17. August 2019 / 11:27 Uhr

Mythos Alte Försterei und "Fußball pur" – RB Leipzigs Auftaktgegner Union Berlin

Mythos Alte Försterei und "Fußball pur" – RB Leipzigs Auftaktgegner Union Berlin

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
Sebastian Fiebrigs Herz schlägt für die Eisernen.
Sebastian Fiebrigs Herz schlägt für die Eisernen. © Getty Images / Privat
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Ein legendäres Stadion, eine Fanszene als Familie und ein unaufgeregter Erfolgs-Trainer – Blogger und Podcaster Sebastian Fiebrig erklärt im SPORTBUZZER-Interview die Faszination für RB Leipzigs Auftaktgegner, den 1. FC Union Berlin.

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Leipzig/Berlin. RB Leipzig bekommt es zum Auftakt der Bundesliga-Saison mit Aufsteiger Union Berlin zu tun. Vollblutfan Sebastian Fiebrig, der unter anderem seit 2009 im Podcast "Textilvergehen" alle Themen rund um den Köpenicker Traditionsverein bespricht, erklärt im Interview den Grundsatz "Fußball pur", den Aufstieg unter Trainer Urs Fischer und warum Protest gegen RB aus seiner Sicht legitim ist.

Herr Fiebrig, warum ist Union Berlin eine Bereicherung für die Bundesliga?

Hier werden Sachen nicht so gemacht, weil sie schon immer so gemacht wurden. Union sucht nach einem eigenen Weg.

Zum Beispiel?

Die krassesten Unterschiede merkt man im Stadion. Du hast keine Show vor und während des Spiels. Da macht ein LKW-Kraftfahrer als DJ die Stadionmusik. Irgendwann kommt der Stadionsprecher auf den Rasen, begrüßt die Fans und die Aufstellungen werden verlesen. Nochmal Musik und dann kommt die Hymne. Das war's. Es gibt auch keine Zwischenstände aus anderen Stadien, Eckball-Präsentationen oder Tor-Jingle. Das ganze Entertainment, was vom Spiel ablenkt, fällt weg – Fußball pur.

In Bildern: So feierte Union den historischen Aufstieg in die Bundesliga

Nach einem 0:0 im Relegations-Rückspiel gegen den VfB Stuttgart hat der 1. FC Union Berlin erstmals in seiner Geschichte den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Zur Galerie
Nach einem 0:0 im Relegations-Rückspiel gegen den VfB Stuttgart hat der 1. FC Union Berlin erstmals in seiner Geschichte den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. © dpa
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Die Alte Försterei kennt jeder Fan in Deutschland. Was macht das Stadion aus?

Das wichtigste und augenfälligste ist, dass es ein fast reines Stehplatzstadion ist. Das macht natürlich wahnsinnig viel aus. Ich kann mich in den Sektoren frei bewegen, wenn ich mich mit Freunden treffen will. Es ist sehr kommunikativ und natürlich lässt es sich im Stehen besser singen. Dadurch hast du überall Leute, die singen. Es gibt nicht die "eine" Stimmungsecke. Ziemlich alles ist Fanblock.

Und abseits des Stadions?

Mich persönlich zieht das Gefühl an, was man als Union-Familie bezeichnet, diese Community, die über das Spiel hinausgeht. Man trifft sich natürlich jedes Wochenende, aber es findet auch wahnsinnig viel nebenbei statt. Bekannt ist das Weihnachtssingen oder das Drachenboot-Rennen, auch kleinere Veranstaltungen. Die meisten Aktionen sind aus der Not geboren, als der Verein nicht professionell genug war oder nicht die Mittel hatte, aber die Leute Zeit miteinander verbringen wollten.

Union hat sich mit Anthony Ujah, Neven Subotic und Christian Gentner verstärkt. Sind die großen Namen ein Risiko?

Natürlich sind es Spieler, die eine höhere individuelle Qualität haben. Das ist auch notwendig, um in der Bundesliga zu bestehen und nicht anders, als das, was Union in der zweiten Liga gemacht hat. Da hat man für die Verhältnisse auch ins höhere Regal gegriffen. Im Vergleich zu Vereinen wie Leipzig ist das natürlich lächerlich wenig.

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Warum hat Urs Fischer den Aufstieg geschafft?

Er legt sehr viel Wert darauf, dass die Mannschaft seriös spielt und keinen Quatsch macht, also nicht kopflos wird. Vielleicht ist das eine Sache, die Union früher als Problem hatte. Außerdem hat er ein Talent dafür, eine Mannschaft bei Laune zu halten, die Spieler ernst zu nehmen. Das lässt sich im Erfolgsfall natürlich leicht sagen und wir müssen mal abwarten, wie es ist, wenn es nicht so läuft.

Was ist wichtiger, der Klassenerhalt oder ein Derbysieg gegen die Hertha?

Der Klassenerhalt. Ein Derbysieg ist nett, aber es gibt für mich nicht so eine wahnsinnige Rivalität zur Hertha. Das wäre mir im Zweifelsfall egal.

Die Ultras vom „Wuhlesyndikat" haben für Sonntag einen 15-minütigen Schweigeprotest angekündigt. Nicht alle Unioner sind begeistert.

Beim letzten Aufeinandertreffen war das einfacher und klarer. Jetzt ist es ein sehr historisches Spiel für Union, das erste Bundesligaspiel überhaupt. Dann gehst du da rein, das Herz klopft bis zum Hals und es heißt eine Viertelstunde die Klappe halten.

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21.09.2014: Erstmals treffen RB und die Köpenicker aufeinander. Gespielt wird an der Altern Försterei. Die Union-Fans protestieren gewandet in schwarze Müllsäcke gegen das Konstrukt RB Leipzig. Zur Galerie
21.09.2014: Erstmals treffen RB und die Köpenicker aufeinander. Gespielt wird an der Altern Försterei. Die Union-Fans protestieren gewandet in schwarze Müllsäcke gegen das Konstrukt RB Leipzig. ©

Aber der Protest wird von großen Teilen der Szene unterstützt?

Da gibt es keinen Dissens. Da sind sich alle einig. Es geht um die Art und Weise. Andererseits sind es nur 15 Minuten. Dann wird es laut.

Worum geht es den Fans?

Es ist wichtig, dass man auf Sachen, die man nicht vertritt, aufmerksam macht. Union definiert sich als mitgliederbestimmter Verein. Rasenballsport Leipzig ist da eben der ideologische Gegenentwurf. Ob der Protest was ändern wird, ist eine andere Frage. Aber so kann man an Protest eben auch nicht rangehen.

Wie hat sich die Fanszene im Laufe der letzten Jahre verändert?

Sie ist sehr groß geworden. Vor 18 Jahren haben wir in der zweiten Liga vor 7000 Leuten gespielt. Dann ging es runter bis in die Oberliga und jetzt sind es über 20.000 Mitglieder. Es ist nicht mehr der Ostberliner Arbeiter-Club. Man muss nicht mehr aus Ostdeutschland kommen, um Union gut zu finden. Das finde ich gut. Es ist sehr vielschichtig geworden. Die Faszination überträgt sich. Wer einmal in der Alten Försterei war, wird wissen, was ich meine.

Union Berlin spielt auch nächstes Jahr erste Liga, weil...

… sich die Mannschaft von der Aufregung in der Bundesliga nicht anstecken lässt und der Trainer die Seriosität der letzten Zweitliga-Saison aufrechterhalten wird.

Spieler der Saison wird...

Marvin Friedrich. Da bin ich mir sicher. Er ist ein großartiger, junger Abwehrspieler, der zum Vize-Kapitän gewählt wurde.

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