20. April 2020 / 12:12 Uhr

Motorsportler nach Absage von „Rund um Dahlen“ im Wechselbad der Gefühle

Motorsportler nach Absage von „Rund um Dahlen“ im Wechselbad der Gefühle

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Der Samstag bei der EWMD 2019: Der Start auf dem Markt im sächsischen Dahlen.
Eigentlich ist „Rund um Dahlen“ ein echtes Highlight für die ganze Region. © Thorsten Horn
Anzeige

Eigentlich ist „Rund um Dahlen“ immer ein Höhepunkt im Vereinsleben. Im vergangenen Jahr war diese Veranstaltung obendrein mit einem Enduro-Weltmeisterschafts-Rennen verbunden. Drum schmerzt die Absage des Events dem Vereinsvorsitzenden Lars Scholz und seinen Mitstreitern sehr.

Anzeige

Nordsachsen. „Es tut uns weh, es tut uns leid für alle Beteiligten, und es schmerzt auch finanziell“, kommentiert Lars Scholz die Absage der Internationalen Geländefahrt „Rund um Dahlen“, die am 22. März über die Bühne gehen sollte. „Aber wir sind ja nicht die einzigen, sondern teilen dieses Schicksal mit anderen Veranstaltungen in anderen Sportarten. Es hat alle getroffen, wir waren leider mit die ersten.“

Anzeige

Seit 2016 ist Scholz Vorsitzender des Motorsportclubs (MSC) Dahlen und hat seither ein Wechselbad der Gefühle erlebt. Schon 2018 hatte das Traditionsrennen nicht stattfinden können, fiel dem Windbruch in den umliegenden Wäldern zum Opfer. Doch dem Katzenjammer folgte Euphorie, sprich der Höhepunkt der Rundfahrt- und Vereinsgeschichte. Im vergangenen Jahr war „Rund um Dahlen“ erstmals mit einem Enduro-Weltmeisterschaftslauf verbunden und wurde über zwei Tage ausgetragen.

Eine insgesamt fünfstellige Zuschauerkulisse beim Prolog im Heidestadion, an der Strecke und bei den Sonderprüfungen belohnte den enormen Aufwand der Organisatoren. Es hagelte von Fahrern, Fans und Weltverband begeistertes Lob. Presse, Funk, Fernsehen und Internet berichteten ausführlich, trugen den Namen der Stadt um den Globus – ein enormer Imagegewinn.

DURCHKLICKEN: Eindrücke von der letzten Enduro WM in Sachsen

260 Fahrer gingen vom 22. bis zum 24. März bei der Enduro-WM in Dahlen auf die Strecke. Zur Galerie
260 Fahrer gingen vom 22. bis zum 24. März bei der Enduro-WM in Dahlen auf die Strecke. ©

Und nun, bei der nächsten Auflage 2020, wieder eine Absage, diesmal wegen der Corona-Pandemie. „Ganz aus der kalten hat es uns nicht erwischt, wir standen stets in engem Kontakt mit dem Landratsamt und hatten das schon befürchtet“, sagt Lars Scholz, „aber wir waren mit den umfangreichen Vorbereitungen fast fertig. Alle Genehmigungen lagen vor, was bei einer Veranstaltung im Landschaftsschutzgebiet immer eine Zitterpartie bedeutet, und die Strecke war bereits komplett aufgebaut. Es hätte losgehen können.“

Ging es aber nicht, weil das Landratsamt eine Allgemeinverfügung mit strengen Auflagen erlassen hatte und dem Veranstalter so keine Wahl ließ. „Wir hätten ja auch alle Zuschauer namentlich erfassen müssen, was im Grunde unmöglich ist“, so Scholz. Zehn Tage vor dem Start zog er die Reißleine und ging mit der Absage an die Öffentlichkeit. Insgesamt 356 Meldungen von Fahrern aus ganz Europa lagen vor. „Wir hatten da aber schon einen Meldestopp verfügt, weil sich die Entwicklung abzeichnete und wir die Nenngelder ohnehin zurücküberweisen müssen.“

MSC Dahlen bedauert Absage

Es wäre eine Rekordteilnahme in der jüngeren Vergangenheit geworden. „Anfang der 90-er Jahre hatten wir mal über 400 Fahrer, aber das ist lange her“, weiß Scholz, „im Vorjahr, als wir WM-Lauf und Internationale Deutsche Enduro-Meisterschaft gekoppelt hatten, waren es 320, allerdings teilweise mit Doppelstarts.“

Das enorme Piloten-Interesse in diesem Jahr habe gut getan und den glänzenden Ruf von „Rund um Dahlen“ bestätigt. „Wir sind eine der größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland“, betont Scholz, „umso mehr haben wir die Absage bedauert.“ Die 50 MSC-Mitglieder und weitere 50 Helfer mussten die Strecke dann ohne das erwartete Enduro-Spektakel wieder abbauen. „Nicht gut für die Motivation, aber eben nicht zu ändern“, sagt Scholz, dem auch die vielen Hobby-Fahrer leid taten. „Sie durften 2019 wegen der WM nicht teilnehmen, ihnen wollten wir jetzt die Gelegenheit bieten, auf der mit der WM identischen Strecke zu fahren.“

Weitere Meldungen vom Motorsport aus der Region

Aber es hatten sich eben auch Spitzenpiloten aus Polen, Tschechien, Spanien, Schweden, Finnland und Italien angekündigt. „Auch deshalb mussten wir absagen, es bestand durchaus die Möglichkeit, dass jemand unbewusst das Virus mitbringt“, so Scholz, „das Risiko war einfach zu groß für uns.“

Den finanziellen Verlust kann der 43-Jährige nicht genau beziffern. „Rund 2500 Euro hatten wir bereits in die Veranstaltung gesteckt, die wir nicht ersetzt bekommen und die wir aus unseren Rücklagen bestreiten müssen. Die Plakate waren ja gedruckt und die Erinnerungswimpel für die Fahrer fertig.“ Dazu kommen die entgangenen Zuschauer-Einnahmen, obwohl der MSC keine Kalkulation erstellt hatte. „Der Zuspruch hängt stark vom Wetter ab.“

Als Scholz am 22. März aus dem Fenster sah und die Sonne strahlte, wuchsen seine Schmerzen: „2000 Leute wären bei den traumhaften Bedingungen wohl mindestens gekommen.“ Im Vorjahr bei der WM hatte der MSC erstmals Eintrittsgelder erhoben und sich auch diesmal dafür entschieden, weil die Kosten ständig steigen. „Wir wollten drei bis fünf Euro nehmen, da kann sich jeder ausrechnen, was zusammengekommen wäre. Geld, das für unsere Rücklagen bestimmt war und das jetzt fehlt. Schade, aber das wirft uns nicht um.“

„Wir freuen uns schon sehr auf 2021“

Nach „Rund um Dahlen“ beginnt normalerweise die Motorsport-Saison erst richtig. Für April sind jedoch alle Rennen abgesagt, für Mai und Juni noch nicht. Die MSC-Fahrer planen deutschlandweite Starts bei verschiedenen Rennserien. Das Problem: Sie können sich darauf nicht vorbereiten, weil nirgendwo Training möglich ist. „Bei uns auf dem Gelände ist alles auf null runtergefahren wie überall anders auch“, sagt Scholz, „es wird also sehr schwierig. Aber ich befürchte ohnehin, dass demnächst nichts stattfindet.“ So sieht er auch den für Mitte Mai angesetzten Enduro-Jugend-Cup in Dahlen stark gefährdet.

Zuversichtlicher ist er für die Oldtimer-Rundfahrt im September, wenn Autos und Motorräder auf einen 70-Kilometer-Straßenkurs durch die Dahlener Heide rollen sollen. Und für den traditionellen Jahresausklang beim MSC. „Zu Silvester geht es bei uns immer rund mit über 150 Fahrern beim offenen Training. Das ist ein wunderbarer Treff.“

Und zu diesem Zeitpunkt wird auch die Vorbereitung für die nächste Auflage von „Rund um Dahlen“ längst wieder laufen. „Wir freuen uns schon sehr auf das Wiedersehen 2021“, sagt Scholz. Irgendwann soll es auch noch einmal einen WM-Lauf in der Heidestadt geben. „Aber das ist eine Utopie und noch nicht in der Planung.“ Zunächst müssen er und seine Mitstreiter die schmerzlichen Erfahrungen der vergangenen Wochen verdauen.