14. Dezember 2018 / 12:39 Uhr

Der Hertha-Dampfer ist auf Kurs

Der Hertha-Dampfer ist auf Kurs

Lars Sittig
Märkische Allgemeine Zeitung
Das Ausflugsschiff mit dem Namen Hertha liegt am 14.12.2017 nach einer Fahrt aus dem brandenburgischen Wustermark nach Berlin im Hafen Rummelsburg in Berlin. Das 131 Jahre alte Schiff ist der Namensgeber des Berliner Fußballvereins Hertha BSC, welcher in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert.
Das Ausflugsschiff mit dem Namen "Hertha" liegt am 14.12.2017 nach einer Fahrt aus dem brandenburgischen Wustermark nach Berlin im Hafen Rummelsburg in Berlin. Das 131 Jahre alte Schiff ist der Namensgeber des Berliner Fußballvereins Hertha BSC, welcher in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert. © Gregor Fischer/dpa
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Vor einem Jahr kehrte das Hertha-Traditionsschiff aus Wusterhausen/Dosse nach Berlin zurück – die Betreiber sind bei der Zulassung zum Passagierdampfer auf einem guten Weg.

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Die Fragen kommen regelmäßig, die Erkundigungen, wie es dem prominenten Liebhaberstück der Hertha-Fußballfamilie derzeit geht. „Es gibt großes Interesse daran, wann das Schiff endlich wieder fährt“, sagt Ingmar Pering, Präsidiumsmitglied des Berliner Sport-Clubs 1892 und Geschäftsführer der Betreibergesellschaft für den Traditionsdampfer „Hertha“. In Kürze sind weitere Untersuchungen an dem Motorschiff (MS) geplant, das seit einem Jahr im Hafen Rummelsburg in Berlin liegt. „Ende Januar soll es einen Überblick über die nötigen Reparaturmaßnahmen und einen Kostenvoranschlag geben“, sagt Pering, „dann werden wir auch Genaueres zum Zeitplan wissen. Wenn alles optimal läuft – aber das kann man bei einem uralten Schiff eben nie sagen, da kann es bei einem Check immer auch ungeplante Reparaturen geben – könnten wir Ende 2019 in See stechen.“

Es wäre das Comeback des blau-weißen Mutterschiffes – auch dafür könnte die Abkürzung MS stehen – das zwei Jahrhundert-Wechsel, Weltkriege und politische Systemwechsel überdauerte, im wahrsten Sinne des Wortes bewegte Zeiten hinter sich hat und perfekt die Verankerung des Bundesligisten in Brandenburg dokumentiert. 1886 lief das 23 Meter lange Wasserfahrzeug „Hertha“ als Dampfschiff in Stettin vom Stapel. 1892 inspirierte das Salonschiff die Gründer des Bundesligaclubs zur Wahl des Vereinsnamens und der Clubfarben.

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Spektakuläre Rückholaktion nach Berlin

Es folgten Jahrzehnte in ruhigem Fahrwasser, bevor wechselhafte Zeiten begannen. Nach dem zweiten Weltkrieg landete die Hertha in der DDR, entging nur knapp der Verschrottung und schipperte ab 1971 als „Seebär“ über die malerische Kyritzer Seenkette in der Ostprignitz. 2002 nahm das Schiff, das in Wusterhausen/Dosse lag, wieder seinen Mädchennamen an. Im vergangenen Jahr wurde die „Hertha“ schließlich in einer spektakulären Aktion zurück in die Berliner Heimat gebracht: Zunächst per Schwerlast-Transport, der zu einer Art Huldigungstour wurde, von Wusterhausen nach Wustermark. Aus der havelländischen Kommune trat das Schiff die Fahrt zu einem Liegeplatz der Reederei Riedel im Hafen Rummelsburg an. Am 14. Dezember 2017, exakt vor einem Jahr, stampfte der Veteran aus eigener Kraft nach Treptow.

Das Hertha Gründungsschiff wurde in einer aufregenden spektakulären Transportaktion von Wusterhausen (Ostprignitz-Ruppin) nach Wustermark (Havelland) gebracht. Das Schiff ist auf einem Tieflader eine besonders aufwändige Strecke gefahren. Zahlreiche Engstellen, Ortschaften, Brücken und Kreisverkehre musste der Transport passieren. Hunderte Anwohner und Fans waren an den Straßen zusammengekommen um den Transport zu verfolgen. Das Wetter war mieserabel. Dauer und Starkregen!
Das Hertha Gründungsschiff wurde in einer aufregenden spektakulären Transportaktion von Wusterhausen (Ostprignitz-Ruppin) nach Wustermark (Havelland) gebracht. Das Schiff ist auf einem Tieflader eine besonders aufwändige Strecke gefahren. Zahlreiche Engstellen, Ortschaften, Brücken und Kreisverkehre musste der Transport passieren. Hunderte Anwohner und Fans waren an den Straßen zusammengekommen um den Transport zu verfolgen. Das Wetter war mieserabel. Dauer und Starkregen! © Julian Stähle
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Inzwischen hat die „Hertha“ eine wichtige Hürde auf dem Weg zurück als Passagierschiff genommen:  „Die MS Hertha ist als historisches Fahrgastschiff eingestuft“, berichtet Pering, „nun gelten für uns Bestandsschutz und das alte Zulassungsrecht – eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, auf Berlins Gewässern zu fahren – ist geschafft.“ Einige Schönheits- und Instandsetzungsmaßnahmen stehen bereits jetzt auf der To-do-Liste: So müssen die Elektrik auf Vordermann gebracht und zwei Kollisionsschotte installiert werden. „Solch ein Schott dient dazu, Wassereinbrüche bei Kollisionen des Schiffes mit einem anderen Schiff oder Hindernis einzudämmen“, sagt Pering. „Finanziert werden sollen die Kosten, um das Schiff fahrtüchtig zu machen und die Verkehrszulassung zu erhalten, aus der Vermarktung und durch Sponsoring. Wenn die Mittel bereitstehen, soll das Schiff schnellstens in die Werft gebracht werden und überarbeitet werden.“

Pering: "Bereits jetzt gibt es viele Buchungsanfragen"

Wenn also die „Hertha“ – eine Mischung aus maritimem Lieberhaberstück, Kultobjekt und schwimmender Party-Location – wieder voll funktionstüchtig ist, soll der Dampfer erneut zum Inventar auf den Wasserstraßen der Region gehören: „Wir wollen das Schiff so schnell wie möglich den Fans zugänglich machen. Es soll für Geburtstage oder Ausflüge gechartert werden können“, kündigt Pering an.

Vor einem Jahr für die Hertha durch Potsdam.
Vor einem Jahr für die "Hertha" durch Potsdam. © Ronny Müller

Angesteuert werden soll auch das brandenburgische Revier – auch aus pragmatischen Gründen. „Das Schiff ist mit seiner Länge und Höhe eigentlich nicht für den Verkehr in der Berliner Innenstadt gebaut worden, sondern für ländliche Regionen. Die Zulassung für Berlin ist der erste Schritt, aber wir wollen natürlich ins Umland fahren. Mögliche Ziele wären Oranienburg, Hennigsdorf oder Potsdam“, sagt Ingmar Pering, „ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen.“ Wenn beispielsweise der Verein ein Freundschaftsspiel in Brandenburg austragen werde, könne man mit dem Schiff dorthin fahren. „Bereits jetzt gibt es viele Buchungs-Anfragen.“

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