14. Oktober 2020 / 17:37 Uhr

MV-Golf-Präsident Rüdiger Born: Wir haben von Corona auch profitiert

MV-Golf-Präsident Rüdiger Born: Wir haben von Corona auch profitiert

Alexander Loew
Ostsee-Zeitung
Kann mit dem Schläger umgehen: Der Präsident des Golfverbandes MV, Rüdiger Born, auf der Anlage von Winston-Golf bei Schwerin.
Kann mit dem Schläger umgehen: Der Präsident des Golfverbandes MV, Rüdiger Born, auf der Anlage von Winston-Golf bei Schwerin. © Dietmar Lilienthal
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Zwar mussten auch die Golfanlagen in Mecklenburg-Vorpommern zum Höhepunkt der Corona-Pandemie schließen. Verluste konnten aber aufgefangen werden, da viele Golftouristen nach dem Lockdown Risikoregionen im Ausland mieden und lieber nach MV kamen. Das habe dem Land viel Renomée gebracht, sagt sein „oberster Golfer“.

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Corona hat auch den Sport stark beeinträchtigt. Die Golfer im Land haben in der Pandemie aber viel Prestige gewonnen und vom Deutschland-Boom profitiert. „Wir merken ein großes Interesse an unserem Sport, der viel Raum und frische Luft bietet“, sagt der Präsident des Golfverbandes MV, Rüdiger Born, im OZ-Interview. Die 17 Golfanlagen seien relativ gut durch die Krise gekommen. Deshalb planen einige von ihnen nun auch neue Investitionen.

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OZ: Herr Born, wie geht es den Golfanlagen in MV nach dieser Corona-Saison?

Rüdiger Born: Relativ gut. Viel besser als man zu Beginn der Pandemie erwarten konnte.

Woran machen Sie das fest?

An der enormen Nachfrage auf unseren Anlagen, die ja sehr touristisch geprägt sind – also zu einem großen Anteil von Urlaubern gespielt werden. Wir haben da sehr vom Deutschland-Boom profitiert.

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Heißt: Spieler, die es sonst in die klassischen Golfregionen Mallorca, Portugal oder Südfrankreich zieht, haben die Risikoregionen gemieden und sind lieber nach MV gekommen?

Genau. Die Corona-Krise hatte, was das betrifft, sogar etwas Gutes für uns. Viele Menschen sind auch erstmals in unser Bundesland gekommen und haben festgestellt, wie schön es hier ist. Davon werden unsere Golfanlagen auch in den nächsten Jahren profitieren. Das Golfland Fleesensee beispielsweise in Göhren-Lebbin bei Waren war so gut gebucht wie nie zuvor. In dieser Situation hat nun auch die jahrelange gute Werbung von Anlagen und Verband für unseren Standort gefruchtet.

Jetzt, zum Ende der Saison, müssen die Anlagen allerdings wieder mit Beherbergungsverboten für einige deutsche Regionen kämpfen.

Das ist in er Tat misslich. Für mich persönlich sind diese Reiseverbote innerhalb Deutschlands auch unverständlich. Zum Glück ist aber ein großer Teil der Spielzeit bereits durch, weshalb es uns nicht ganz so hart trifft. Zu Beginn der Saison hatten wir das Glück, relativ schnell nach dem Lockdown wieder auf die Plätze zu dürfen.

Am 20. April durften Sie nach gut einem Monat Platzschließungen wieder spielen.

Ja, als erste Sportart mit Tennis in MV. Auch weil wir uns als Verband sehr stark dafür eingesetzt haben. Weil die Beschränkungen in die Randzeiten der Saison fielen beziehungsweise nun fallen, hat sich der Schaden für die meisten Betreiber in Grenzen gehalten und konnte im Sommer und Spätherbst gut aufgefangen werden.

Merken Sie grundsätzlich eine stärkere Nachfrage für Ihre Sportart, da sie ja als relativ „coronasicher“ gilt?

Auf jeden Fall. Wir können das jetzt zwar noch nicht genau beziffern, aber die Rückmeldung von unseren 17 Anlagen ist, dass sich deutlich mehr Leute als in den Vorjahren für Schnupperkurse angemeldet haben. Golf ist ja auch optimal in diesem Zeiten. Man ist viel an der frischen Luft, hat Platz, keinen Körperkontakt. Unsere Mitgliederzahl von 18 000 in den 17 Clubs haben wir in diesem Jahr gehalten. Damit sind wir nach Fußball der zweitgrößte Verband in MV.

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Gibt es im nächsten Jahr weitere große Investitionen im Golfsport von MV?

Ja tatsächlich, trotz der durch die Krise eher schwierigen Wirtschaftslage. Die Golfanlage Wittenbeck bei Kühlungsborn will nun ein neues Clubhaus und Ferienhäuser bauen. In Hohen Wieschendorf bei Wismar planen Investoren, die Anlage wieder auf Topstandard zu bringen – nachdem es dort zuletzt ja nur noch eine Art Naturplatz gab.

Planen Sie als Verband Aktivitäten, um den jüngsten Aufwind für den Golfsport noch zu verstärken?

Mit der Landesregierung sind wir in Gesprächen für eine großangelegte Imagekampagne. Da soll es darum gehen: Welche Sportarten und Freizeitaktivitäten kann man in MV besonders gut ausüben. Da soll Golf auch dabei sein, denn der Sport ist mit den schönen Anlagen beste Werbung für uns. Schon jetzt kommen jährlich 150 000 Golftouristen ins Land – und ein hoher Anteil, etwa 17 Prozent, sind internationale Gäste – vorwiegend aus Nordeuropa, Holland und der Schweiz.