21. April 2021 / 11:56 Uhr

MSV Neuruppin steigt in die Oberliga auf

MSV Neuruppin steigt in die Oberliga auf

Dirk Becker
Märkische Allgemeine Zeitung
Pritzwalker FHV gegen den FSV Veritas Wittenberge/Breese im Prignitzderby der Landesklasse West.
Pritzwalker FHV gegen den FSV Veritas Wittenberge/Breese im Prignitzderby der Landesklasse West. © Stephan Peglow
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Verdiente Leistung: Markus Hinz vom Pritzwalker FHV und Trainerkollegen aus der Prignitz sehen den Aufstieg des MSV Neuruppin aber auch durchaus kritisch.

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Zum Aufstieg des MSV Neuruppin in die Oberliga hat sich Markus Hinz, Trainer vom Landesklasse-West-Vertreter Pritzwalker FHV so einige Gedanken gemacht. „Erstmal möchte ich dem MSV Neuruppin beglückwünschen zu dem Aufstieg. Ich glaube, auch wenn hier nur sieben Spieltage stattgefunden haben, haben sie es sich am Ende trotzdem verdient. Ich glaube, dass es der MSV auch so geschafft hätte.“ So ganz versteht der Pritzwalker Trainer aber die Aufregung nicht, was die Ab- und Aufsteiger betreffen. „Egal in welcher Liga. Es wurde am Anfang der Saison gesagt, diese Saison wird es Auf- und Absteiger geben, egal an welchem Spieltag wir uns befinden und die Saison abgebrochen werden muss.“ Sicherlich sei es schön, dass es wieder einen Oberligisten im Fußballkreis gibt, aber dass es das Blickfeld auf die Region verstärkt, glaubt Hinz jetzt nicht, „da wir doch leider sehr ländlich gelegen sind, wenn ich das mal aus dem Blickwinkel von Pritzwalk betrachte, da sind wir gewöhnlich endlos weit weg von Neuruppin.“

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MSV Neuruppin braucht Verstärkung für die Oberliga

Was die Chancen für den MSV Neuruppin betreffen, in der Oberliga zu bestehen, so ist Markus Hinz der Meinung, dass es schon ein sehr hartes und undankbares Pflaster ist. „Die Oberliga wird nicht ohne Grund von vielen Mannschaften am Ende als eine sehr undankbare Liga betitelt, mit viel hohem finanziellen und zeitlichem Aufwand für die Vereine, aber auch für die Spieler, gemessen an dem Ertrag, sag ich mal, den die Spieler da rausholen.“ Viele würden sich doch wieder entscheiden, in die Brandenburgliga beziehungsweise in die Verbandsliga zu wechseln. Oder dann den Aufstieg in die Regionalliga forcieren. „Wie sich der MSV da (Oberliga, Anm. d. Red.) präsentieren kann, schwierig. Ich glaube mit dem Kader den sie jetzt haben, reicht es nicht ganz, um sich dort ins sichere Mittelfeld zu manövrieren, da bin ich mir aber sicher, dass Herr Prüfer und auch der Herr Bloch klare Vorstellungen haben und auch nicht blauäugig sind, und da nochmal irgendwo versuchen, sich zu verstärken.“

Abwerben von Spielern ist Alltagsgeschäft

Besteht da nicht die Angst, dass der MSV Neuruppin jetzt verstärkt auch talentierte Spieler in der Region abwirbt? Neuruppin habe ja von sich aus schon irgendwo ein Argument mit der höheren Spielklasse, um talentierte Spieler zu sich zu holen und sie dort in der Entwicklung voranzutreiben. „Das sehe ich nicht immer unbedingt negativ, und wenn die Spieler dann dafür noch finanziell entschädigt werden, ist das meiner Meinung nach sogar in Ordnung. Das Abwerben von Vereinen aus der Region ist Alltagsgeschäft.“ Dagegen müsse sich jeder Verein versuchen zu wehren mit einer besonderen Identifizierung, wenn man eben nicht die finanziellen Mittel habe.„Aber ich glaube in unserem Bereich, aus unserer Region, Pritzwalk oder alles was so weiter weg ist, da wird es glaube ich am Ende nicht mehr für die Oberliga reichen. Ich denke, es wird eher in die Richtung gehen, dass die sich aus dem Berliner und Brandenburger Raum oder vielleicht sogar aus dem Ausland Spieler holen werden.“

Maik Arndt vom SSV Einheit Perleberg sieht Wettbewerb verzerrt

Zum Aufstieg des MSV Neuruppin in die Oberliga äußerten sich auch weitere Trainer aus der Prignitz. Dabei blieben auch kritische Töne nicht aus, besonders was die geringe Anzahl der Spiele betraf. Maik Arndt, Trainer vom Landesligisten SSV Einheit Perleberg: „Ich habe dem MSV schon zum Aufstieg gratuliert. Sicherlich ist es etwas wettbewerbsverzerrend nach acht Spieltagen, aber der MSV war in den letzten Jahren immer dicht dran am Aufstieg. Letztlich wird es sich zeigen, bei hoffentlich normalem Spielbetrieb, ob der Aufstieg gerechtfertigt war. Wir haben im Verein auch schon darüber nachgedacht, ob jüngere Talente vom MSV abgeworben werden könnten, da der Sportliche Leiter Stefan Prüfer viele Jungs von uns gut kennt und selbst trainiert hat. Wir werden alles dafür tun, dass dies erstmal nicht passiert, wollen aber damit jungen Spielern in ihrer Entwicklung keine Steine in den Weg legen. Für unsere Fußballregion sollte es von Vorteil sein, einen Oberligisten im Kreis zu haben.“

Manuel Roeseler vom FSV Veritas Wittenberge/Breese glaubt an den Erfolg des MSV in der Oberliga

Manuel Roeseler, Trainer des FSV Veritas Wittenberge/Breese aus der Landesklasse West: „Ich kann es ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, wie da entschieden wurde. In den Ligen darunter gibt es keine Auf- oder Absteiger und in der Oberliga wird komplett anders entschieden? Die Oberliga ist doch auch noch eine Amateurliga. Aber dafür kann ja der MSV Neuruppin nichts. In dieser Situation hätte wahrscheinlich jede ambitionierte Mannschaft das Aufstiegsrecht wahrgenommen. Ich denke schon, dass der MSV mit gewissen Verstärkungen das Zeug hat, sich in der Liga zu etablieren. Man kann nur hoffen, dass wir mal wieder eine ganze Saison durchspielen können. Ich denke, dass man versuchen wird, zwei bis drei gestandene Oberliga-Spieler zu holen, um mit dem vorhandenen Kader eine Mannschaft zu formen.“

'Verdienter Aufstieg' sagt Steffen Stolz vom SV Eiche 05 Weisen

Steffen Stolz, designierter Trainer des SV Eiche 05 Weisen in der Landesklasse West: „Es waren zwar nur wenige Spieltage, aber die Mannschaft war virtuell Erster und das wäre sie meiner Meinung nach am Ende auch gewesen. Da wird seit Jahren sehr gute Arbeit geleistet, auch im Nachwuchs. Ich werde mir sicher auch mal ein, zwei Spiele ansehen, wenn es die Zeit zulässt. Falls es Talente gibt aus der Region, die dann das Zeug für Oberliga haben, sollten sie sich geehrt fühlen und es versuchen.“

Michael Kenzler vom Meyenburger SV Wacker befürwortet den Schritt der Neuruppiner

Michael Kenzler, Trainer vom Kreisoberligisten Meyenburger SV Wacker: „Aus meiner persönlichen Sicht kann ich diesen Schritt nur befürworten. Für die Fußballregion wäre es ein großer Schritt. Aus eigenem Erleben weiß ich, dass der Wechsel von Leistungsträgern sehr oft aus der egoistischen Brille betrachtet wurde. Jeder Verein sollte sich glücklich schätzen, wenn selbst ausgebildete Talente höherklassig Begehrlichkeiten wecken. Natürlich ist es immer schade, die Mannschaft zu schwächen, aber es überwiegt letztendlich der Stolz, wenn es einer von uns schaffen könnte. Wenn die Mannschaft intakt ist, wird der oder werden die Spieler immer den Weg zurück finden, wie bei uns zum Beispiel die Rückkehr der Wittstocker. Die abwerbende Mannschaft sollte aber von Anfang an sauber spielen und alle Beteiligten miteinbeziehen.“

Hannes Krüger vom Pankower SV Rot-Weiß freut sich mit dem Aufsteiger

Hannes Krüger, Nachfolger von Trainer Patrick Raczkowski vom Kreisoberligisten Pankower SV Rot-Weiß: „Ich stehe der Sache da nicht kritisch entgegen. Ich freue mich eher für den MSV mit. Die Arbeit, die seit Jahren geleistet wird, ist überragend und nun zahlt es sich eben aus. Jeder, der ein Angebot aus der Oberliga bekommt, sollte sich das zweimal überlegen. Spieler, die sich das zutrauen, sollte man keinerlei Steine in den Weg legen und ihnen die Chance ermöglichen, da mal rein zu riechen, auch wenn der Aufwand enorm ist. Das Ziel ist vermutlich erstmal der Klassenerhalt, um sich irgendwann in der Liga zu etablieren.“