18. Dezember 2019 / 13:08 Uhr

Nach 3:3 beim BVB: Koffer voll Arbeit für RB Leipzigs Julian Nagelsmann

Nach 3:3 beim BVB: Koffer voll Arbeit für RB Leipzigs Julian Nagelsmann

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
DORTMUND, GERMANY - DECEMBER 17: Timo Werner of RB Leipzig celebrates with teammates after scoring his team's second goal during the Bundesliga match between Borussia Dortmund and RB Leipzig at Signal Iduna Park on December 17, 2019 in Dortmund, Germany. (Photo by Jörg Schüler/Bongarts/Getty Images)
Timo Werner traf in Dortmund doppelt. © Getty Images
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Bei RB Leipzig herrscht nach dem 3:3 gegen den BVB Erleichterung über einen glücklichen Punktgewinn. Die erste Halbzeit im Signal-Iduna-Park dürfte Coach Julian Nagelsmann jedoch noch länger beschäftigen.

Leipzig. "Es ist ein glücklicher Punkt, das hat jeder gesehen", Julian Nagelsmann brachte am späten Dienstagabend die Lage bei RB Leipzig gewohnt unverblümt auf den Punkt. In Anbetracht des Spielverlaufs musste tatsächlich jeder auf Seiten der Roten Bullen mit dem Unentschieden gegen Borussia Dortmund zufrieden sein. So hielt auch Marcel Halstenberg fest: „Wenn du in so einem Stadion gegen so eine Mannschaft mit 0:2 zurückliegst, noch mal wiederkommst und 3:3 spielst, bist du zufrieden.“ Ob des irren Spiels und der am Ende etwas unverhofften Punkteteilung kam sogar das Social-Media-Team der Roten Bullen am Mittwochmorgen durcheinander und schrieb bei Facebook zu einem Jubelfoto von Patrik Schick und Timo Werner: "Der Morgen nach dem 1:1 in Dortmund: Ein Punkt, der sich wie Sieg anfühlt!" Das falsche Ergebnis wurde erst rund drei Stunden später mit viel Humor korrigiert.

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Über den zeitweise erschreckend harmlosen Auftritt in Halbzeit eins kann aber auch der richtige Endstand nicht hinwegtäuschen. War Leipzig nach sechs zum Teil berauschenden Liga-Siegen in Serie noch mindestens als ebenbürtiger Kontrahent ins Rennen gegangen, bekamen die Roten Bullen beim 3:3 im Signal-Iduna-Park schon nach wenigen Minuten die eigenen Grenzen aufgezeigt. Entsprechend angefasst wirkte der bekanntlich bis in die Haarspitzen ehrgeizige Chef-Coach der Roten Bullen nach dem Spiel: "Die erste Halbzeit war ein bisschen ernüchternd. Da waren wir chancenlos."

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum 3:3 im Hinspiel

RB Leipzig erkämpft sich nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit ein 3:3-Unentschieden bei Borussia Dortmund. Zur Galerie
RB Leipzig erkämpft sich nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit ein 3:3-Unentschieden bei Borussia Dortmund. ©

Mintzlaff angefressen

Auch RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff zeigte sich ob der Unterlegenheit des Tabellenführers alles andere als erfreut: "Das ist in allen Belangen nicht das, was die Mannschaft kann. Die Mannschaft wirkt unsicher, es fehlt das Selbstvertrauen und die Aggressivität in den Zweikämpfen", sagte der 44-Jährige im Pausen-Gespräch mit Sky.

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DURCHKLICKEN: So kommentiert die Presse das 3:3

Frankfurter Allgemeine: Es fiel den Angehörigen des BVB schwer, den Ärger wirklich zu spüren. Losgelöst vom Ergebnis waren alle Beteiligten erfüllt von diesem süßen Rausch, den dieses atemraubende 3:3 zwischen dem Meisterschaftsanwärter aus dem Revier und den Tabellenführer aus Leipzig erzeugt hatte. […]Dicke Portionen der großen Magie dieses Sports wehten während der 90 Minuten hinaus in die vorweihnachtliche Dezembernacht. Die kritischen Anmerkungen der Beteiligten klangen pflichtbewusst, die Schwärmerei, die folgte, kam hingegen von Herzen.“ Zur Galerie
Frankfurter Allgemeine: "Es fiel den Angehörigen des BVB schwer, den Ärger wirklich zu spüren. Losgelöst vom Ergebnis waren alle Beteiligten erfüllt von diesem süßen Rausch, den dieses atemraubende 3:3 zwischen dem Meisterschaftsanwärter aus dem Revier und den Tabellenführer aus Leipzig erzeugt hatte. […]Dicke Portionen der großen Magie dieses Sports wehten während der 90 Minuten hinaus in die vorweihnachtliche Dezembernacht. Die kritischen Anmerkungen der Beteiligten klangen pflichtbewusst, die Schwärmerei, die folgte, kam hingegen von Herzen.“ ©

Woher der plötzliche Leistungsabfall im Vergleich zu den vergangenen Wochen kam, bleibt vorerst ein Rätsel. Nagelsmann hatte seine Mannschaft zwar mit einem eher ungewohnten 4–3–3 ins Rennen geschickt. Ob dieser taktische Kniff aber tatsächlich ein Fehlgriff war, lässt sich schlussendlich kaum beurteilen, weil es dem Team an Grundsätzlicherem fehlte, wie auch der 32-jährige Trainer nach der Partie bei Sky konstatierte: "Wir müssen aufpassen, dass wir in den Spitzenspielen wie gegen Bayern und Dortmund mutiger sind und uns nicht verstecken. Das war jeweils in der ersten Halbzeit unser Problem. Der Gegner ist sicher in einigen Punkten überlegen, wir dafür in anderen Punkten. Wir haben allen Grund, selbstbewusster aufzutreten."

Zu viel Respekt gegen Top-Teams

Tatsächlich wirkte die Mannschaft wie schon im Heimspiel gegen den deutschen Rekordmeister aus München, bei dem man nach starken Anlaufschwierigkeiten ebenfalls noch zu einem Unentschieden kam, überfordert. Eine vermeintlich höhere Bedeutung des Duells aufgrund der Tabellensituation wollte Nagelsmann jedoch auch gegen den BVB nicht als Alibi akzeptieren: "Für uns war das ein normales Bundesligaspiel und wir waren heute nicht die bessere Mannschaft, sondern die schlechtere.“

DURCHKLICKEN: Die RB-Elf in Dortmund in der Einzelkritik

RB Leipzig hat sich bei Borussia Dortmund einen Punkt erkämpft - nach 0:2-Rückstand. Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Noten der RB-Profis um den Doppeltorschützen Timo Werner. Zur Galerie
RB Leipzig hat sich bei Borussia Dortmund einen Punkt erkämpft - nach 0:2-Rückstand. Der SPORTBUZZER zeigt die Noten der RB-Profis um den Doppeltorschützen Timo Werner. ©

Dennoch lässt sich eine gewisse Schwäche in Top-Spielen nicht wegdiskutieren, zumal diese sich auch in den Ergebnissen widerspiegelt: In der Hinrunde konnte RB nur gegen einen Club aus den aktuellen Top Sieben der Bundesligatabelle gewinnen – am dritten Spieltag beim 3:1-Auswärtserfolg gegen Borussia Mönchengladbach.

Nur ein Sieg gegen die Top Sieben

Während es gegen Leverkusen, Bayern und nun Dortmund zu Unentschieden reichte, setzte es gegen Freiburg und Schalke Niederlagen. Die Bilanz ist ohne Zweifel nicht fatal, zumal man den Abstand auf Schwarz-Gelb bei vier Punkten halten konnte. Ob sie mit Blick auf einen möglichen Titel in der Rückrunde reichen würde, ist jedoch fraglich. Diesbezüglich macht sich auch bei den Roten Bullen niemand Illusionen, wie Mintzlaff gegen den BVB betonte: "Das sind Spiele, die du gewinnen musst, wenn du am Ende ganz oben stehen willst."

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Julian Nagelsmann blickte derweil nach Abpfiff schon wieder gewohnt zielstrebig auf die nächsten Aufgaben: "Wir wischen jetzt den Mund ab und schauen, dass wir den Hinrundenabschluss deutlich besser und erfolgreicher hinbekommen." Am Mittwoch haben Timo Werner & Co. zunächst frei. Danach hat der Coach zwei Tage Zeit, um sein Team auf das letzte Spiel des Jahres am Samstag gegen den FC Augsburg einzustellen. Ein Sieg würde RB wohl die Tabellenführung und die Herbstmeisterschaft sichern. In der Winterpause wird Nagelsmann dann versuchen, sein Team auch in absoluten Spitzenduellen das nötige Selbstvertrauen zu schenken. Ansätze lieferte das Dortmund-Spiel in Halbzeit eins zu genüge, wie der Coach verriet: "Ich nehme viel Arbeit mit und habe einen großen Koffer eingepackt."