13. Juli 2021 / 11:24 Uhr

Klares 1:12 im Derby: MSC Pattensen bewahrt in Seelze zu "oft keinen kühlen Kopf"

Klares 1:12 im Derby: MSC Pattensen bewahrt in Seelze zu "oft keinen kühlen Kopf"

David Lidón
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Chancenlos: Pattensens Keeper Jan Lebert kassiert einen der zwölf Gegentreffer.
Chancenlos: Pattensens Keeper Jan Lebert kassiert einen der zwölf Gegentreffer. © Christian Hanke
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Das Derby zwischen dem 1. MSC Seelze und dem MSC Pattensen in der Motoball-Bundesliga ist erneut eine klare Angelegenheit gewesen. "Die klar bessere Mannschaft hat gewonnen, wir haben oft keinen kühlen Kopf bewahrt", resümierte Pattensens Coach Michél Liebethal nach der deutlichen 1:12-Niederlage.

Die Freude ist den knapp 400 Zuschauern beim 1. MSC Seelze anzumerken gewesen: Endlich dürfen sie wieder zum Motoball gehen. Seit Herbst 2019 hatte es am Kanal kein Bundesliga-Heimspiel mehr gegeben, nun ging es zur Feier des Tages auch noch gegen den Regionsrivalen MSC Pattensen. Das Derby ging mit 12:1 deutlich an die Gastgeber, die dem neu formierten Gegner keine Chance ließen.

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In die freudige Erwartung vor dem Anpfiff mischte sich Trauer, als der Stadionsprecher zu einer Schweigeminute für Heiner Siebracht aufrief. Der am 21. März im Alter von 69 Jahren Verstorbene ist nicht nur für seinen Klub 1. MSC Seelze, sondern für den gesamten Motoball in Deutschland eine prägende Figur gewesen. Insbesondere für Siebrachts Tochter Sarah Jane Brand aus der Teamleitung des 1. MSC waren es ganz harte 60 Sekunden, Sportleiterin Julia Hahne tröstete nach Kräften.

Bilder vom Motoball-Spiel der Bundesliga zwischen dem 1. MSC Seelze und MSC Pattensen

Pattensens Yannik Schaper und der Seelzer Dovydas Zilius (rechts) rangeln um das Spielgerät. Zur Galerie
Pattensens Yannik Schaper und der Seelzer Dovydas Zilius (rechts) rangeln um das Spielgerät. ©

In Pandemiezeiten nutzte manch einer die Ruhe sicherlich zur Reflexion, warum es so lange keinen Sport gegeben hat und was zu tun ist, damit so lange wie möglich weiter vor Publikum gespielt werden kann. „Ohne Zuschauer ist es nicht dasselbe“, brachte es Seelzes Spielertrainer Vygandas Zilius auf den Punkt.

Hahnenberg macht den Anfang

Dass der neu betonierte Platz nach dem Einfahren noch einmal bewässert wurde, hätten sich die Hausherren sparen können, denn es waren erst fünf Minuten gespielt, als ein ordentlicher Schauer runterkam. Als der Regen nach sieben Zeigerumdrehungen wieder aufhörte, stand es 2:0 für die favorisierten Seelzer. Beide Treffer gingen auf das Konto von Tobias Hahnenberg, der im Januar 2020 aus Pattensen zurück zum Nordmeister gewechselt war.

Die Frage, ob es im ersten Duell im Wettkampfmodus gegen die alten Teamkollegen Scharmützel oder gar Provokationen gegeben habe, beantwortet der vielfache Nationalspieler gelassen. „Es war ein faires Derby. Aber klar gibt es mal ein kleines Kitzeln. Ein Grinsen hier, ein Zwinkern da, das ist immer drin“, sagt der Torjäger, der noch zwei weitere Treffer erzielen sollte.

Sein Comeback auf der Erstligabühne nach sieben Jahren hatte sich Pattensens neuer Trainer Michél Liebethal anders vorgestellt. „Deprimierend ist vielleicht das falsche Wort, aber man hat gesehen, welche Mannschaft besser im Training ist und bei wem die Spielzüge sitzen“, sagte er. Zu dominant waren die Gastgeber, die im Gegensatz zu den Pattensern auch keine Materialprobleme bekamen. Eine Bremse und ein Ballbügel brachen ihnen in der Anfangsphase der Partie ab.


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Einer der zwei frühen Ausfälle war ausgerechnet Kapitän Jan Bauer. „Das ist ärgerlich, soll aber keine Entschuldigung sein“, sagte Liebethal. „Die klar bessere Mannschaft hat gewonnen, wir haben oft keinen kühlen Kopf bewahrt.“ Das Ehrentor gelang Yannik Schaper zum 1:9 am Ende des dritten Viertels.

"Wir dagegen haben es genau richtig gemacht"

Hahnenberg hatte das sehr deutliche Ergebnis erwartet. „Die Pattenser wollten zu schnell zu viel, sie sind auf unserem neuen Untergrund viel gerutscht. Wir dagegen haben es genau richtig gemacht“, lautete seine Analyse der Begegnung.

Sein Spielertrainer Vygandas Zilius – der fünfmal traf, drei Tore erzielte sein Bruder Dovydas – war positiv überrascht von dem Kantersieg. „Es war ein gutes Spiel von uns, wir haben viel aus dem Training umsetzen können.“ Am besten hatte ihm aber das Spielen vor den Fans gefallen. „So viele Leute hinter sich zu haben, die dich unterstützen, das treibt einen nach vorn. Es war ein mittlerweile ungewohntes, aber schönes Gefühl.“

Obwohl vor Corona schon 700 Fans beim Derby zugegen waren, hat die Atmosphäre bei 400 Motoballfreunden ihren Reiz. Nur einer hat auf seinem Stammplatz nahe dem Eingang gefehlt – und das nicht nur seiner Tochter.