20. Juli 2017 / 08:06 Uhr

"Müssen Nummer eins im Norden sein": Tarnat stellt Plan für die 96-Akademie vor

"Müssen Nummer eins im Norden sein": Tarnat stellt Plan für die 96-Akademie vor

Dirk Tietenberg
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Michael Tarnat in der Akademie.
Michael Tarnat in der Akademie. © Lobback
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Ex-Profi Michael Tarnat leitet das Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96 und verfolgt einen ambitionierten Drei-Jahres-Plan, um die Jugendlichen an die Profis heranzuführen.

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Als Michael Tarnat selbst noch ein Talent beim SV Hilden-Nord bei Düsseldorf war, arbeitete sein Vater Werner dort als Platzwart. „Ab und zu komme ich mir auch so vor“, gesteht Michael Tarnat (47). Der neue Chef der 96-Talente-Akademie steht oft draußen wie ein Wart neben einem Platz, redet mit Trainern, beobachtet Talente und freut sich, wenn sie aufblühen. „Ich arbeite viel mit meinem Auge“, erklärt Tarnat.

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​Tarnat ist wieder zu Hause

Er sei „nicht der Typ, der vorm Computer sitzt, aber ich weiß, wie er angeht“. Tarnat schaut den Leuten lieber in die Augen, als ihnen E-Mails zu schreiben. Zu Helge Sandström, der sich um die Grünflächen an der Eilenriede kümmert, „habe ich gesagt: Als mein Vater den Rasen gemacht hat, da sah er nicht so schlecht aus. Da haben wir gelacht“. Auch Tarnat muss lachen, angesprochen auf seine ersten Tage in Hannover. Fünf Jahre war er Profi und Star der Stadt, seit 20 Tagen arbeitet er wieder für 96. „Meine Einschätzung war: Okay, ich bin wieder zu Hause.“ Als Tarnat seine frühere Heimat 2009 verließ, sah der 96-Talenteschuppen aus wie eine Ruine. „Da hätte ich meinem Sohn Niklas am liebsten gesagt, du duschst zu Hause.“ Als er jetzt die neue Akademie sah mit den vielen Plätzen, dem Stadion und den Funktionsräumen, „da musste ich sagen: So eine Infrastruktur hatten wir an der Säbener Straße bei den Bayern nicht“. Inzwischen rüsteten die Bayern ihr Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) nach. Aber Hannover, so hört Tarnat auch in der Szene, „hat eines der führenden NLZs in Deutschland“.

Das ist das neue NLZ von Hannover 96 (eröffnete im Oktober 2016)

Neues NLZ ist fertig: Hannover 96 eröffnet die Akademie Zur Galerie
Neues NLZ ist fertig: Hannover 96 eröffnet "die Akademie" © Florian Petrow

​"Müssen im Jugendfußball Nummer eins im Norden sein"

Es liege nun an ihm selbst, „die Hülle mit Leben zu füllen“. Tarnat verfolgt einen Drei-Jahres-Plan. So lange läuft auch sein Vertrag. „Wir werden in drei Jahren den einen oder anderen Spieler oben haben. Davon bin ich überzeugt.“ Welchen Fußball lehrt Tarnat? Offensiv soll er sein, Ballbesitz-orientiert und dominant. „Das war mein Credo auch in München“, sagt er. Den Bayern-Leitsatz „Mia san mia“ übersetzte Tarnat gestern selbstbewusst ins Norddeutsche. „Wir müssen selbstsicher auftreten. Wir müssen im Jugendfußball die Nummer eins im Norden sein, das ist mein Ziel, das ist mein Anspruch.“ Dafür arbeitet Tarnat – der Name hilft natürlich. 96 hatte nie einen erfolgreicheren Spieler als den Weltpokalsieger. Der Name allein? „Nützt nichts, wenn ich mich acht Stunden hinsetze, um vier Uhr heimgehe und sage: Hallelujah!“

Michael Tarnat präsentierte im Juli 2017 seinen neuen Arbeitsplatz bei Hannover 96

Michael Tarnat in der Akademie. Zur Galerie
Michael Tarnat in der Akademie. © Lobback

​Die persönliche Bindung zu den Jugendlichen

Tarnat will ständig präsent sein, er sucht Nähe zu Talenten, will sie persönlich „einnorden“, sollte es nötig sein. Der große Fußball im großen Stadion, „das reizt mich gar nicht mehr, ich schaue lieber meine eigenen Jugendlichen“, sagt er. In der Akademie möchte er die Jugendlichen nach oben bringen, möglichst im 96-Trikot (hier seht Ihr, welche 96-Talente in den letzten Jahren wechselten). Er, Tarnat, war da schon, da oben.


Der Weltpokalsieger wirkt bodenständig, wie er seinen Job beschreibt. Die Arbeit hat tatsächlich viel gemeinsam mit dem Lebenswerk seines Vaters Werner: Er muss seine Spielwiese prüfen, pflegen und sie gießen, dann wächst auch was heran. Hoffentlich etwas Großes .