20. November 2020 / 17:31 Uhr

"Musste nicht lange überlegen": Jan Walle ist zurück an der Alten Försterei

"Musste nicht lange überlegen": Jan Walle ist zurück an der Alten Försterei

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Jan Walle spielte drei Jahre für den RSV Eintracht, bis es ihn an die Seitenlinie zog. Zunächst als Co-Trainer von André Kather und dann als Cheftrainer (r.).
Jan Walle spielte drei Jahre für den RSV Eintracht, bis es ihn an die Seitenlinie zog. Zunächst als Co-Trainer von André Kather und dann als Cheftrainer (r.). © Jan Kuppert, Benjamin Feller - SPORTBUZZER-Montage
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Jan Walle, der unter anderem den RSV Eintracht trainierte, ist heute Co-Trainer der A-Junioren von Union Berlin.

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Der (vorläufige) Abschied von der Brandenburger Fußball-Landkarte war für Jan Walle herbe Enttäuschung und glücklicher Umstand zugleich. „Ich hätte mir sicherlich ein schöneres Ende gewünscht“, sagt der heute 44-Jährige mit Blick auf seine Entlassung als Trainer beim damaligen Brandenburgligisten RSV Eintracht 1949 im September 2015. „Nach einem totalen Umbruch im Kader“ war der RSV, der in der Saison davor erstmals in der höchsten Spielklasse Brandenburgs an den Start ging und unter Chefcoach Walle den Klassenerhalt schaffte, mit drei Niederlagen in die Saison 2015/16 gestartet. Nach der Entscheidung der sportlichen Leitung, sich von ihm zu trennen, folgte beim RSV eine Chaossaison mit insgesamt fünf Trainern und dem Abstieg in die Landesliga.

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„Rückblickend wäre ich ohne diese Entlassung heute wohl nicht da, wo ich bin“, zeigt sich der Berliner mit seinem Werdegang nach dem Abschied von der Stahnsdorfer Zillestraße – „ich hatte dort eine interessante und erfolgreiche Zeit, wurde in vielen Dingen unterstützt und konnte als Großfeldkoordinator im Nachwuchs positiv einwirken“ - absolut im Reinen.

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Zunächst übernahm er den Trainerposten bei den C-Junioren von Tennis Borussia Berlin, ehe ihn sein Weg über den Nachwuchs des FC Hertha 03 Zehlendorf zu Union Berlin führte. Seit 1. Juli 2019 ist er dort hauptamtlicher Co-Trainer der Bundesliga-A-Junioren. „Der Kontakt zu Union ist seit meiner Zeit als aktiver Spieler eigentlich nie abgebrochen. Als das Angebot kam, musste ich nicht lange überlegen“, sagt der gebürtige Norddeutsche, der beim TuS Holstein Quickborn in Schleswig-Holstein mit dem Kicken begann und nach seinem Umzug in die Hauptstadt die Nachwuchsabteilung von Tennis Borussia Berlin durchlief.

Aktuell arbeiten Walle und sein Cheftrainer André Vilk aufgrund des ausgesetzten Spielbetriebs vor allem im „individuellen Bereich“ und über „Online-Trainingseinheiten“, wie Walle berichtet und betont, dass er sich im Nachwuchsbereich pudelwohl fühlt. „Mit all seinen Eigenschaften ist der Jugendfußball ehrlicher und dankbarer“, findet er, sagt aber auch: „Die Beraterlandschaft ist auch dort in den vergangenen Jahren ungemütlicher geworden. Aber darum müssen wir uns als Trainer zum Glück nicht direkt kümmern.“

Nach dem Sprung vom Klein- auf das Großfeld, sei der von den A-Junioren zu den Männern der größte für einen Fußballer, schätzt er ein und will zusammen mit seinen Mitstreitern dafür sorgen, dass der eiserne Nachwuchs diesen Übergang so gut wie möglich schafft und so lange wie möglich den Traum vom Profifußball träumen darf. „Den hat doch jeder Fußballer irgendwann einmal gehabt und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass dieser Weg mit vielen Höhen und Tiefen gepflastert ist“, berichtet Walle und lässt seine eigene Zeit als Aktiver Revue passieren.

Denn auch er träumte den Traum vom ganz großen Durchbruch, der ihm letztlich aber verwehrt blieb. 1995 nahm er mit der deutschen U20-Nationalmannschaft bei der WM in Katar teil, erzielte ein Tor und traf bei Australien unter anderem auf den späteren Premier-League-Spieler Mark Viduka. Im Tor des DFB-Teams stand der spätere Bundesliga-Keeper Simon Jentzsch. Zu diesem Zeitpunkt hatte JanWalle mit einem Oberschenkelbruch schon seine erste schwere Verletzung hinter sich. Zahlreiche weitere folgten. „Mit 21 hatte ich schon vier Knieoperationen“, berichtet der 1,86 Meter große Kicker, der insgesamt 20 U-Länderspiele für Deutschland bestritt.

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Nach seinen ersten Schritten im Männerbereich von TeBe wechselte er zum FC 08 Homburg und von da zu Union Berlin, wo er sich aufgrund weiterer Verletzungen nicht durchsetzen konnte. „Mit 24 habe ich mich dann endgültig entschlossen, nicht alles auf die Karte Fußball zu setzen und eine Ausbildung anzufangen“, erinnert sich der gelernte Sportkaufmann, der heute jedem Fußballer empfiehlt, zweigleisig zu planen. „Es kann alles ganz schnell vorbei sein und dann steht man mit leeren Händen da.“

Das verhinderte Walle, spielte dennoch auf ambitioniertem Niveau und kam in der Spielzeit 2004/05 erstmals direkt mit dem Brandenburger Fußball in Berührung. Sein Oberligajahr beim Ludwigsfelder FC hat er „als richtig gutes“ in Erinnerung. „Wir hatten eine intakte Truppe zusammen, mit der es viel Spaß gemacht hat.“ Unter Trainer Volker Löbenberg und an der Seite von Mitspielern wie Ex-Nationalspieler Jörg Heinrich empfahl sich Walle, der in seiner Vita insgesamt 83 Dritt- und 166 Viertligaspiele zu stehen hat, mit starken Leistungen für ein Engagement beim Halleschen FC, dem er sich im Sommer 2005 anschloss.

Nach – erneut verletzungsbedingt – nur elf Einsätzen beim HFC, folgte 2006 der Wechsel zum MSV Neuruppin. Der verhinderte nach einer schwierigen Saison, die vom „Stadtwerkeskandal“ überschattet wurde, den drohenden Abstieg erst in den Relegationsspielen gegen den FC Carl Zeiss Jena II. „Sportlich haben wir uns da sicherlich alle mehr vorgestellt. Das war dennoch ein schönes, wenn auch sehr turbulentes Jahr. Solche Begleiterscheinungen gehören eben auch zum Fußball“, weiß Walle, den es nach anschließenden eineinhalb Jahren beim BFC Preussen in Berlin im Januar 2009 zum FSV 63 Luckenwalde verschlug.

„Ich kam damals zusammen mit Ingo Nachtigall, der das Traineramt übernahm“, erinnert sich der langjährige Geschäftsführer eines Unternehmens aus dem Bereich Gesundheitswesen an die Zeit beim FSV, die im Juni 2009 mit dem Aufstieg von der Brandenburg- in die Oberliga gekrönt wurde. „Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Euphorie in der Stadt. Das Stadion wurde von Spiel zu Spiel voller, das war der absolute Wahnsinn und es erfüllt mich noch heute mit Stolz, Teil dieser Aufstiegsmannschaft gewesen zu sein.“ Nach einem ganz starken vierten Platz als Aufsteiger schlug Walle 2010 das letzte Kapitel seiner aktiven Laufbahn ein, welches zugleich der Beginn seiner Trainerzeit – inzwischen ist er im Besitz der A-Lizenz - werden sollte.

Er wechselte zum ambitionierten Landesklasse-Vertreter RSV Eintracht 1949 und stieg unter Chefcoach Dragan Radic in die Landesliga auf. „Da haben wir uns dann zwei Jahre ganz schön gequält und den anvisierten Aufstieg in die Brandenburgliga nicht geschafft.“ Im Sommer 2013 bekam er das Angebot Co-Trainer von André Kather zu werden. Gemeinsam schafften sie den Aufstieg und nachdem sich der RSV und Kather nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen konnten, rückte Walle in die vorderste Reihe.

Ob er sich vorstellen kann, nach vielen Jahren im Jugendbereich irgendwann wieder eine Männermannschaft trainieren zu können? „Das wird sich zeigen. Erfolg brauchst du auf beiden Ebenen, die Ellbogengesellschaft ist im Erwachsenenbereich aber noch ausgeprägter, jeder denkt zuerst an seinen eigenen Vorteil. Im Nachwuchs geht es nicht nur um Ergebnisse, sondern auch um die Entwicklung der Jungs.“ Momentan sei er mit seiner Rolle absolut zufrieden. Jetzt muss nur noch das runde Leder wieder rollen, das JanWalle quasi sein ganzes Leben lang begleitet hat.