13. August 2019 / 20:19 Uhr

Motorsportler Kirchhöfer: „Im GT-Bereich musst Du viel härter arbeiten als im Formelsport“

Motorsportler Kirchhöfer: „Im GT-Bereich musst Du viel härter arbeiten als im Formelsport“

LVZ
Leipziger Volkszeitung
David Jahn und Marvin Kirchhöfer – Zwei Kontrahenten mit gegenseitigem Respekt.
David Jahn und Marvin Kirchhöfer – Zwei Kontrahenten mit gegenseitigem Respekt.
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Im aktuellen Interview sprechen David Jahn und Marvin Kirchhöfer über zurückliegende Erfolge, Meisterschaftsträume und Rivalitäten mit gegenseitigem Respekt.

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Leipzig. Für die Leipziger Corvette-Piloten lief es bis zur Sommerpause richtig rund. David Jahn (28/RWT-Racing) landete mit seinem Teamkollegen Sven Barth (38/Illertissen) in jedem Rennen in den Punkten. Marvin Kirchhöfer (25/Callaway Competition) ließ gemeinsam mit Markus Pommer (28/Heilbronn) gleich dreimal die Konkurrenz hinter sich. Das ADAC GT-Masters war nach sechs Läufen fest in Leipziger Hand. Doch beim Auslands-Gastspiel im holländischen Zandvoort kam erstmals Sand ins Getriebe. Wir unterhielten uns vor Ort mit den beiden GT-Piloten über die Erfolge der Vergangenheit, wie bei Windstärke acht die Meisterschaftsträume fast verweht wären und was es mit den beiden Corvette-Teams auf sich hat.

Wie gut kennt Ihr Euch beide?

David Jahn: Den Namen Marvin Kirchhöfer kennt man natürlich. Die Gelegenheiten, bei denen wir uns getroffen haben, waren aber eher sporadisch. So engen Kontakt, wie jetzt im ADAC GT Masters, hatten wir in der Vergangenheit nicht.

Marvin Kirchhöfer: Zum ersten Mal sind wir uns im Kartsport begegnet. Doch das ist schon eine Weile her. Auch seit David in Leipzig wohnt, hat es nie ernsthaft geklappt. So richtig kennengelernt haben wir uns erst in diesem Jahr.

Rennfahrer müssen Beruf sehr ernst nehmen

Wie bewertet Ihr Euer Abschneiden mit den Plätzen zwei und drei in der ersten Hälfte der Meisterschaft?

Kirchhöfer: Aus unserer Sicht können wir nicht ganz zufrieden sein. Wir haben zwar drei von sechs Läufen gewonnen, was ein beachtlicher Durchschnitt ist, haben es aber versäumt, in den anderen Rennen ordentlich zu punkten.

Jahn: Wir haben gezeigt, dass mit uns in jedem Rennen zu rechnen ist. In jedem freien Training bis zur Sommerpause hatten wir immer das schnellste Auto. Bei den Qualifyings sind wir immer vorn mit dabei. Und dreimal schafften wir auch schon den Sprung aufs Podium. Mit solch einem Ergebnis hatten wir und auch andere nicht unbedingt gerechnet.

Eure Motorsportkarrieren unterscheiden sich schon ein wenig. Doch Ihr seid beide derzeit sehr erfolgreich.

Jahn: Selbst wenn Du nicht als Berufs-Rennfahrer unterwegs bist, musst Du in dieser Serie die Sache sehr ernst nehmen. Ansonsten wirst Du keinen Erfolg haben. Der Schritt in den Profi-Rennsport hat sich für mich einfach nicht ergeben. Doch deswegen gehe ich nicht unbedingt viel lockerer ins Rennen.

Kirchhöfer: Für einen Erfolg, noch dazu einen Gesamterfolg, musst Du im GT-Bereich viel härter arbeiten als im Formelsport. Im GT-Sport fällt neben der fahrerischen Leistung das Fahrzeug viel stärker ins Gewicht. Das zeigen die vielen unterschiedlichen Marken, die letztlich durch die sogenannte Balance of Performance jedes Jahr neu und unterschiedlich reglementiert werden, während im Formelsport alle auf das gleiche Material zurückgreifen können. Doch ich denke, mit meinem dritten GT3-Jahr kann ich durchaus zufrieden sein.

Ein Flashback des letzten Jahres

Der Start in die zweite Hälfte verlief aber in Zandvoort nicht so optimal?

Jahn: Mit der Pace konnten wir durchaus zufrieden sein. Immerhin waren wir die einzigen, die mit Platz zwölf aus dem Spitzen-Quartett am Samstag noch punkten konnten. Zudem mussten wir nicht nur gegen die Konkurrenz auf der Strecke sondern auch gegen sehr schwierige äußere Bedingungen kämpfen. Wir hatten extrem starken Wind, und es war sehr viel Sand auf der Strecke. Am Sonntag musste ich dann das Fahrzeug mit Motorschaden frühzeitig abstellen. Es war der erste technische Defekt in dieser Saison.

Kirchhöfer: Für uns ist es ein Flashback des letzten Jahres. Wir haben einfach aktuell nicht das Auto für diese Strecke. Die Ingenieure sind am Limit, was das Setup anbelangt. Wir müssen uns jetzt auf die nächsten Rennen konzentrieren und hoffen, dass man uns bei der Balance of Performance keinen Strich durch Rechnung macht.

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Zwei Corvettes, zwei verschiedene Teams, eine gemeinsame Box. Wie funktioniert diese eher ungewöhnliche Konstellation?

Kirchhöfer: Wir sehen uns nicht ernsthaft als Gegner. Wir arbeiten in vielen Bereichen zusammen und unterstützen uns gegenseitig. Dass es funktioniert, sieht man in dieser Saison recht gut. Beide Fahrzeuge spielen im Vergleich zu den letzten Jahren eine gute Rolle in der Meisterschaft.

Jahn: Unsere Ingenieure sprechen miteinander. Wir sehen auch die Daten des anderen Fahrzeugs. Doch in welche Richtung es geht, entscheidet jedes Team selbst. Letztlich sind wir immer noch Konkurrenten.

Wir schießen uns nicht gegenseitig ab

Konkurrenten seid Ihre beide auch auf der Strecke. Einige Situationen haben das bereits klar gemacht.

Jahn: Wir fahren auf der Rennstrecke nicht miteinander sondern gegeneinander. Aber da spielt es auch keine Rolle, ob es dasselbe Auto oder dasselbe Team ist. Unter dem Strich ist jeder für seinen Erfolg selbst verantwortlich. In diesem Jahr kam es auch schon zweimal zum direkten Kontakt. Das muss zwischen Markenkollegen nicht unbedingt sein. Aber wir haben uns ausgesprochen. Und damit ist das Thema vom Tisch.

Kirchhöfer: Auf der Strecke sind wir Gegner. Das man sich auch mal berührt, davon lebt der GT-Sport. Wir brauchen keine Formel 1, wo bei jedem Kontakt eine Untersuchung eingeleitet wird. Wir schießen uns nicht gegenseitig ab, das ist wichtig. Und über die Dinge, die passiert sind, haben wir gesprochen.

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