21. Januar 2021 / 10:20 Uhr

MSC Dahlen fehlen die Einnahmen: "Wir bluten langsam aus"

MSC Dahlen fehlen die Einnahmen: "Wir bluten langsam aus"

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Dahlen
Auch im neuen Jahr steht der MSC Dahlen vor Problemen. © Thorsten Horn
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Die Sorgen beim MSC Dahlen werden größer. Im vergangenen Jahr konnte der Motorsportclub keinen einzigen Wettkampf ausrichten. Auch im Jahr 2021 wird die traditionelle Geländerrundfahrt „Rund um Dahlen“ coronabedingt wohl nicht stattfinden können.

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Dahlen. Auf der Homepage des MSC Dahlen steht ein fast vier Minuten langes Video. Zu sehen ist die wilde Hatz über die Motorcross-Strecke „Auf dem Burgberg“. Es geht in rasantem Tempo durch zerfurchte Fahrspuren. Rauf und runter, enge Kurven, atemberaubende Sprünge. Die Helmkamera wackelt, der Motor röhrt, immer wieder Vollgas. Selbst Laien bekommen da Lust, auf eine Maschine zu steigen und eine Runde zu drehen. Das Problem: Es ist momentan unmöglich. Die Piste ist wegen der Pandemie-Bestimmungen gesperrt. Seit Monaten.

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Letzte Reserven werden aufgebraucht

„Alles ist lahmgelegt, alles ist tot, wir können derzeit nichts tun, überhaupt nichts. Und niemand weiß. wie und wann es weitergeht“, sagt Lars Scholz. Der Chef des Motorsportclubs mag kein Klagelied singen, ihm ist bewusst, dass sich viele Sportarten in einer ähnlichen Situation befinden, er beschreibt nur die Fakten, die da lauten: „2020 war ein Jahr zum Vergessen, wir konnten in Dahlen keinen einzigen Wettkampf bestreiten, und 2021 wird wohl nicht viel besser. Wir haben kaum Einnahmen und bluten finanziell langsam aus.“

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260 Fahrer gingen vom 22. bis zum 24. März bei der Enduro-WM in Dahlen auf die Strecke. Zur Galerie
260 Fahrer gingen vom 22. bis zum 24. März bei der Enduro-WM in Dahlen auf die Strecke. ©

Noch einmal zurück zur Homepage. In der Rubrik „Neuigkeiten“ wird die Schreckensbilanz in folgenden Meldungen schon bei den Überschriften deutlich. 12. März 2020: „Absage Rund um Dahlen.“ 16. April 2020: „Absage Enduro-Jugend-Cup.“ 3. September 2020: „Absage Oldtimerrundfahrt.“ 23. Dezember 2020: „Absage Silvester-Offroad-Motorradtreffen.“ Die beiden einzigen Positiv-Nachrichten des Jahres waren da nur ein schwacher Trost. 30. März 2020: „MSC Dahlen präsentiert Enduro- und Vereinschronik.“ Und, am 13. April 2020: „Vorstellung unserer Chronik im MDR-Sachsenspiegel.“



Am meisten schmerzte Lars Scholz und seine Mitstreiter, dass die traditionelle Geländerundfahrt „Rund um Dahlen“ kurzfristig storniert werden musste – zehn Tage vor den geplanten Startschuss am 22. März, nach monatelanger Vorbereitung, nachdem 356 Fahrer aus halb Europa gemeldet hatten, nachdem alle Genehmigungen vorlagen und die anspruchsvolle Strecke durch die Dahlener Heide fix und fertig präpariert war. „Das hat uns hart getroffen, auch weil wir viel investiert hatten und bei der Rundfahrt stets einen Großteil unserer Einnahmen generieren, von denen wir das ganze Jahr über leben“, beschreibt Scholz das Dilemma, „die Kosten für das Gelände, Pacht und Versicherungen, laufen ja weiter. Derzeit brauchen wir unsere letzten Reserven auf, irgendwann ist Schluss.“

Noch kein Ausweichtermin

Denn auch in diesem Jahr wird die 26. Auflage von „Rund um Dahlen“ wohl nicht stattfinden, jedenfalls nicht wie gewohnt im März. Angesichts der Corona-Entwicklung und den Reaktionen der Politik hat sich Scholz damit bereits abgefunden. „Der März-Termin ist völlig unrealistisch. Normalerweise wären wir ja mitten in den Vorbereitungen, darauf haben wir wegen des großen Risikos verzichtet. Und unsere Bemühungen um einen Ausweichtermin sind erfolglos verlaufen. Ich glaube, das wird auch 2021 nichts.“

Dem MSC-Chef ist klar, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung ohne Zuschauer und entsprechenden Sponsoren nicht durchzuziehen ist. „Wie sollen wir so unseren Etat von rund 40.000 Euro decken? Allein die Rettungsdienste kosten mehr als 10.000 Euro.“

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Natürlich sind zwei Absagen in Folge besonders bitter, zumal Scholz den Mega-Erfolg von 2019 noch in bester Erinnerung hat. Damals richtete der MSC im Rahmen der Rundfahrt einen Enduro-WM-Lauf aus, hatte an drei tollen Tagen die komplette Weltelite zu Gast. Rund 12.000 Fans erlebten im Heidestadion und an der Strecke begeisternden Sport, der gastgebende MSC erntete Lob von Verbänden und Fahrern, die Medien trugen den Namen des kleinen Dahlen in die große Öffentlichkeit. „Wir haben bewiesen, dass wir auch den ganz großen Motorsport können“, sagt Scholz, „jetzt können – oder besser dürfen – wir gar nichts mehr.“

Anfragen ans Landratsamt

Nicht mal mehr trainieren. Der Burgberg ist dicht und bleibt vorerst dicht, was der Club-Präsident nicht recht verstehen mag. Hygiene-Konzepte liegen vor, die Fahrer würden untereinander im Grunde keinen Kontakt haben, die Einhaltung von Abstandsregeln wäre kein Problem. Zu Beginn des zweiten Lockdowns fragte Lars Scholz beim Landratsamt und beim Sozialministerium an, versuchte, Möglichkeiten auszuloten. Die Antwort war die selbe: Wegen der stark steigenden Infektionszahlen seien keine Kompromisse möglich, das Training bleibe untersagt. „Viele Fahrer der Region, auch unsere Mitglieder, sind dann nach Sachsen-Anhalt oder Brandenburg ausgewichen, wo Training und sogar Wettkämpfe noch möglich waren. Jetzt ist natürlich auch dort alles geschlossen.“

Vor gut einer Woche wandte sich der MSC-Chef nochmals ans Landratsamt, wartet bisher auf eine Reaktion. „Wenn sich bis April an den Verboten nichts ändert, werde ich es erneut probieren, das bin ich unseren Mitgliedern schuldig. Weil nicht trainiert werden kann, steigt die Verletzungsgefahr für die kommende Saison enorm.“ Illusionen hegt Scholz aber keine. „Wenn wir Glück haben, können wir vielleicht im Sommer einige Motocross-Rennen austragen“, glaubt er, hält die Anziehungskraft des MSC aber für ungebrochen.

So hat sich vor kurzem Luca Fischeder wegen der (normalerweise) guten Bedingungen als Mitglied in Dahlen angemeldet. Der 21-Jährige aus Geringswalde gilt als Riesentalent, holte sich 2019 den Titel in der Deutschen Enduro-Jugend-Meisterschaft und kam in der Youth-Kategorie der EnduroGP-Weltmeisterschaft auf Gesamtrang neun. „Es wird irgendwann wieder losgehen, es werden bessere Zeiten kommen“, ist Lars Scholz überzeugt, „die Lage drückt zwar ein bisschen auf die Motivation, aber aufgeben werden wir nicht.“

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