04. Januar 2021 / 13:48 Uhr

Motorsport-Ass Finsterbusch zu seiner Vertragssituation: „Läuft alles auf Vertrauensbasis“

Motorsport-Ass Finsterbusch zu seiner Vertragssituation: „Läuft alles auf Vertrauensbasis“

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Beim Supermoto-Rennen in Cheb hält Toni Finsterbusch Jan-Ole Jähnig (Nr. 14) und Julian Puffe auf Distanz.
Beim Supermoto-Rennen in Cheb hält Toni Finsterbusch Jan-Ole Jähnig (Nummer 14) und Julian Puffe auf Distanz. © privat
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Toni Finsterbusch hält sich im Winter gemeinsam mit Kollegen „virtuell“ fit. Im Interview spricht der 27-Jährige über die Vertragslosigkeit, wirtschaftliche Herausforderungen und die Langeweile in der WM.

Hohenossig. Nicht von der Rolle, sondern auf der Rolle: Um trotz Pandemie in Form zu bleiben, hat Toni Finsterbusch aus Hohenossig gemeinsam mit drei Motorsport-Kollegen und Freunden einen internen Wettbewerb ins Leben gerufen. Im „Team Ost“ konkurriert er mir Jan-Ole Jähnig, Julian Puffe und Max Enderlein virtuell. Im Interview spricht Finsterbusch außerdem über Verträge auf Vertrauensbasis, Rennen ohne Fans, (fehlende) Spannung im Motorsport und was es für den Sieg bei den 24-Stunden von Le Mans gab.

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Herr Finsterbusch, trotz des Lockdowns kann das Team Ost den internen Wettbewerb nicht lassen. Wie läuft das momentan?

Wir treffen uns virtuell auf der „Rolle“ und fahren Rad, zusammen oder gegeneinander, je nachdem wie man das nennen will. Nebenbei quatschen wir noch ein bisschen, bevor es intensiver wird.

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Jan-Ole Jähnig sollte da Vorteile haben. Er war schließlich früher im Radsportverein.

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Naja, das ist schon ne Weile her. Im Sommer haben wir ihn am Berg jedenfalls hinter uns gelassen.

Helm als Mundschutz

Im Normalfall ist natürlich Motorsport zentraler Bestandteil der Runde. Wie muss man sich das vorstellen?

Bis Ende November waren wir eigentlich jedes Wochenende gemeinsam irgendwo zum Supermoto- oder Motocross-Training. Einerseits ist das recht locker, andererseits stacheln wir uns gegenseitig an. Keiner will Letzter sein. Wir bilden eine schöne Einheit, fahren auch zusammen in den Urlaub.

Im Vergleich zu anderen Sportarten konnten Sie also relativ lange ziemlich gut trainieren?

Die Trainingsmöglichkeiten waren definitiv gut, relativ viele Strecken waren geöffnet. Beim Motorsport kannst du auch viel einfacher den Mindestabstand einhalten und hast den Helm immer als Mundschutz vor dem Kopf (lacht). Im Ernst: Natürlich lief auch für uns alles ein bisschen anders, aber wir sind froh, dass wir so lange etwas machen konnten.

Komisch ohne Zuschauer

Und der Vertrag für die kommende Saison mit dem Team steht?

Naja, einen Vertrag gibt es nicht. Das läuft alles auf Vertrauensbasis. Wir machen zusammen weiter, die IDM ist der Weg, den wir als Team einschlagen. Die Vorbereitungen laufen, der Renn-Kalender steht. Inwieweit das alles so funktioniert, werden wir dann sehen.

Denn die Corona-Pandemie macht vieles unvorhersehbar. Es gab bereits Rennen ohne Zuschauer. Wie sehen Sie das?

Ohne Zuschauer ist es komisch. Du hörst sie beim Fahren zwar nicht, aber auf leere Tribünen zu schauen, macht nicht wirklich Spaß. Irgendwie fehlt etwas.


Was haben Sie aus der Corona-Krise gelernt?

Dass wir in schwierigen Zeiten zusammenhalten und ein gutes Miteinander schaffen sollten. Die richtig schweren Zeiten für die Wirtschaft kommen ja erst noch und damit wird es für die Teams schwieriger, Sponsoren zu finden und die alten bei der Stange zu halten.

Motorsport mit Sound und Lautstärke verbunden

Sie sind WM, EM und IDM gefahren. Welche Ziele bleiben da eigentlich noch?

Ich will in der IDM unbedingt aufs Podium und wenn ich in der Endabrechnung in den Top Fünf lande, wäre das verdammt cool. Ich will fahren, so lange es Spaß macht. Und die Ergebnisse in unserer Trainingsgruppe zeigen, dass ich so schlecht nicht sein kann. Denn unser Niveau ist schon recht hoch und ich bin Gott sei dank immer eher vorne dabei. Ich denke, wenn ich ein gutes Motorrad habe, kann ich auch in der IDM bessere Ergebnisse einfahren.

Wie sehen Sie die derzeitige Motorsport-Situation allgemein?

In der Moto-GP kenne ich einige Jungs, mit denen ich selbst noch zusammen gefahren bin, wie Jack Miller, Alex Rins oder Maverick Vinales. Insgesamt wird die Entwicklung in den nächsten Jahren wohl eher in Richtung elektro gehen, weil das von der Politik gewünscht wird. Aber ich verbinde Motorsport mit Sound und Lautstärke. So würde viel Atmosphäre am Rande verloren gehen.

Aber was die Weltmeister angeht, waren MotoGP und Formel 1 in den vergangenen Jahren ähnlich langweilig …

Die Formel 1 finde ich tatsächlich relativ langweilig und kann nur jedem empfehlen, mal ein MotoGP-Rennen zu schauen. Die sind fast immer sehr ausgeglichen und bis zum Schluss spannend. 2021 bringt bestimmt einige Überraschungen.

Podium ist immer schöner

Aber die MotoGP-Dominanz von Marc Marquez bis zu seiner Verletzung lässt sich nicht abstreiten.

Er hat die Konstanz, die die anderen nicht haben, ist viel mit dem Kopf gefahren. Aber die anderen sind nun auch keine Nasenbohrer. Mal schauen, ob er nach der schweren Verletzung wieder bei 100 Prozent landet.

Was zählt für Sie persönlich mehr: Vor 100 .000 Zuschauern WM-Rennen auf dem Sachsenring gefahren zu sein oder der Gewinn des Langstrecken-WM-Rennens in Le Mans?

Auf dem Podium zu stehen ist immer schöner als Elfter auf dem Sachsenring zu werden. Das war schön, wird aber von viel weniger Leuten wahrgenommen. Insofern war Le Mans zwar ohne Zuschauer, aber nichtsdestotrotz ein absolutes Highlight.

Was haben Sie eigentlich für den Sieg in Le Mans bekommen?

Es gab einen kleinen materiellen Bonus vom Team. Auch schön. Ich war ja eigentlich nur als Ersatzfahrer eingeplant und hab dann einen ziemlich guten Auftritt hingelegt, denke ich.

Sieg beim 24-Stunden-Rennen

Toni Finsterbusch, geboren 1993, begann als Siebenjähriger mit Motocross, wechselte 2005 in den Straßenrennsport. 2010 wurde er IDM-Vizemeister der Klasse bis 125 ccm³. Als Gaststarter landete er 2011 beim WM-Rennen auf dem Sachsenring sensationell auf Rang zwölf in der 125er Klasse. 2012 wechselte er in die Moto3-Weltmeisterschaft, fuhr dort insgesamt zwei Jahre für MZ und KTM.

Es folgten Aufenthalte in der Superstock-Europameisterschaft und Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM). 2020 gewann er gemeinsam mit dem Team Gert56 das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans in der Superstock-Klasse.

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