13. September 2020 / 09:17 Uhr

Nach 45 Minuten "Kinderfußball" - RSV Eintracht scheitert an Wernsdorf

Nach 45 Minuten "Kinderfußball" - RSV Eintracht scheitert an Wernsdorf

Oliver Schwandt
Märkische Allgemeine Zeitung
Mit diesem Tor in der siebten Minute der Nachspielzeit markiert Gordan Griebsch (M.) das zwischenzeitliche 4:4.
Mit diesem Tor in der siebten Minute der Nachspielzeit markiert Gordan Griebsch (M.) das zwischenzeitliche 4:4. © Oliver Schwandt
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AOK-Landespokal: Der Brandenburgligist SV Frankonia Wernsdorf setzt sich in der dritten Runde gegen den Oberliga-Aufsteiger RSV Eintracht 1949 durch und steht nach einer packenden Begegnung im Achtelfinale.

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Nach einer echten Energieleistung steht Fußball-Brandenburgligist SV Frankonia Wernsdorf im Achtelfinale des AOK-Landespokals. Nach 120 sehr spannenden und teilweise dramatischen Minuten setzten sich die Hausherren vor 209 Zuschauern gegen den bisher ungeschlagenen Nord-Oberligisten RSV Eintracht 1949 mit 5:4 (2:0) nach Verlängerung durch. Matchwinner bei den Dahmeländern waren die beiden unheimlich vor Lauffreude strotzenden Roland Richter und Gordan Griebsch, die beide zusammen alle fünf Frankonia-Tore markierten.

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Wernsdorf-Coach Norbert Welzel wollte nach dem Match aber nicht nur seine Torschützen in den Vordergrund rücken. „Natürlich waren beide echt gut drauf und vor dem gegnerischen Tor immer brandgefährlich. Aber was die gesamte Mannschaft heute gezeigt hat, zollt meinen allergrößten Respekt. Über die gesamte Spielzeit hat sich jeder mit vollem Einsatz reingehauen und alles dafür gegeben, um für eine dicke Pokalsensation zu sorgen. Ich bin richtig stolz auf meine Jungs“, sagte Welzel unmittelbar nach dem Schlusspfiff. In dieser Zeit bedankte sich sein Team bei den eigenen Fans für die Unterstützung. „Unseren Zuschauern gilt mein Dank, da diese uns bei den Heimspielen immer erstklassig nach vorne peitschen“, lobt der Frankonia-Coach den eigenen Anhang.

In Bildern: Frankonia wirft RSV Eintracht nach Neun-Tore-Spektakel aus dem Pokal.

<b>Frankonia Wernsdorf – RSV Eintracht 5:4 nach Verlängerung (2:0, 3:3, 4:4).</b> Tore: 1:0 Roland Richter (40.), 2:0 Gordan Griebsch (44.), 2:1 Felix Matthäs (63.), 2:2 Niklas Goslinowski (65.), 2:3 Torben Neubauer (73.), 3:3 Roland Richter (88.), 3:4 Goslinowski (90.+3), 4:4 Griebsch (90.+7), 5:4 Richter (117.). Zuschauer: 209. Zur Galerie
Frankonia Wernsdorf – RSV Eintracht 5:4 nach Verlängerung (2:0, 3:3, 4:4). Tore: 1:0 Roland Richter (40.), 2:0 Gordan Griebsch (44.), 2:1 Felix Matthäs (63.), 2:2 Niklas Goslinowski (65.), 2:3 Torben Neubauer (73.), 3:3 Roland Richter (88.), 3:4 Goslinowski (90.+3), 4:4 Griebsch (90.+7), 5:4 Richter (117.). Zuschauer: 209. © Oliver Schwandt

Gästetrainer Patrick Hinze, der mit seinem Team als Aufsteiger alle vier bisherigen Oberligapartien gewinnen konnte, wusste ganz genau,warum es nicht zum Weiterkommen reichte. „Ich hatte im Vorfeld vor den langen Bällen auf Griebsch und Richter gewarnt. Wir waren aber nicht in der Lage, das Angesprochene zu verteidigen. Mich hat zudem richtig geärgert, wie wir die Gegentore kassierten, da wir zuvor immer deutlich in Überzahl agierten. In der ersten Halbzeit haben wir für mich Kinderfußball gezeigt, weil wir keine Härte auf den Platz bekommen haben“, so der Eintracht-Coach, „nach der Einwechslung von Matthäs und Goslinowski, die dann den Unterschied ausgemacht haben, konnten wir zwar verdient in Führung gehen, den Vorsprung aber nicht über die Zeit retten.“

Mit erheblichen Personalproblemen mussten die Hausherren in die Partie gehen, denn mit Nico Klockzien, Matthias Reischert (beide Urlaub), Christian Thyron (verletzt) und dem kurzfristig erkrankten Marc Lüdke standen Welzel vier absolute Stammkräfte nicht zur Verfügung. Hinze dagegen musste auf die beiden verletzten Tim Schönfuß und Levi Böttcher verzichten. Das erste Achtungszeichen der Begegnung setzte Frankonia-Kapitän Richter, als er das Leder aus acht Metern knapp am rechten Dreiangel vorbei setzte (5.).

Auf der Gegenseite probierte es Felix Kausch mit einem Abschluss aus 18 Metern, der ebenfalls das Tor verfehlte (10.). 60 Sekunden später verhinderte der sehr stark haltende SV-Keeper Rico Prominski ein Gegentor, als er 30 Meter vor dem Tor mit einer Fußabwehr vor dem alleine vor ihm auftauchenden Fabio Engelhardt den Ball mit letzter Kraft noch wegschlagen konnte. Auch nach 35 Minuten rückte Prominski in den Fokus des Geschehens. Einen platziert geschossenen Freistoß von Dima Ronis aus 19 Metern konnte der Frankonia-Keeper mit einer Glanztat noch aus dem linken Winkel holen. „Ich habe einfach nur meinen Job gemacht“, so der trockene Kommentar des Schlussmanns, der im weiteren Spielverlauf noch weitere gute Paraden zeigte.

Tino Kapannusch und Dima Ronis müssen ins Krankenhaus

Von seinem Tor aus beobachte er anschließend ganz entspannt, wie nach einem Pass in die Tiefe Richter an den Ball kam und dieser mit einem Lupfer über RSV-Schlussmann Ken Straße hinweg die Führung markierte (40.). Nach einem Konter, – Griebsch ließ seinen Gegenspieler Dwayne Bensch beim Laufduell ziemlich alt aussehen – erhöhte der kaum zu stoppende Routinier mit einem Rechtsschuss auf 2:0 (44.). Diese Pausenführung war nicht unverdient, da der Oberligist nicht mit der aggressiven Spielweise der Wernsdorfer zurecht kam und sich auch selbst kaum klare Chancen erarbeiten konnte.

Den ersten Aufreger nach dem Wechsel gab es in Minute 58, als Tino Kapannusch und Dima Ronis mit den Köpfen zusammenprallten. Beide Akteure mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Seinen einzigen Fehler im gesamten Spiel machte Prominski dann, als er gegen Yannic Heinze zu spät kam und ihn am Fuß erwischte. Referee Tino Stein blieb nichts anderes übrig, als auf den Punkt zu zeigen. Den fälligen Strafstoß verwandelte der kurz zuvor eingewechselte Felix Matthäs sicher zum 1:2 (63.). Auch mit der Hereingabe vom ehemaligen Miersdorf-Akteur Niklas Goslinowski bewies Hinze ein glückliches Händchen, denn nur 120 Sekunden nach dem Anschlusstreffer gelang dem Angreifer der 2:2-Ausgleich.

Nach einem schnellen Gegenangriff bei einem unnötigen Ballverlust der Hausherren im Vorwärtsgang konnte Torben Neubauer den dritten Treffer für die Gäste aus Stahnsdorf erzielen (73.). Als sich die Heimfans schon mit der knappen Niederlage abgefunden hatten, konnte Wernsdorf noch einmal die richtige Antwort geben. Drei Minuten vor dem regulären Ende der Partie brachte Griebsch eine Ecke von der linken Seite in den Strafraum. Richter behauptete sich beim Kopfballduell gegen Felix Kausch und nickte zum viel umjubelten 3:3 ein.

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In der Nachspielzeit war es für die Eintracht erneut Goslinowski, der sein Team kurzzeitig auf die Siegerstraße brachte – 3:4 (90.+3). Doch die Dahmeländer steckten nicht auf und wurden dafür mit ihrem letzten Angriff belohnt. Griebsch setzte sich auf der rechten Außenbahn durch und schob aus spitzem Winkel durch die Beine von Straße zum 4:4 ein (90.+7).

Dieses Gegentor brachte Hinze so richtig auf die Palme. „Wir haben durch Dominik Kruska – der den Ball nur nach vorne schießen musste – eigenen Ballbesitz. Jedoch trifft er einen Spieler von uns, der den Ball ins Aus lenkte. Nach dem folgenden Einwurf von Wernsdorf verteidigen wir einfach nur schlecht“, ärgert sich der RSV-Coach über den vermeidbaren Gegentreffer. Auch die erste Möglichkeit in der Verlängerung hatte Richter, der einen Kopfball aus fünf Metern nur knapp links vorbei setzte (98.). Besser machte es der Frankonia-Kapitän vier Minuten vor dem Ende der Extrazeit. Einen Angriff über die linke Seite, den Maximilian Holz mit einem Pass auf Griebsch einleitete, schloss Richter nach der präzisen Flanke von Griebsch mit einem Kopfballtreffer am langen Pfosten stehend zum 5:4-Endstand ab. „Wir waren heute nicht einmal landesliga-reif. Aus diesem Grund haben wir auch fünf Gegentore kassiert“, fügt Hinze noch hinzu.

SV Frankonia Wernsdorf: Prominski – Kapannusch (58. Holz), Weisse, Schmauder, Felix, Liedloff (85. Wengler), Griebsch, Blagojevic, Kusche (81. Milz), Bartz, Richter.