22. Mai 2021 / 12:11 Uhr

Mythos Monaco-GP: Darauf kommt es bei der "Mutter aller Schlachten" in der Formel 1 an

Mythos Monaco-GP: Darauf kommt es bei der "Mutter aller Schlachten" in der Formel 1 an

Karin Sturm
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ganz eng durch die Häuserschluchten: Der Monaco-Grand-Prix ist immer etwas Besonders. Formel-1-Legende Ayrton Senna gilt bis heute als König von Monaco.
Ganz eng durch die Häuserschluchten: Der Monaco-Grand-Prix ist immer etwas Besonders. Formel-1-Legende Ayrton Senna gilt bis heute als "König" von Monaco. © IMAGO/Motorsport Images (2)/Montage
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Kein anderes Formel-1-Rennen fordert und fasziniert die Piloten gleichermaßen wie der kurvenreiche Straßenkurs von Monaco. Am Sonntag ist es nach einem Jahr Corona-Pause wieder soweit mit dem legendären GP. Ein "König" bleibt unvergessen.

Der große Glamour fehlt in diesem Jahr in Monte Carlo pandemiebedingt, wenn am Sonntag (15 Uhr, Sky) die Ampel für den Großen Preis von Monaco auf Grün springt. Der Aufmarsch der Prominenz, die großen Champagnerpartys in den angesagten Nachtclubs: alles nicht möglich. Doch für die Fahrer ist das nicht ganz so wichtig. Was für sie bleibt: die extremste Herausforderung des Jahres. Das Rennen, wo auch die Fans auf den Tribünen – 7500 pro Tag sind zugelassen – gerade an bestimmten Stellen der Strecke wie am Schwimmbad eindrucksvoll vorgeführt bekommen, wie extrem die heutige Formel 1 mit ihren Geschwindigkeiten wirklich noch ist.

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"Wie Hubschrauber fliegen im Wohnzimmer", so beschrieb einst der dreimalige Weltmeister Nelson Piquet das ganz spezielle Monaco-Feeling, den Kampf in den Straßenschluchten des Fürstentums.

Monaco-Grand-Prix fordert Ausdauer: 1482 Kurven, 4000 Schaltvorgänge

Im Laufe der 78 Rennrunden auf der 3,337 Kilometer langen Strecke, der kürzesten im GP-Kalender, sind es 1482 Kurven, davon 624 nach links und 858 nach rechts, die bewältigt werden müssen, dabei gilt es, über 4000-mal zu schalten. Der Topspeed beträgt in Monaco zwar nur 290 km/h. Entsprechend gehen die Fahrer bei ihren über 50 Gangwechseln pro Runde kein einziges Mal in den achten Gang.

Zumindest körperlich sind diese Schaltorgien heute mit der Wipp-Schaltung am Lenkrad einfacher als früher, als das alles noch per wesentlich anstrengenderem Hand- und Fußeinsatz geleistet werden musste. Damals, in den Zeiten von Niki Lauda oder Ayrton Senna – dem anerkannten ewigen "König von Monaco". Der unvergessene Brasilianer gewann hier insgesamt sechsmal: 1987 – und dann ununterbrochen von 1989 bis 1993.

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Vettel: "Nur wer die Mauer streift, fährt auf die Pole Position"

1988 fuhr er hier die vielleicht beeindruckendste Qualifying-Runde, die es in der Formel 1 je gab: 1,427 Sekunden schneller als Alain Prost im gleichen Auto. Und er beschrieb später einen Zustand, in dem er sich quasi selber beim Fahren zusah: "Ich hatte bereits die Pole, um eine halbe Sekunde, aber ich fuhr immer schneller, eine Sekunde vor meinen Gegnern, dann fast eineinhalb Sekunden. Ich fuhr nur noch nach Instinkt, ich war in einer anderen Dimension, wie in einem Tunnel, jenseits von bewusstem Verständnis. Ich bin ausgestiegen und habe meinen Jungs gesagt: Das ist das Maximum, es gibt keinen Raum, um noch schneller fahren zu können. Dieses Gefühl habe ich nie wieder erreicht."

Die heutige Fahrergeneration ist zwar eher weniger spirituell – aber die Faszination Monaco packt sie noch genauso. Auch Sebastian Vettel. Vor allem an seiner Lieblingsstelle – die auch eine Schlüsselstelle ist, um gerade im hier so wichtigen Qualifying die letzten Hundertstel herauszuquetschen. Den viermaligen Weltmeister begeistert die Kurvenkombination vorbei am Casino: "Da rutscht du gnadenlos auf bedrohlich aussehende Leitschienen zu, während dein Auto von der Straße immer wieder ausgehebelt wird. Willst du hier richtig schnell sein, darfst du nur einen Millimeter zwischen deinen Rädern und den Leitplanken Platz lassen." Sein Fazit: "Nur wer die Mauer streift, fährt auf die Pole Position oder holt zumindest seine optimal mögliche Zeit. Das ist eine brutale Instinktrunde."

Es gibt noch andere, ähnliche Stellen: die berüchtigte schnelle Schwimmbadschikane, wo man zwar voll über die Randsteine fahren muss, aber eben auch schnell in der Leitplanke landet. Die Passage vor der Hafenschikane, auf die man aus dem Tunnel kommend mit knapp Tempo 300 zuschießt. Und die ein Moment zum Ausruhen ist, zum Entspannen.

"Die Konzentration, die man in Monaco braucht, ist 20 bis 30 Prozent höher als auf anderen Strecken“, glaubt Nico Hülkenberg. "Monaco ist die Mutter aller Schlachten. Auf keiner anderen Strecke bekommst du so einen Kick. Du hast das Gefühl, dein Herz steckt in deinem Mund, und das Adrenalin schießt dir durch den Körper."

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