26. Februar 2020 / 13:27 Uhr

Mühls Wunsch: Kein Abstieg zum Abschied in Woltwiesche 

Mühls Wunsch: Kein Abstieg zum Abschied in Woltwiesche 

Marvin Behrens
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Bei der Viktoria (von links: Brian Müller, Andreas Peters) geht der Blick nach unten. Das Zusammenspiel muss besser werden als in der Hinserie, wenn der Klassenerhalt gelingen soll.
Bei der Viktoria (von links: Brian Müller, Andreas Peters) geht der Blick nach unten. Das Zusammenspiel muss besser werden als in der Hinserie, wenn der Klassenerhalt gelingen soll. © Ralf Büchler
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Viktoria Woltwiesche ist Drittletzter der Fußball-Bezirksliga. Klar, dass der Abstiegskampf die Rückrunde prägen wird. Trainer Thomas Mühl schildert im PAZ-Wintercheck, dass das besondere Problem der Viktoria die hohe Zahl an Schichtarbeitern und Langzeitverletzten ist.

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In dieser Spielzeit präsentiert sich Viktoria Woltwiesche in der Bezirksliga als Abstiegskandidat. 13 Punkte aus 15 Spielen, in denen die Mannschaft von Thomas Mühl nur 19 Tore erzielte – Zahlen, die eine mögliche Kreisliga-Rückkehr befürchten lassen. Im PAZ-Wintercheck erklärt Thomas Mühl die Gründe für die schlechte Hinrunde, und dass diese Probleme in 20 Jahren Trainerdasein ein Novum für ihn sind. Zum Ausklang seiner Trainerkarriere möchte er aber raus aus dem Keller.

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*Meine Bilanz der Hinrunde: * „Die ist nicht zufriedenstellend. Wir haben ein paar Partien nicht so gut gespielt, wie wir eigentlich können. Aufgrund der ständig wechselnden anwesenden Spieler ist es nicht möglich, eine eingespielte Truppe auf den Platz zu schicken. Wir haben ein breitgefächertes Problemfeld: Wir haben fast 50 Prozent Schichtarbeiter und welche, die am Wochenende arbeiten, etliche Langzeitverletzte, kurzfristig Erkrankte und eine große Anzahl an Urlaubern. Sowas habe ich noch nicht erlebt. Ich bin da nicht böse, aber für uns als Team ist das unbefriedigend und für mich wirklich frustrierend. Klar gibt es auch welche, wie Oliver Bruns, die oft versuchen, die Schicht zu tauschen, aber es ist einfach die Summe. Es ist nicht einer herauszuheben. Das Schöne ist: Die, die zum Training kommen, sind engagiert. Aber du kannst nichts einstudieren, die Spieler werden nicht fit.“

Mein Spieler der Hinrunde: „Unser Torwart Stefan Ebeling. Er ist konkurrenzlos, aber trotzdem der Spieler mit der meisten Trainingsbeteiligung. Das ist nicht selbstverständlich, wenn man nebenbei ein Haus renoviert.“

Meine Pechvögel der Hinrunde: „Thomas Bucklisch. Er hat Probleme im Adduktorenbereich, er war bei Spezialisten in Berlin und Rostock, doch sie finden nichts heraus. Ich habe gehofft, dass er uns nochmal helfen kann. Adrian Mühl hat mit Achillessehnenproblemen seine Karriere beendet – auf Anraten des Osteopathen, denn wenn er weiter spielt, würde er sich wahrscheinlich die Sehne reißen. Und Timo Puchalowitz, der ständig Rückenprobleme hat.“

Mehr Teams im PAZ-Wintercheck

Mein Highlight der Hinrunde: „Wenn ich mal viele Spieler beim Training hatte (lacht). Das Spiel in Schöppenstedt wäre als Beispiel zu nennen. Da hatten wir viele nicht an Bord. Die Mannschaft hat sehr gut gefightet und verdient 3:1 gewonnen.“

Meine Enttäuschung der Hinrunde: „Am 10. November in Wenden, wo wir uns gegen den Tabellenletzten viel vorgenommen hatten, aber nichts umsetzen konnten. Wir lagen schnell 0:2 hinten, sind dann auf 1:2 rangekommen und verlieren am Ende 1:4.“

Generell hat Mühl ein größer werdendes Einstellungsproblem bei den Fußballern von heute ausgemacht und nennt einen Spieler, an dem sich andere ein Beispiel nehmen dürften: „Wenn ich Matthias Steinert sehe mit seinen Anfang 50 – der ist jedesmal beim Training. Der kommt sogar am Geburtstag seiner Mutter zum Training – das würde ich mir von vielen Jüngeren auch wünschen.“

*Meine Erwartungen an die Rückrunde: * „Ich erwarte schon, dass wir uns alle zusammenreißen. Im Moment ziehen die Jungs gut mit, doch die Probleme sind existent. Aber die Spieler, die da sind, sind motiviert. Ich hoffe, dass wir das auf den Platz bringen können.“

Die Zukunft des Trainers: Mühls Vertrag läuft im Sommer aus. „Das ist mein letztes halbes Jahr als Trainer, das habe ich dem Verein im September mitgeteilt. Ich habe keine Lust, mich Woche für Woche zu ärgern. Da ist der Akku irgendwann leer. In meinem Alter muss ich nicht die ganze Woche über Fußball nachdenken und am Wochenende kannst du dann nicht die Spieler aufstellen, die du willst“, sagt der Viktoria-Trainer. Mühl schlug 2000 seine Trainerlaufbahn ein. Im Peiner Kreis war er sechs Jahre beim SV Lengede, bevor er sechs Jahre bei Armina Vechelde arbeitete. Vor dieser Zeit war er zwei Jahre bei Teutonia Groß Lafferde und jetzt ebenso lange bei der Viktoria an der Seitenlinie. „Mir wird sicherlich etwas fehlen, ich bin seit meinem 18 Lebensjahr Trainer. Dieses regelmäßige Treffen mit ‚Gleichgesinnten’ wird mir fehlen, aber so ist das nun mal. Ich werde dieses Jahr 55 und irgendwann reicht’s dann auch.“

Abgänge: Huseyin Dogan (Eintracht Braunschweig), Phil Ruppert (Fortuna Lebenstedt), Dominik Berger (berufsbedingt in Berlin) und Nils Lütge (Karriere-Ende wegen Kreuzbandriss).

Zugänge: Mit Nuri Arslan (FC Germania Bleckenstedt) kommt „ein technisch versierter Linksfuß fürs Mittelfeld“, beschreibt Mühl.