilius und Pattensens Hahnenberg im Interview

Nicola Wehrbein
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Die Motoballer Vygandas Zilius (links) und Tobias Hahnenberg sprechen im Interview über ihren außergewöhnlichen Sport.
Die Motoballer Vygandas Zilius (links) und Tobias Hahnenberg sprechen im Interview über ihren außergewöhnlichen Sport.
Anzeige

Hannover gilt als Nord-Hochburg im Motoball - also Fußball auf Motorrädern. Am Sonntag starten der MSC Pattensen und der 1. MSC Seelze in der Bundesliga Nord in die Saison. Die Spielertrainer Tobias Hahnenberg und Vygandas Zilius sprechen im großen Doppelinterview über den Reiz des Sports und die Rivalität.

Fußball auf Motorrädern: Motoball gilt als die schnellste Mannschaftssportart der Welt. Die Region Hannover darf ohne Übertreibung als Hochburg des Nordens bezeichnet werden – mit dem MSC Pattensen und Nordmeister 1. MSC Seelze sind gleich zwei hiesige Vereine in der sieben Mannschaften umfassenden Nord-Staffel der zweigeteilten Bundesliga am Ball. Garanten des Seelzer Erfolgs sind die Zilius-Brüder Dovydas und Vygandas. In den Reihen der Pattenser nimmt das Brüderpaar Kevin (Torhüter) und Tobias Hahnenberg die Hauptrollen ein.

Anzeige

An diesem Wochenende dröhnen die Motoren wieder – die Saison 2019 beginnt. Der MSC Pattensen bekommt es am Sonntag (15 Uhr) in der heimischen Motoball-Arena mit dem 1. MBC 70/90 Halle zu tun. Für die Seelzer wird es erst eine Woche später ernst. Die Spielertrainer Vygandas Zilius und Tobias Hahnenberg sprechen im Vorfeld über Adrenalin, Fußball-Millionäre, Rivalität, Erfolge und Ziele.

Was macht den besonderen Reiz von Motoball aus?

Zilius: Die Geschwindigkeit. Gas geben, Tempo machen, den Gegner hinter sich lassen, das ist einfach großartig, Adrenalin pur. Und dass es ein Teamsport ist. Es gibt echt nichts Genialeres. Für mich ist Motoball der beste Sport der Welt.

Anzeige

Hahnenberg: Beim Motoball hat man alles in einem; die Schnelligkeit, das Spiel mit dem Ball, die fahrerische Herausforderung, dazu der hohe technische Anspruch – bezogen auf die Maschine, aber auch in puncto Schusstechnik. Man muss stark am Ball sein und das Motorrad sicher beherrschen, eine perfekte Kombination.

Bilder vom Motoball-Spiel der Bundesliga Nord zwischen dem 1. MSC Seelze und den MSF Tornado Kierspe

Und hinein die Kugel: Spielertrainer Vygandas Zilius steuert zwei Treffer zum 6:5-Erfolg über Tornado Kierspe bei. Zur Galerie
Und hinein die Kugel: Spielertrainer Vygandas Zilius steuert zwei Treffer zum 6:5-Erfolg über Tornado Kierspe bei. ©

Wann haben Sie mit dem Sport begonnen?

Hahnenberg: 2007 hat mich ein Nachbar zum Derby Seelze gegen Pattensen mitgeschleppt. Ich hatte bis dahin schon diverse Sportarten ausprobiert, für nichts konnte ich mich richtig begeistern. Aber Motoball fand ich sofort faszinierend. Ich bin daraufhin beim MSC Pattensen zum Jugendtraining gegangen. Und habe ein ganzes Jahr lang ohne Ball trainiert, nur auf der Maschine – den Platz rauf und runter, links und rechts. Der Trainer hat mir irgendwann ans Herz gelegt, mit Motoball aufzuhören, ich sei ein total hoffnungsloser Fall. Aber mich hatte der Ehrgeiz gepackt, ich habe mich mehr und mehr reingefuchst. Vom hoffnungslosen Fall zum Nationalspieler (lacht).

Zilius: Ich habe das Motoball-Gen schon in die Wiege gelegt bekommen. Mein Vater Edmundas war mehr als 20 Jahre Profi in unserer Heimat Litauen, er zählte zu den Besten, spielte lange für die Nationalmannschaft. 1997 haben die damaligen MSC-Verantwortlichen Clemens Wiechoczek und Karl-Friedrich Schröder meinen Vater – samt Familie – als Spielertrainer nach Seelze geholt. Mit fünf saß ich das erste Mal auf einer Maschine. Irgendwann kam der Ball dazu, der war fast größer als ich. Die Motorräder sind dann quasi mit mir mitgewachsen und wurden immer besser. Die Leidenschaft hat bei mir nie nachgelassen, im Gegenteil. Wir haben halt Benzin im Blut.

SPORTBUZZER-Redakteur Ulrich Bock hat sich im September selbst im Motoball probiert - das Ergebnis seht ihr hier:

"Anfängerglück" beim Motoball

Bilder unserer Serie "Anfängerglück": Dieses Mal Ulrich Bock beim Motoball.

Redakteur Ulrich Bock probiert sein Anfängerglück beim Motoball. Zur Galerie
Redakteur Ulrich Bock probiert sein Anfängerglück beim Motoball. ©

Was sind Ihre bislang größten Erfolge und sportlichen Höhepunkte?

Zilius: 2013 und 2015 bin ich mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister geworden, das war beide Male ein Wahnsinnserlebnis. Vor allem die Heim-EM 2015 war der Hammer. Zu den absoluten sportlichen Höhepunkten zählen natürlich auch die vier Nordmeister-titel in Folge, die wir seit der Saison 2015 mit dem MSC Seelze geholt haben. Vor allem im letzten Jahr hatte nach der Rückkehr von Tobi zu seinem Heimatverein Pattensen (Tobias Hahnenberg spielte von 2015 bis 2017 beim MSC Seelze, Anm. d. Red.) doch niemand mit uns gerechnet, dieser Titel ist deshalb besonders hoch zu bewerten.

Hahnenberg: Bei mir sind das zum einen ebenfalls die Erfolge mit der Nationalmannschaft, ich bin Vize-Europameister, und zweimal wurden wir Dritter bei der EM. Eine supertolle Sache war auch das Erreichen des Play-off-Halbfinals um die deutsche Meisterschaft, einmal mit dem MSC Pattensen und 2017 in den Reihen des MSC Seelze.

Fußball-Profis verdienen Millionen. Selbst Motoball-Nationalspieler müssen hingegen für ihren Sport noch draufzahlen. Ärgert Sie das?

Hahnenberg: Das ist schon irgendwie traurig und ärgert mich immer wieder. Vor allem, wenn man bedenkt, wie zeitintensiv unser Sport ist. Jeder kleine Fußballklub hat einen eigenen Platzwart, wir nicht. Dazu die Kosten, das kaufen wir alles aus eigener Tasche.

Zilius: Unser sportlicher Einsatz und Erfolg werden leider finanziell in keiner Weise honoriert. Wenn man dann sieht, was die Fußball-Millionäre manchmal an Leistung auf den Platz bringen und wie häufig sie verletzt sind ... Wir betreiben unseren Sport, weil wir Spaß daran haben. Die blauen Flecken und anderen Blessuren, die wir uns ständig holen, stecken wir weg. Natürlich wäre es ein Traum, mit Motoballspielen Geld zu verdienen. Aber es geht uns eben nicht ums Geld, sondern um Herzblut und Leidenschaft – und das Glücksgefühl bei gewonnenen Spielen und Titeln.


Mehr Sport aus der Region

MSC Seelze – MSC Pattensen. Rivalität oder Freundschaft?

Hahnenberg: Seit meiner Zeit in Seelze auf alle Fälle Freundschaft. Na klar, während der Spiele, die 80 Minuten auf dem Feld, sind wir Rivalen, aber davor und danach Freunde. Da steht nichts im Wege. Schließlich haben wir drei turbulente und erfolgreiche Jahre miteinander verbracht.

Zilius: Früher gab es tatsächlich eine recht große Rivalität und ab und an sogar Reibereien, da hat man mit einer gewissen Gehässigkeit auf den Lokalrivalen geschaut. In den letzten Jahren ist das Verhältnis immer freundschaftlicher geworden, speziell zu Tobi. Klar ist aber auch, in den Derbys schenken wir uns nichts, da geht’s voll zur Sache.

Welche sportlichen Ziele haben Sie sich für die Spielzeit 2019 gesteckt?

Zilius: Unser Titelhunger ist noch lange nicht gestillt. Wir wollen Nordtitel Nummer fünf in Serie holen. Mit Nachwuchskeeper Niclas Sujkowski sowie unseren Neuzugängen Tobias Schulz und Routinier Jörg Leipert konnten wir unsere Mannschaft weiter verstärken. Der Teamgeist ist hervorragend, es passt menschlich und sportlich. Und das Kämpferherz von uns allen brennt lichterloh, jeder hat das Ziel Titelverteidigung fest vor Augen.

Hahnenberg: Wir haben in der vergangenen Saison viele Punkte liegen gelassen. Unser Ziel ist es, all das besser zu machen, was schiefgelaufen ist, und mehr zu erreichen als zuletzt Platz drei. Idealerweise starten wir gleich mit einem Heimsieg. Perspektivisch arbeiten wir darauf hin, in den Play-offs gegen die Südligisten nicht so alt auszusehen. Unser Kader ist bis auf Tobias Schulz zusammengeblieben. Aus der Jugend ist Gerrit Weber aufgerückt, Youngster Dominik Weiss hat zwar schon im Männerteam reingeschnuppert, wird aber zunächst weiter beim Nachwuchs spielen.

[Anzeige] Kein Bundesliga-Spiel verpassen: Checke hier die aktuellen Streaming-Angebote von WOW/Sky und DAZN.