22. Juni 2021 / 16:45 Uhr

Solidarität, Protest, Bedauern: Profi-Fußball zeigt sich in Regenbogen-Debatte geschlossen

Solidarität, Protest, Bedauern: Profi-Fußball zeigt sich in Regenbogen-Debatte geschlossen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Thomas Hitzlsperger (l.) und Herbert Hainer stellten sich gegen die Entscheidung der UEFA bezüglich der Beleuchtung der Münchener EM-Arena.
Thomas Hitzlsperger (l.) und Herbert Hainer stellten sich gegen die Entscheidung der UEFA bezüglich der Beleuchtung der Münchener EM-Arena. © IMAGO/Sven Simon/Poolfoto (Montage)
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Mit Thomas Hitzlsperger vom VfB Stuttgart und Herbert Hainer vom FC Bayern München haben sich zwei Klub-Bosse aus der Bundesliga gegen die UEFA-Entscheidung positioniert, die Münchener EM-Arena am Mittwoch nicht in Regenbogenfarben zu beleuchten. Mehrere Bundesligisten zeigen sich solidarisch.

Der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat die UEFA im Zusammenhang mit dem Verbot für eine Beleuchtung der Münchner EM-Arena in Regenbogenfarben in die Pflicht genommen. "Denkt an die, die immer noch diskriminiert werden. Sie brauchen Unterstützung. Eure Unterstützung auch!", schrieb Hitzlsperger am Dienstag bei Twitter. Der 39-Jährige, der als Vorstandsvorsitzender beim Bundesligisten VfB Stuttgart tätig ist, hatte 2014 nach Abschluss seiner Karriere öffentlich gemacht, dass er homosexuell ist.

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Präsident Herbert Hainer vom FC Bayern München deutete Bedauern über die UEFA-Entscheidung an. "Wir hätten uns gefreut, wenn die Allianz Arena am Mittwoch in den Regenbogenfarben hätte strahlen können. Weltoffenheit und Toleranz sind grundsätzliche Werte, für die unsere Gesellschaft steht und für die der FC Bayern steht. Deshalb beleuchtet der FC Bayern seit einigen Jahren sein Stadion beispielsweise am Christopher Street Day in den Farben der Vielfalt", ließ Hainer über den Twitter-Account des deutschen Rekordmeisters verbreiten.

Mehrere Bundesliga-Stadien in Regenbogenfarben

Aus dem deutschen Profifußball gab es weitere Reaktionen, die in eine ähnliche Richtung wiesen. Bundesliga-Absteiger Schalke 04 postete ein Foto vom Videowürfel seiner Arena, auf der eine Regenbogenfahne eingeblendet war. Dazu schrieb S04: "Keine Provokation, sondern eine Selbstverständlichkeit! Der S04 steht für Vielfalt und Toleranz." Auf dem Profil des Berliner Olympiastadions war zu lesen: "Wenn es um Toleranz und Menschenrechte geht, sind wir dabei - morgen, ab 21.00 Uhr."

Neben Berlin kündigten auch andere Städte wie Köln, Frankfurt, Wolfsburg und Augsburg an, ihr Stadion am Mittwoch zeitgleich zur EM-Partie der deutschen Nationalelf gegen Ungarn bunt beleuchten zu wollen. „Wenn die UEFA ein solch selbstverständliches und wichtiges Zeichen in München im Rahmen des EM-Spiels nicht zulässt, dann wollen wir dies gerne tun und freuen uns, unsere schöne Fassade in bunten Farben erleuchten zu lassen", sagte Michael Ströll, Geschäftsführer des FC Augsburg. Andere Bundesligaklubs wie der FSV Mainz 05, Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach oder der VfL Bochum erklärten sich solidarisch, können aus technischen Gründen aber nicht an der Aktion teilnehmen.

Zu der Aktion aufgerufen hatte Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann. "Wenn München am Mittwoch nicht darf, dann müssen eben die anderen Stadien im Land Farbe bekennen. Auf jetzt, Kollegen in der Liga", twitterte er bereits in der Nacht zum Dienstag und kündigte an: "Der Deutsche Bank Park schaltet zum Spiel gegen Ungarn den Regenbogen an. Das Waldstadion bleibt bunt."

Lineker-Appell an die Stadt: "Tu es, München"

Vor dem Bremer Weserstadion wurden am Dienstag Regenbogenfahnen gehisst. Dazu teilte der Bundesliga-Absteiger via Twitter mit: "SELBSTVERSTÄNDLICH sind wir auch dabei! Volle Solidarität!" Auch in Mönchengladbach werden entsprechende Fahnen gehisst. In Dortmund soll zwar nicht das Stadion des BVB in Regenbogenfarben getaucht werden, dafür aber unter anderem das Deutsche Fußballmuseum.


Der ehemalige englische Stürmer Gary Lineker appellierte an die Stadt München: "Tu es, München. (...) Lass es leuchten, so dass es die Welt sieht." Der französische Nationalspieler Antoine Griezmann postete auf seinem Twitter-Account ein Bild von der in Regenbogenfarben beleuchteten Münchener Arena. Die UEFA hatte zuvor entschieden, dass das EM-Stadion in München beim Gruppenfinale der deutschen Nationalmannschaft gegen Ungarn an diesem Mittwoch nicht in Regenbogenfarben als Zeichen für Toleranz und Gleichstellung erstrahlen darf. Die UEFA lehnte einen entsprechenden Antrag des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD) ab.

"Die UEFA ist jedoch aufgrund ihrer Statuten eine politisch und religiös neutrale Organisation. Angesichts des politischen Kontextes dieser speziellen Anfrage - eine Botschaft, die auf eine Entscheidung des ungarischen Parlaments abzielt - muss die UEFA diese Anfrage ablehnen", hieß es in der Begründung des Verbandes: "Dennoch hat die UEFA der Stadt München vorgeschlagen, das Stadion entweder am 28. Juni - dem Christopher Street Liberation Day - oder zwischen dem 3. und 9. Juli, der Christopher Street Day Woche in München, mit den Regenbogenfarben zu beleuchten."