07. April 2021 / 21:36 Uhr

Nach Beendigung der Amateurfußball-Saison in MV: So reagieren die Vereine

Nach Beendigung der Amateurfußball-Saison in MV: So reagieren die Vereine

Ben Brümmer/Johannes Weber
Ostsee-Zeitung
Ein kaputter Fußball liegt am Pfosten eines wegen des Lockdowns geschlossenen Fußballplatzes.
Ein kaputter Fußball liegt am Pfosten eines wegen des Lockdowns geschlossenen Fußballplatzes. © imago images/Hanno Bode
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Der Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern hat gestern Abend die vorzeitige Beendigung der Saison 2020/21 bekannt gegeben. Nicht bei allen Vereinen stößt die Wertung der Spielzeit auf Zuspruch.

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Gestern Abend hat der Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern (LFV MV) das vorzeitige coronabedingte Saisonende der Spielzeit 2020/21 bekannt gegeben. Wie schon im Vorjahr, entschieden sich die Offiziellen dafür, die Quotientenregelung zur Ermittlung der Platzierungen in der Tabelle zu nutzen. Die Auf- und Abstiegsregelungen bleiben bis auf eine Ausnahme ebenfalls analog zur vorherigen Saison. Aufsteiger in die nächsthöhere Spielklasse sind angedacht. Sportliche Absteiger auf Landesebene wird es nicht geben - nur auf freiwilliger Basis. Auch der Landespokal der Frauen und Herren ist erneut vom Abbruch ausgenommen und kann auch über das ursprüngliche Saisonende (30. Juni) noch ausgespielt werden. Sollte kein sportlicher Sieger ermittelt werden können, darf die jeweils noch im Wettbewerb aktive bestplatzierteste Mannschaft aus der höchsten Spielklasse des LFV im DFB-Pokal 2021/22 antreten. Nicht bei allen Vereinen aus MV stößt diese Art der Saisonwertung auf Zuspruch. Der SPORTBUZZER hat nachgehakt und einige Reaktionen gesammelt.

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So reagieren die Vereine:

Sven Lange, Coach des Verbandsligisten Malchower SV hat Einsicht für die Saisonwertung des LFV. „Der Verband war gezwungen eine Entscheidung zu treffen. Persönlich kann ich diese auch nachvollziehen. Für den Sport und alle Fußballer ist sie allerdings eine Katastrophe. Seit November rollt der Ball nicht mehr. Außerdem stört die Ungewissheit, wann es mit dem Pokalwettbewerb weiter geht. Das ist einfach nervig", räumt Trainer Lange ein. Sein Team konnte in sieben Liga-Partien insgesamt sieben Punkte einfahren und beendet die Saison auf dem elften Rang in der Tabelle. Im Landespokal-Achtelfinale würde der MSV auf Liga-Kontrahent FC Schönberg treffen.

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Als einer der absoluten Gewinner des vorzeitigen Saisonabbruchs zählt der FSV Bentwisch. Alle drei Herrenteams (Landesliga Nord, Landesklasse I, Kreisliga Staffel II Warnow) führen jeweils ihre Liga an. Sowohl die erste Mannschaft, als auch die dritte Mannschaft blieben dabei sogar ohne Punktverlust. „Es fühlt sich merkwürdig an, auf diese Weise aufzusteigen. Unsere Mannschaften hätten lieber weitergespielt und jeweils sportlich den ersten Platz erkämpft. Allerdings müssen wir uns auch nicht dafür entschuldigen, dass wir bis zum Saisonabbruch ganz oben standen und nun unser Aufstiegsrecht wahrnehmen wollen. Die Teams haben alles gegeben, besonders die erste Mannschaft hatte sehr fleißig trainiert, um ihr großes Ziel zu erreichen“, sagt FSV-Präsident Michael Lau. Somit kehren die Bentwischer nach dem Verbandsliga-Rückzug aus der Saison 2014/15 erstmalig wieder zurück in die höchste MV-Spielklasse. Bis dato unklar ist jedoch noch, ob die dritte Männermannschaft den Sprung in die Kreisoberliga vollziehen wird.

Beim PSV Wismar aus der Landesliga West ist die Stimmung hingegen bedrückt. Der Klub war zwar nach Anwendung der Quotientenregelung an Kontrahent FC Mecklenburg Schwerin II vorbei gezogen, darf als punktbester Zweiter aller Ligen jedoch nicht das Aufstiegsrecht in die Verbandsliga in Anspruch nehmen. Ursprünglich sollten die Staffelsieger und der punktbeste Zweite in die Verbandsliga aufsteigen. Daraus wird nun nichts. Der Aufstiegsplatz für den besten Zweiten wurde vom Verband gestrichen. Nach SPORTBUZZER-Infos hätten sich die Wismarer zumindest Gedanken über ein mögliches Aufstiegsrecht gemacht. PSV-Trainer Marco Rohloff meint: „Ich kann die Entscheidung des LFV nicht nachvollziehen. Der Entschluss wirkt unglücklich und gibt kein gutes Bild ab.“

Landesliga Ost-Teilnehmer Greifswalder FC II wird die Spielzeit auf dem zweiten Rang hinter dem SV Siedenbollentin beenden. Fernab vom knapp verpassten Aufstieg in die Verbandsliga, sehnt sich GFC-II-Coach Mathias Raths vor allem nach einem: „Das wichtigste ist doch, dass wir überhaupt mal wieder Fußballspielen können. Das sollte im Vordergrund stehen." Die Saisonwertung des Verbandes akzeptiert der Trainer. „Wir nehmen es so hin, wie es ist. Der LFV kann es schließlich nicht allen Recht machen. Aus unserer Sicht hätte eine Wertung erst erfolgen sollen, wenn ein Team gegen jeden Gegner mindestens einmal gespielt hätte. Zudem sollte es, wenn es Aufsteiger gibt auch sportliche Absteiger geben", meint Raths.

Auch der SV Rot-Weiß Trinwillershagen aus der Landesklasse I verpasst nur knapp den Aufstieg. Trotz gleichem Punktequotienten und einem 3:1-Erfolg im direkten Duell, aber aufgrund von drei weniger geschossenen Toren gegenüber Spitzenreiter FSV Bentwisch II bleibt es den Rot-Weißen verwehrt, künftig in der Landesliga aufzulaufen. Trin-Coach Jürgen Hakelberg trägt die LFV-Entscheidung dennoch mit Fassung: „Wir akzeptieren die Situation, wie sie ist. Wir haben eine gute Runde gespielt." Auch Hakelberg meint: "Wenn es Aufsteiger gibt, hätte es aber auch Absteiger geben müssen.“

Die Fußballtabellen in MV nach Saisonabbruch:

Verbandsliga MV Männer: Förderkader mit der besten Platzierung der Vereinsgeschichte. Zur Galerie
Verbandsliga MV Männer: Förderkader mit der besten Platzierung der Vereinsgeschichte. ©

Aufstiegsberechtigt ist hingegen der FC Insel Usedom als Tabellenführer der Landesklasse II. Coach Roman Maaßen hätte den Sprung in die Landesliga gerne sportlich geschafft. „Wir sehen es aber als Verdienst unserer guten Entwicklung der vergangenen drei bis vier Jahre“, urteilt Maaßen. Die Entscheidungen des Verbands hält Maaßen für positiv: „Sie haben gut gehandelt. Die Vereine haben somit eine gewisse Freiheit."

Auch der PSV Ribnitz Damgarten zeigt sich zufrieden mit der Saisonwertung des LFV. Als Tabellenschlusslicht der Landesklasse I konnten sich die Bernsteinstädter lediglich zwei Punkte aus neun Partien erspielen. Dadurch, dass es keine sportlichen Absteiger geben wird, bleibt ihnen der Weg in die Kreisoberliga erspart. „Mit dieser Entscheidung haben wir natürlich Glück gehabt. Die Jungs hätten sich trotzdem lieber sportlich mit anderen Teams duelliert und den Klassenerhalt eventuell aus eigener Kraft geschafft", verdeutlicht PSV-Fußball-Abteilungsleiter Steffen Klauke.